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Europäische Zentralbank Draghi: „Geduld ist nötig“

Die Entscheidung der EZB zu weiteren Anleihekäufen erfolgt erst im Oktober. Vorsichtigen Aussagen reichten jedoch, um den Euro erneut klettern zu lassen.

Mario Draghi
EZB-Präsident Mario Draghi schiebt die Zinswende noch einmal auf. Foto: afp

Die Zinswende ist da“, verkündete am Anfang der Woche das Verbraucherportal biallo.de und verwies auf die leichte Verteuerung der Immobilienkredite seit vergangenem Herbst. Das Problem: Mario Draghi, Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), will von diesem Kurswechsel nichts wissen. „Geduld ist nötig“, sagte Draghi auf der Pressekonferenz nach der Sitzung des EZB-Rates am Donnerstag in Frankfurt. Darin beschlossen die obersten Geldpolitiker der Währungsunion nicht nur, wie erwartet den Leitzins bei null Prozent zu belassen und den Geschäftsbanken sogar Strafzinsen für kurzfristige Anlagen abzuverlangen.

Sie hielten auch komplett an den Aussagen zu den umstrittenen Anleihekäufen fest. Anders als von vielen erhofft deuteten sie mit keinem Wort an, dass sie das Programm reduzieren könnten. Immerhin stellte Draghi klar, dass Beschlüsse im Oktober folgen dürften. Mit seinen Kollegen habe er verschiedene Szenarien besprochen. Noch sei die Diskussion aber in einem sehr vorläufigen Stadium. Diese vorsichtigen Aussagen reichten, den Euro erneut klettern zu lassen.

Euro legt auf über 1,20 Dollar zu

Die Händler an den Devisenmärkten interpretierten Draghis Einlassungen als konkreten Hinweis darauf, dass in der EZB das Nachdenken über eine Kurskorrektur begonnen hat. Als erstes könnte sie ihr Anleiheprogramm 2018 weiter reduzieren. Damit würde sie die Grundlage schaffen, um mittel- bis langfristig wieder höhere Zinsen im Euroraum zu ermöglichen. Der Euro legte auf über 1,20 Dollar zu, womit er innerhalb weniger Monate fast ein Fünftel gewonnen hat.

Dieser Vertrauensbeweis für die Gemeinschaftswährung löst bei den Notenbankern aber nicht nur Freude aus. Im Gegenteil. Der starke Euro verschärft laut Draghi die Unsicherheit über die weitere Erholung der Wirtschaft und das Anziehen der Inflation weg von Krisenniveaus. Denn die Aufwertung verbilligt Importgüter. Das drückt die Preise und verhindert eine höhere Inflation. Zudem wird es für heimische Firmen in den Krisenländern schwerer, die Wettbewerbsfähigkeit an den internationalen Märkten zurückzugewinnen.

Draghi: Alle Optionen offenhalten

Deutlich wurde bei den Antworten von Draghi auf die Fragen der Journalisten, dass er sich alle Optionen offenhalten möchte. Bewusst vermied er es, sich auf einen Kurswechsel festzulegen. Dies stieß in Deutschland überwiegend auf Kritik. „Die EZB bleibt sowohl den Sparern als auch den Märkten Klarheit schuldig“, sagte Sparkassenpräsident Georg Fahrenschon. Ex-Bundesbankpräsident Axel Weber rief die EZB auf, die Normalisierung der Geldpolitik schneller voranzutreiben. Die Euro-Notenbank sei „eher hinter der Kurve als vor der Kurve“, sagte Weber, der heute den Verwaltungsrat der Schweizer Großbank UBS leitet. „Ich bin überzeugt, dass die EZB jetzt den Ausstieg aus der ultralockeren Geldpolitik sehr geordnet planen müsste.“ Dagegen zeigte Marcel Fratzscher, Chef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, Verständnis für die Vorsicht Draghis. Es sei klug, sich jetzt noch nicht zu binden, meinte Fratzscher. Dafür seien die Risiken für den Euroraum und auch die Weltwirtschaft noch zu groß.

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