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Energydrinks Ganz cool ins Krankenhaus

Energydrinks sind kein harmloser Spaß. Doch die Gefahren werden ignoriert. Jetzt wird der Ruf nach Verkaufsbeschränkungen zunehmend lauter.

Energydrink
250 Milliliter Red Bull kosten mehr als doppelt so viel wie die gleiche Menge Cola. Foto: Imago

Mit dem Mountainbike halsbrecherisch einen Berg runterheizen. Mit dem Skateboard spektakuläre Sprünge vollführen. Und dann einen Energydrink. So funktioniert die Werbung der Getränkehersteller, mit der sie den Verkauf des Lifestylegetränks in immer neue Höhen treiben. Doch Wissenschaftler warnen, dass die süßen Zaubertränke für die jungen Leute ziemlich gefährlich werden. Der Ruf nach Verkaufsbeschränkungen wird lauter.

In jedem gut sortierten Getränkemarkt kann der Kunde zwischen gut einem Dutzend Produkten wählen, die vor allem eins auszeichnet: einen hohen Koffeingehalt. Sowohl die Marktanteile als auch die verkauften Mengen der Energydrinks steigen stetig. 2014 waren es 290 Millionen Liter. Laut der Gesellschaft für Konsumforschung sind die Umsätze im vorigen Jahr weiter geklettert, und zwar um 4,3 Prozent. Energydrinks zählen damit zu der Gruppe der Getränke mit den höchsten Steigerungsraten – und dieser Trend hält schon einige Jahre an.

Die Wachmacher in Dosen sind für die Hersteller höchst interessant. Sie verleihen den Gewinnen Flügel. Die Renditen sind nach Schätzungen von Experten im Vergleich zu anderen Getränkekategorien extrem hoch: von 100 Euro Umsatz bleiben 15 bis 20 als Gewinn übrig. Möglich ist das, weil die Zutaten – Wasser, Zucker, Aromastoffe, Koffein – billig und die verkauften Dosen teuer sind. 250 Milliliter Red Bull kosten mehr als doppelt so viel wie die gleiche Menge Cola.

Wie das am Markt durchsetzbar ist? Mit einer riesigen Werbe- und Vermarktungsmaschinerie. Red Bull gibt ein Drittel des Umsatzes für Marketing aus. Das Unternehmen wirbt mit Mountainbikern und Snowboardern, Rennfahrern und Skateboardern – alles, was schnell, dynamisch und gefährlich ist. Das gilt in Varianten auch für die Wettbewerber.

Die Hersteller haben damit die süßen Koffeinmischungen als Zaubertrank positioniert, der vor allem männliche Jugendliche anspricht, die offenbar glauben, durch Energydrinks männlicher zu werden – dies legt zumindest eine kürzlich veröffentlichte Studie der University of Akron und der Texas Tech University nahe.

Übermäßiger Konsum

Doch die Energydrinks verleihen nicht nur ein gutes Gefühl, sie bergen auch Risiken. Mehrere Forschungseinrichtungen haben die gesundheitsschädlichen Wirkungen nachgewiesen, wie kürzlich erst die renommierte Mayo-Klinik in den USA: Eine große Dose (480 Milliliter) schnell getrunken, steigert den Blutfluss erheblich und lässt den Adrenalinspiegel kräftig steigen. Das erhöhe das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Die Verbraucherorganisation Foodwatch warnt, dass Energydrinks mit Herzrhythmusstörungen, Krampfanfällen und Nierenversagen in Verbindung gebracht werden – insbesondere wenn sie von jungen Menschen in großen Mengen konsumiert werden, wobei just bei körperlicher Anstrengung, sprich Sport, die Risiken noch einmal deutlich steigen sollen.

Die Gesellschaft der Europäischen Kinderkardiologen berichtete schon im vorigen Jahr von einer steigenden Zahl von Patienten, die nach dem übermäßigen Konsum von Energydrinks ins Krankenhaus eingeliefert werden. Einer Studie der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) zufolge trinken zwei Drittel aller Jugendlichen zwischen elf und 17 Jahren gewohnheitsmäßig Energydrinks. Ein Viertel davon leert in der Regel in einer Session den Inhalt von drei oder mehr Dosen. Damit wird die von der EFSA empfohlene Grenze von 200 Milligramm Koffein überschritten. Auch die Weltgesundheitsorganisation warnt vor Gesundheitsgefahren und dem „aggressiven Marketing“, das sich insbesondere an männliche Jugendliche richte.

Lettland hat nach Litauen als zweites EU-Land nun Konsequenzen gezogen und den Verkauf von Energydrinks an Minderjährige untersagt. Doch die Bundesregierung will davon nichts wissen. Stattdessen soll im Herbst eine mit rund 100 000 Euro Steuergeld finanzierte Aufklärungskampagne starten. Dem Verbraucherzentrale Bundesverband, den Kinderkardiologen und Foodwatch ist das nicht genug.

„Bundesernährungsminister Christian Schmidt ist auf dem Holzweg, wenn er allein auf Aufklärung setzt“, sagt ein Foodwatch-Sprecher. Es brauche zum Schutz der Kinder und Jugendlichen wirksame Altersgrenzen.

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