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Erdüberlastungstag Unsere abgenutzte Erde

Heute ist Erdüberlastungstag. Das heißt: Ab jetzt verbrauchen wir mehr Ressourcen als die Erde uns in diesem Jahr bietet.

Kupfermine
Die größte Kupfermine der Welt im Norden Chiles. Die Menschheit nutzt zu viele Ressourcen und bräuchte derzeit eigentlich 1,7 Erden. Foto: rtr

Auf dem großen Banner steht: „Unsere Erde: Ausgepresst!“ Aktivisten der BUND-Jugend quetschen davor die Erde aus – sinnbildlich. Sobald nur noch die Hülle des Erd-Balls übrig ist, wird der nächste genommen. Die Aktion vor dem Brandenburger Tor in Berlin, die am heutigen Mittwoch stattfindet, soll verdeutlichen: Werden Klima und Ressourcen weiter so strapaziert wie bisher, bräuchte die Weltbevölkerung mehr als einen Planeten. „Statt der Natur Zeit zur Regeneration zu geben, pressen wir unsere Erde aus wie eine Zitrone“, sagt Aktivistin Kira Heinemann, die die Aktion mit vorbereitet hat. „Damit betreiben wir Raubbau an nachfolgenden Generationen.“

Die Aktion der Jugendorganisation des Umweltverbandes BUND findet nicht zufällig am 1. August statt. Der Tag ist der „Earth Overshoot Day“, der Erdüberlastungstag. Das bedeutet: Die Menschheit hat seit dem 1. Januar die gesamten natürlichen Ressourcen bereits verbraucht, die unser Planet in einem Jahr erzeugen kann. Dieser Termin rückt im Kalender jedes Jahr weiter nach vorne. Um ihren Verbrauch nachhaltig zu decken, bräuchte die Weltbevölkerung derzeit rund 1,7 Erden. Legt man das Konsumniveau der Deutschen zugrunde, wären sogar mehr als drei nötig.

Berechnet wird der Overshoot Day jedes Jahr von der US-Organisation „Global Footprint Network.“ Sie stellt zwei Größen gegenüber: Einerseits die biologische Kapazität der Erde zum Aufbau von Biomasse und anderen Rohstoffen sowie zur Aufnahme von Emissionen und Müll, andererseits den Gesamtbedarf an Ressourcen wie Ackerland, Wälder oder Wasser, die die Menschheit für ihre Lebens- und Wirtschaftsweise brauchen. Das dafür genutzte Konzept des „ökologischen Fußabdrucks“ ist quasi ein Buchhaltungssystem für die natürlichen Ressourcen.

Gegenüber dem Vorjahr ist der Erdüberlastungstag erneut um einen Tag vom 2. auf den 1. August vorgerückt. Der Raubbau an der Erde nimmt also weiter zu. Bis in die 1960er Jahre waren Neubildung und Nutzung der Ressourcen global gesehen noch im Gleichwicht. Anno 1972 war der Overshoot Day dann bereits am 10. Dezember erreicht und seither liegt er immer früher im Jahr. Zwar ist seit dem UN-Erdgipfel in Rio 1992 das Bewusstsein gestiegen, dass die globalen Ressourcen übernutzt werden. Doch trotz der damals verabschiedeten Konventionen zu Klima, Biodiversität und gegen Wüstenbildung sowie Initiativen zum Waldschutz wurde die Übernutzung nicht gebremst

Ein Aktionsbündnis aus deutschen Umwelt- und Entwicklungsorganisationen hat den Overshoot Day nun zum Anlass genommen, um eine Kehrtwende in der Lebens- und Wirtschaftsweise zu fordern. Die Bundesregierung und die hiesigen Unternehmen müssten endlich „ihrer großen Verantwortung für Klima- und Umweltschutz gerecht werden und endlich zukunftsfähig wirtschaften“. Das gelte vor allem für die Sektoren Energie, Verkehr und Agrar. Bündnis-Mitglied Germanwatch argumentiert, die Bundesrepublik gehöre zum obersten Viertel aller Länder mit einer enorm großen Erdüberlastung, Das ökonomisch starke Land habe deswegen ein besonders große Verantwortung.

Dass die USA den Planeten noch stärker abnutzen, ist dabei ein geringer Trost. Würde der dortige Lebens- und Konsumstil globalisiert, bräuchte man sogar fünf Erden.

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