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Escada-Chef Sälzer Das Scheitern des "Mister Hugo Boss"

Bruno Sälzer prägte den Modekonzern Hugo Boss 13 Jahre lang - bis er dort eine Niederlage kassierte. Jetzt ist Sälzer, der weiter Boss-Anzüge trägt, bei Escada gescheitert.

12.08.2009 11:08
Escada-Chef Bruno Sälzer muss den Gang zum Amtsgericht gehen. Die Rettung des Modekonzerns ist gescheitert. Foto: dpa

München. Er war jahrelang erfolgreich "Mister Hugo Boss" - bis er den Machtkampf mit den Eigentümern verlor. Nun kassiert Bruno Sälzer seine zweite empfindliche Niederlage: Die finanzielle Rettung des schwer angeschlagenen Luxusmode-Herstellers Escada ist gescheitert. Der Gang zum Insolvenzrichter droht noch diese Woche. Ob der 52-jährige Kämpfertyp an Bord bleibt, ist ungewiss.

Die Zeichen sprechen aber tendenziell dafür: "Der Vorstand beabsichtigt, sein operatives Konzept zur Neuausrichtung von Escada, das seit Mitte 2008 umgesetzt wird, dem vorläufigen Insolvenzverwalter vorzustellen", sagt Sälzer, der weiterhin Boss-Anzüge trägt. Seit seinem Amtsantritt vor gut einem Jahr bei Escada stellt er dort alles auf den Kopf. Mit neuen Farben und Stoffen sollen die Kollektionen, die lange schlecht liefen und als altbacken galten, moderner werden. Die Geschäftsprozesse werden automatisiert.

Das Problem: Veränderungen in der Modebranche brauchen Zeit. Und so musste der passionierte Läufer, der auch den schwarzen Karategürtel hat, zuletzt weiter tiefrote Zahlen rechtfertigen. Im ersten Halbjahr des Geschäftsjahres 2008/09 stieg der Verlust auf 92 Millionen Euro bei einem deutlich geschrumpften Umsatz von 151 Millionen. Neben hausgemachten Versäumnissen verschärfte die Konsumflaute die Lage - Escada ging das Geld aus.

Ärger mit Finanzinvestor Permira

Der im badischen Bad Rappenau geborene Sälzer, verheiratet und Vater von vier Söhnen, wollte neben den Mitarbeitern auch die Anteilseigner, Gläubiger und Banken in die Pflicht nehmen. Monatelang kämpfte er gegen die Pleite und konnte Banken sowie Aktionäre zu Zugeständnissen bewegen, nur die Gläubiger einer 200 Millionen Euro schweren Unternehmensanleihe wollten partout nicht mitziehen und einen Beitrag zur Entschuldung leisten. Damit fiel das Rettungskonzept in sich zusammen. Nun wird Sälzer seine Macht verlieren und bald ein Insolvenzverwalter das Sagen haben.

Beim Modekonzern Hugo Boss, den Sälzer 13 Jahre prägte, legte sich der Top-Manager mit dem Finanzinvestor Permira an. Dieser drückte gegen Sälzers Willen eine Sonderausschüttung durch, für die sich der Konzern aus dem schwäbischen Metzingen verschulden musste. Zuvor hatte Sälzer unter anderem bewiesen, wie aus einer schlecht laufenden Damenmode-Linie ein erfolgreiches Geschäft gemacht werden kann. "Er hat Hugo Boss zu dem gemacht, was es heute ist", sagt ein Kenner der Branche.

Sälzer startete - untypisch für die Modebranche - nicht als "Kreativer". Als Vertriebsvorstand war er 1995 zu Boss gestoßen, vorher hatte der studierte Betriebswirt unter anderem beim Kosmetik-Hersteller Beiersdorf gearbeitet. Im Jahr 2002 erklomm er als Nachfolger von Stardesigner Werner Baldessarini die Boss-Konzernspitze. Jetzt muss er sich gegen einen Insolvenzverwalter behaupten. (rtr)

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