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Euro-Zone Von Deutschland abgehängt

Die Wirtschaft in der Euro-Zone läuft schlechter als erwartet. Die Krisenbewältigung trifft in den Südländern vor allem die einfachen Menschen.

Eine Demonstrantin protestiert in Paris in Sträflingskleidung gegen die Austeritätspolitik. Zwischen Januar und März stagnierte die Produktion in Frankreich. Foto: rtr

In der Euro-Zone tut sich ein tiefer Riss auf: Während die deutsche Wirtschaft voranprescht, fallen andere Länder zurück. Zwischen Januar und März stagnierte die Produktion in Frankreich. In Italien, Portugal, Finnland und den Niederlanden ging sie sogar zurück. Die Europäische Zentralbank (EZB) dürfte daher bei ihrem nächsten Treffen Anfang Juni weitere Maßnahmen zur Ankurbelung der Konjunktur beschließen.

Obwohl die starke deutsche Konjunktur im ersten Quartal den Euro-Zonen-Durchschnitt in die Höhe trieb, blieb das Wirtschaftswachstum der Währungsunion schwach. Mit einem Plus von nur 0,2 Prozent gegenüber dem Vorquartal blieb es deutlich hinter den Erwartungen der Ökonomen zurück, die im Durchschnitt mit 0,4 Prozent Wachstum gerechnet hatten.

„Die Zahlen zeigen, dass der Euroraum konjunkturell alles andere als über den Berg ist“, kommentierte Alexander Krüger vom Bankhaus Lampe. Zwar werde die Schuldenkrise kaum noch wahrgenommen, „dennoch belastet sie das Wachstum“.

Während das Krisenland Spanien mit einem Wachstum von 0,4 Prozent positiv überraschte, enttäuschte die Konjunkturentwicklung in Frankreich. Die Franzosen leiden unter den staatlichen Sparmaßnahmen und Steuererhöhungen. Zudem besteht ein Lohnerhöhungsstopp für Staatsangestellte.

Folge: Der private Konsum, tragende Säule der französischen Wirtschaft, sank zwischen Januar und März um 0,5 Prozent. Die Arbeitslosigkeit liegt weiter auf Rekordniveau. Nur noch 18 Prozent der Franzosen stehen laut Umfragen hinter der Politik von Präsident Francois Hollande, der vor einer Woche noch den „konjunkturellen Wendepunkt“ angekündigt hatte.

In der drittgrößten Wirtschaft der Euro-Zone, Italien, lag das Bruttoinlandsprodukt (BIP) 0,1 Prozent niedriger als im Vorquartal, gegenüber Vorjahresquartal betrug das Minus 0,5 Prozent. Dabei hatte man gerade noch gehofft, Italien würde sich von der längsten Rezession seiner Geschichte erholen. Die Arbeitslosenrate liegt derzeit mit 12,7 Prozent auf Rekordniveau.

Abwärts ging es im ersten Quartal auch mit der niederländischen Wirtschaft. Hier gab es einen Sonderfaktor: Während in Deutschland der ungewöhnlich warme Winter die Bautätigkeit und damit die Konjunktur anfeuerte, führte er in den Niederlanden zu einer drastisch sinkenden Produktion von Gas und Öl.

Eine sinkende Produktion verbuchten ebenfalls Griechenland und Portugal, das diese Woche den Euro-Rettungsschirm verlässt. Ursache des Rückgangs waren in erster Linie sinkende Exporte.

In den nächsten Monaten dürfte sich nach Einschätzung von Ökonomen die Wirtschaft der Euro-Zone weiter verhalten entwickeln. „Für eine Wachstumsbeschleunigung fehlen die Treiber“, erklärte Bank-Volkswirt Krüger – zumal die globalen Frühindikatoren bereits wieder eine Verlangsamung der Weltkonjunktur anzeigen.

Angesichts schwacher Konjunktur und sehr niedriger Inflationsraten könnte die EZB auf ihrer nächsten Sitzung Anfang Juni die Zinsen weiter senken, um Kredite billiger zu machen und dadurch die Konjunktur anzuschieben. Ein weiterer Effekt sinkender Zinsen wäre eine Schwächung des Euro-Kurses.

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