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Erdogan-Dynastie „Die Türkei steht vor einer gewaltigen Pleitewelle“

1. UpdateErdogan ist in Bedrängnis: Die Lira verliert immer weiter an Wert, Analysten warnen vor einem Komplettabsturz der türkischen Wirtschaft.

Türkei
Präsident Erdogan will der Inflation mit niedrigen Zinsen den Garaus machen. Foto: rtr

Erdogan will billigere Kredite aber nicht nur, weil er Zinsen für „die Mutter alles Bösen“ hält, sondern auch, um das Rekordwachstum der türkischen Wirtschaft von 7,4 Prozent im vergangenen Jahr beizubehalten. Auf stetigem Wachstum beruht seine Popularität, und im Frühjahr steht mit den Kommunalwahlen seine nächste Bewährungsprobe an. Doch sind die Verluste der Lira ein Desaster für alle, die Kredite in Fremdwährungen haben – das betrifft etwa die Hälfte der Unternehmensschulden. Fachleute schätzen, dass die großen türkischen Holdings Verbindlichkeiten von mindestens 24 Milliarden Dollar umstrukturieren müssen. Wegen der Lira-Schwäche und fauler Kredite sind die türkischen Banken längst auch Opfer der Krise, was sich an ihren massiv fallenden Aktienkursen erkennen lässt.

„Die Türkei steht vor einer gewaltigen Pleitewelle“, sagt ein für westliche Investmentfonds tätiger Analyst, der namentlich nicht genannt werden will. „Der Schuldenberg und die Umstrukturierungen zeigen, dass hier eine Bombe tickt.“ Eine Bankenkrise kann schnell zur Staatskrise werden. Sollte die Türkei in eine existenzielle Zahlungsbilanzkrise geraten, könnte sie erneut wie zu Beginn von Erdogans Regierungszeit die Hilfe des Internationalen Währungsfonds benötigen, meint der Analyst.

Die Ratingagenturen Standard & Poors und Moody's warnten Anleger inzwischen vor zunehmenden Türkei-Risiken wegen der Zentralisierung der Wirtschaftspolitik; die Agentur Fitch stufte die Kreditwürdigkeit der Türkei sogar noch stärker herab in den „Schrott“-Bereich, weiterer Ausblick: negativ. Die Umformung des Ausnahmezustands zum Normalzustand wird das Vertrauen der Anleger eher nicht befördern. Doch Erdogan erklärte vor wenigen Tagen, er habe keine Bedenken, dass das neue Präsidialsystem Verwirrung stiften könne, weil jetzt „alle Ämter und Institutionen mit mir verbunden sind“. Für viele Investoren dürfte genau das ihre Sorgen bestätigt haben.

Nur eine deutliche Leitzinserhöhung könne den weiteren Absturz der Lira stoppen und die Wirtschaft stabilisieren, meinen Analysten. Berat Albayrak schien die Hoffnungen der Anleger zu unterstützen, als er auf dem Rückflug vom G-20-Finanzminister-Treffen in Buenos Aires am Sonntag sagte: „Wir werden nicht mit den Märkten kämpfen. Wir werden uns auf eine Win-Win-Beziehung hinbewegen.“ Ganz teilte sein Schwiegervater diese Ansicht offenbar nicht. Die Türkische Zentralbank ließ die Leitzinsen unverändert bei 17,75 Prozent. Nach Verkündung der Entscheidung verlore die Lira noch einmal 3,5 Porzent an Wert und notierte bei 4,90 Lira zum Dollar.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Türkei

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