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Exporte Amerikaner lieben "Made in Germany"

Die USA entwickeln sich zum wichtigsten Abnehmer für deutsche Exporte und überholen sogar Frankreich. Grund für die Entwicklung ist vor allem die Abwertung des Dollar. Der Trend könnte sich fortsetzen.

Daimler-Präsentation auf der Automesse in Frankfurt. Foto: Andreas Arnold

Inzwischen kommen die Empfehlungen regelmäßig. Deutschland müsse mehr für die Binnennachfrage tun und sich weniger auf Exporte konzentrieren als bisher, sagen Vertreter der US-Regierung in Washington. Doch die Appelle verhallten bislang ungehört. Jetzt haben die USA sogar Frankreich als wichtigstes Abnehmerland für deutsche Waren abgelöst.

Der starke US-Dollar, der im Vergleich zum Euro binnen eines Jahres um 13 Prozent aufgewertet wurde, macht es möglich. Produkte, vor allem aus dem Maschinenbau, mit dem Label „Made in Germany“ sind nicht nur traditionell gefragt und angesehen in den USA. Deutsche Waren sind heute billiger zu bekommen als noch vor kurzer Zeit. Was die deutsche Wirtschaft freut, macht allerdings den amerikanischen Exporteuren Sorgen. Allein im Juni dieses Jahres stieg das Handelsdefizit in den USA um mehr als sieben Prozentpunkte auf fast 44 Milliarden US-Dollar an. Vor allem Exporteure von Industriegütern sind davon betroffen.

Angst vor Zinsentscheidung

Im Gegensatz zu Deutschland wird allerdings dieses Problem in den USA nicht als allzu drastisch wahrgenommen. Die Wirtschaft boomt, zumindest im Vergleich zu anderen Industrienationen. Für das laufende Jahr wird ein Wachstum von mehr als drei Prozent vorhergesagt. Im zweiten Quartal 2015 waren es sogar 3,7 Prozent, wie die Regierung am Donnerstag bekannt gab.

Durchschnittlich werden pro Monat mindestens 200 000 neue Stellen geschaffen. Das sind zwar oft Arbeitsplätze mit nicht ausreichender Bezahlung, dennoch ist der Trend deutlich: Die US-Wirtschaft hat sich aus der weltweiten Wirtschafts- und Finanzkrise befreien können.

Außerdem sind die Amerikaner – wenigstens im Vergleich zu den Deutschen – kein Volk der Sparer. Weil zugleich die Energie-Preise auf einem Rekordtief sind, wird gewissermaßen jeder Cent, um den Heizöl oder Benzin im Preis sinken, für Einkäufe im Inland ausgegeben. Diese Konsumausgaben machen fast 70 Prozent der gesamten Wirtschaftsleistung aus. Das macht es – gesamtwirtschaftlich gesehen – leichter, die Exportflaute zu überstehen.

Das könnte sich allerdings ändern, wenn die US-Notenbank Federal Reserve demnächst ihre Politik des billigen Geldes aufgeben sollte. Seit Beginn der Krise vor sieben Jahren liegt der US-Leitzins auf einem historischen Tief von null bis 0,25 Prozentpunkten. Das hat der Wirtschaft in den USA auf die Beine geholfen. Experten rechneten zuletzt damit, dass die Fed im September die Zinsen erhöhen wird. Das würde mit großer Wahrscheinlichkeit den Dollar gegenüber dem Euro weiter stärken und amerikanische Ausfuhrprodukte noch einmal verteuern.

Doch nach den weltweiten Börsenturbulenzen der vergangenen Tage scheint eine Leitzinserhöhung wieder verschoben zu sein. „Aus meiner Sicht erscheint jetzt der Beginn einer Normalisierung der Geldpolitik im September weniger zwingend als noch vor einigen Wochen“, sagte zumindest der Präsident der New Yorker Notenbank, William Dudley. Dieser Satz dürfte vor allem US-Exporteure gefreut haben.

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