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Energiewende Überzogene Warnungen vor Rohstoff-Engpässen

Umweltverbände halten Rohstoff-Probleme durch die steigende Zahl von Elektroautos für lösbar. Mehr Recycling könnte Gefahr mindern.

Arbeiter in einer Kobalt-Mine
Ein Arbeiter einer Kobalt-Mine im Kongo, aus der rund 60 Prozent des Rohstoffes kommen. Foto: rtr

Der Berliner Thinktank „Agora Verkehrswende“ hält die Warnungen der Industrie vor Rohstoff-Engpässen durch die steigende Zahl von Elektroautos für überzogen. Die Vorkommen der für Batterien und E-Antriebe notwendigen Materialien wie Lithium, Kobalt, Nickel, Graphit und Platin setzten „dem schnellen weltweiten Wachstum der Elektromobilität keine Grenzen“, meint Agora-Geschäftsführer Christian Hochfeld. Die davon in der Erdkruste vorhandenen Mengen überstiegen den vorausgesagten Bedarf jeweils deutlich. „Dies ist selbst dann der Fall, wenn der Rohstoffbedarf gleichzeitig durch Nachfrage für andere Anwendungsbereiche weiter ansteigt“.

Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) hingegen hatte vor Engpässen gewarnt. „Der Bedarf wächst schneller als die Kapazitäten bei der Förderung“, sagte BDI-Rohstoffexperte Matthias Wachter wie berichtet in einem Interview. Die Deutsche Rohstoffagentur (Dera) wies unterdessen darauf hin, dass Deutschland bei den Rohstoffen für Elektroauto-Batterien völlig auf Importe angewiesen sei. Die Dera gehört zur Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe.

Hochfeld räumt ein, dass temporäre Verknappungen oder Preissteigerungen für einzelne Rohstoffe – besonders für Kobalt und Lithium – nicht auszuschließen seien. Mehr Recycling und Effizienz könnten die Gefahr solcher Engpässe allerdings lindern. Er forderte, die EU-Batterierichtlinie in diesem Sinne weiterzuentwickeln. „Und natürlich gilt: Je sparsamer die Elektroautos sind, desto sicherer sind wir vor unliebsamen Überraschungen.“

Der Grünen-Bundestagsabgeordnete Oliver Krischer wies die BDI-Äußerungen zurück. „Die deutsche Industrie hat den globalen Megatrend bei der Batterietechnik komplett verschlafen“, sagte er. Es sei eine Bankrotterklärung, nun die Importabhängigkeit zu beklagen – zumal Deutschland bei nahezu allen Industrie-Rohstoffen auf Importe angewiesen sei. Der BDI betone diese Abhängigkeit immer nur, wenn es um Elektroautos und Ökoenergien gehe. Die Industrie solle Batterien entwickeln, die ohne seltene Metalle auskommen, anstatt „rumzujammern“.

Wegen der Auto-Batterien wird die Nachfrage nach einigen Rohstoffen laut einer Studie des Freiburger Öko-Instituts für „Agora Verkehrswende“ teils um das Fünfzehnfache steigen. Üblich sind derzeit Lithium-Ionen-Akkus, wie sie auch in Handys genutzt werden, die wichtigsten Rohstoffe hierfür sind Kobalt, Lithium und Graphit. Das Institut schlägt deswegen unter anderem den Aufbau eines weltweiten Recyclingsystems für Lithium-Ionen-Akkus vor.

Hochfeld fordert zudem die Durchsetzung von ambitionierten Umwelt- und Sozialstandards für die Rohstoffförderung, etwa für die Förderung von Kobalt in der Demokratischen Republik Kongo, aus der rund 60 Prozent dieses Rohstoffs kommen. Menschenrechtler kritisieren unter anderem die Kinderarbeit in dortigen Kobalt-Minen. Die Einhaltung guter Standards sei eine wesentliche Voraussetzung für die Akzeptanz der Elektromobilität. „Schließlich muss sie als zentrale Umwelt- und Klimatechnologie glaubhaft sein“, sagte der Experte.

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