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Erneuerbare Energien Die Strom-Billigmacher

Energie aus Erneuerbaren wird immer günstiger. Trotzdem braucht es einen CO2-Preis, um den Kohlestrom aus dem Markt zu drängen.

Windenergie
Neue Windparks produzierendie Kilowattstunde Strom heute für im Schnitt rund fünf Cent. Foto: dpa

Steht der Durchmarsch der Öko-Energien bald bevor? Eine aktuelle Analyse der Internationalen Agentur für Erneuerbare Energien (Irena) suggeriert das. Der Preisverfall für neue Windkraft-, Solar- und Geothermieanlagen ist danach so rasant, dass sie den Strom in wenigen Jahren weltweit billiger herstellen werden als Kohle- oder Erdgas-Kraftwerke. Seit 2010 sind die Kosten für die Stromproduktion bei der Photovoltaik laut der Studie um fast drei Viertel zurückgegangen, bei der Windenergie an Land um fast ein Viertel. Und die Irena erwartet, dass dieser Trend auch über das Jahr 2020 hinaus anhalten wird.

Neue Windparks produzieren laut Irena die Kilowattstunde (kWh) Strom heute für im Schnitt rund fünf Cent, bei Photovoltaik-Kraftwerken sind es etwa acht Cent. Damit lägen sie bereits innerhalb der Kostenspanne für Elektrizität, aus Kohle, Öl oder Gas, die mit vier bis vierzehn Cent zu Buche schlägt. Besonders Solarkraftwerke im Sonnengürtel der Erde verzeichnen Rekord-Niedrigpreise. Hier haben Anlagen in Ländern wie Abu Dhabi, Saudi-Arabien, Mexiko und Peru 2,5 Cent/kWh zur neuen Benchmark gemacht. Für das Jahr 2020 sieht der Bericht dann alle Erneuerbaren-Technologien innerhalb der Kostenspanne der fossilen Energien, die meisten sogar am unteren Ende.

Irena-Chef Adnan Amin sagte dazu jetzt auf der Mitgliedsversammlung seiner Organisation in Abu Dhabi: „Diese neue Dynamik zeigt einen Paradigmenwechsel im Energiesystem an.“ Der Preisrutsch in allen Ökostrom-Technologien sei beispiellos und belege, „wie stark die erneuerbaren Energien das weltweite Energiesystem umwälzen“. Ins gleiche Horn stößt der Energieexperte Matt Grey, Analyst beim Londoner Thinktank „Carbon Tracker“: „Wenn sich der Preisverfall fortsetzt, wird erneuerbare Energie bald so billig, dass es weniger kostet, neue Wind- und Solarenergieanlagen zu bauen, als bestehende Kohlekraftwerke weiter zu betreiben.“

Doch ist das bereits ein Selbstläufer? Andere Experten sehen die Zukunft nicht so rosig. Der Ökonomieprofessor Ottmar Edenhofer zum Beispiel glaubt nicht, dass der Umstieg von fossilen auf erneuerbare Energien bereits automatisch kommen wird, weil die Öko-Energien inzwischen so preiswert geworden sind. „Solange die Kohle billig bleibt, wird sie nicht aus dem System gedrängt“, meint der Vizepräsident des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung.

Aktuelle Zahlen des Vereins der Kohleimporteure geben ihm recht. Sie zeigen, dass der besonders CO2-reiche Energieträger wieder auf dem Vormarsch ist. So stieg der Welthandel mit Steinkohle 2017 nach einem Rückgang im Vorjahr wieder um 1,5 Prozent an, die globale Förderung sogar um zwei Prozent. Der Höchststand der Förderung ist laut dem Verein, anders als von Umweltorganisationen erhofft, noch nicht erreicht. „Peak Coal“ sei global noch lange nicht erreicht.

Der aus Klimagründen unerlässliche Umstieg braucht also einen weiteren Antrieb neben der Verbilligung der Öko-Energien. Nach Lage der Dinge ist das ein wirksamer CO2-Preis, der die fossilen Energieträger gemäß ihres Kohlenstoffgehalts verteuert und die Wettbewerbsfähigkeit der Erneuerbaren steigert. In der EU pusht Frankreichs Präsident Macron die Einführung eines CO2-Mindestpreises, die Groko-Sondierer unter „Klimakanzlerin“ Merkel hingegen haben das Thema ausgeblendet.

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