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Europäische Zentralbank Notenbanken gehen getrennte Wege

FED hebt den Leitzins erneut an, die EZB wird voraussichtlich nicht folgen.

US-Notenbank
Janet Yellen, Präsidentin des Federal Reserve Board (FED). Foto: dpa

Die US-Notenbank hat auf ihrem Treffen am Mittwoch ihren Leitzins erhöht. Die Europäische Zentralbank (EZB) dagegen dürfte auf ihrer Sitzung am heutigen Donnerstag zunächst keine weiteren Beschlüsse fassen. Die beiden großen Zentralbanken der Welt gehen getrennte Wege. Denn die ökonomische Situation diesseits und jenseits des Atlantiks ist sehr unterschiedlich. Gleichzeitig aber teilen beide Seiten ein Problem: die hartnäckig niedrige Inflationsrate.

In den Jahren von Finanz- und Wirtschaftskrise hatten die Zentralbanken die Zinsen gesenkt und ihre Geldpolitik gelockert, um Kredite billiger zu machen und so Nachfrage und Konjunktur zu stützen. Für die USA ist diese Periode jedoch vorüber: Die Zentralbank Fed hat den Korridor für ihren Schlüsselzins auf 1,25 bis 1,50 Prozent erhöht und damit die Kreditaufnahme verteuert. Es war die fünfte Zinserhöhung in den USA seit der Krise. 

Die Entscheidung fiel mit sieben zu zwei Stimmen: Die beiden Führungsmitglieder Neel Kashkari und Charles Evans konnten sich mit ihrem Plädoyer für gleichbleibende Zinsen nicht durchsetzen. 2018 und 2019 sollen jeweils drei weitere Schritte folgen, wie die Fed in ihrem Zinsausblick signalisiert. 

Gute US-Wirtschaft rechtfertigt hohe Zinsen

In den Vereinigten Staaten läuft die Wirtschaft seit langem gut, Millionen neuer Jobs sind entstanden. Im November war die Arbeitslosenrate daher auf ein 17-Jahrestief von 4,1 Prozent gesunken. Das rechtfertigt höhere Zinsen. Zudem reduziert die Fed planmäßig schrittweise den Bestand an Anleihen, den sie im Zuge der Krise erworben hatte.

In der Euro-Zone dagegen hat sich der Aufschwung zwar verfestigt, er ist allerdings noch jung. Die Arbeitslosenrate ist zurückgegangen, liegt aber immer noch bei 8,8 Prozent. „Damit herrscht im Durchschnitt der Euro-Zone noch immer Massenarbeitslosigkeit“, erklärt die Commerzbank. 
Die EZB wird daher weiter Anleihen erwerben, um das Zinsniveau zu drücken – ab Januar reduziert sie den Kaufbetrag allerdings von 60 auf 30 Milliarden Euro monatlich. Eine Leitzinserhöhung wird es vor dem Jahr 2019 kaum geben.

In beiden Währungsräumen liegt die Inflationsrate allerdings deutlich unter den Zielwerten von etwa zwei Prozent. So betrug die Teuerung in den USA – unter Ausklammerung der schwankungsanfälligen Nahrungsmittel- und Energiepreise – trotz des jahrelangen Konjunkturaufschwungs zuletzt 1,4 Prozent. Die Euro-Zone erreichte zuletzt 0,9 Prozent. „Das von der EZB erhoffte langsame Anziehen ist nach wie vor nicht zu erkennen“, so die Commerzbank.

Für Länder wie die USA oder Deutschland überrascht die niedrige Preissteigerungsrate. Denn laut ökonomischer Theorie müsste ein Rückgang der Arbeitslosigkeit zu kräftig steigenden Löhnen führen, was den Unternehmen Gelegenheit bietet, die zusätzliche Kaufkraft über höhere Preise abzuschöpfen. Ergebnis wäre eine höhere Inflationsrate. Die bleibt bislang aus, denn in den USA oder Deutschland steigen die Löhne schwach. 

Die Gründe dafür können Wirtschaftsexperten nur vermuten. Eine Erklärung ist der hohe Anteil an Teilzeitkräften: Sie sind zwar nicht arbeitslos, wollen aber gerne mehr arbeiten und suchen daher nach neuen Stellen. Zudem existiert in den USA ein großer ungenutzter Arbeitskräfte-Pool in der sogenannten stillen Reserve –   Personen, die zwar Arbeit suchen, kurzfristig am Arbeitsmarkt aber nicht verfügbar sind. Weitere Effekte, die auf die Lohnentwicklung drücken, sind die Globalisierung, also die grenzüberschreitende Konkurrenz mit Billiglohn-Standorten, sowie die fortschreitende Automatisierung von Jobs. 

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