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Energiewende Deutschland droht Klimaschutz-Blamage

Die deutschen Ziele zum Ausbau von Windkraft, Solarenergie und Co. sind kaum noch zu erreichen. Es sei denn die Bundesregierung steuert beherzt nach.

Windrad
Windstille: Der gedeckelte Ökostrom-Ausbau wirft Deutschland bei der Energiewende zurück. Foto: Michael Schick

Deutschland droht zum „Klimaschutz-Champion a. D.“ zu werden, das ist peinlich genug. Das Ziel, bis 2020 rund 40 Prozent des CO2-Ausstoßes gegenüber dem Stand von 1990 einzusparen, ist praktisch nicht mehr zu erreichen – geschafft sind nämlich erst rund 27 Prozent.

Doch nun zeigt eine neue Analyse: Auch das von der Europäischen Union verbindlich vorgegebene Ziel zum Ausbau von Windkraft, Solarenergie und Co. wird verfehlt, wenn die Bundesregierung nicht beherzte Maßnahmen zum Nachsteuern ergreift. Besonders unangenehm für den Energiewende-Erfinder: Anders als Deutschland werden 23 der 28 EU-Mitgliedsstaaten ihre Ziele erreichen.

Die Bundesrepublik ist laut einer EU-Richtlinie von 2009 verpflichtet, den Anteil der erneuerbaren Energien am Verbrauch bis 2020 auf 18 Prozent hochzuschrauben. Erreicht waren 2016 rund 14,6 Prozent. Bei gleichbleibendem Trend wird er 2020 der Anteil nur 16,7 Prozent betragen. Das zeigt eine Analyse des Bundesverbandes Erneuerbare Energie (BEE), die der FR vorliegt.

Noch schlechter erscheint die Lage, wenn man die Performance der Energiewende-Macher der Bundesregierung an der Zielgröße misst, die sie sich selbst im „Nationalen Aktionsplan für erneuerbare Energie“ von 2010 gegeben und so an die EU gemeldet haben. Sie lautet 19,6 Prozent. Dieser Wert droht um fast drei Prozentpunkte verfehlt zu werden.

Als Ursache für den Flop identifizierte der BEE, dass die Bundesregierung den weiteren Ökostrom-Ausbau gedeckelt hat, und die in den Sektoren Heizung/Wärme sowie Verkehr sogar stagnierende Energiewende. Tatsächlich sind die Wärmenutzung und der Kraftstoffverbrauch zuletzt sogar wieder angestiegen, Grund ist der vergleichsweise niedrige Preis für Heizöl und Erdgas sowie Sprit. Im Jahr 2016 führte das dazu, dass der Anteil der Öko-Energien sogar leicht rückläufig war – das Plus im Stromsektor konnte den Rückgang bei Wärme und Verkehr nicht kompensieren.

„Mehr Biosprit einsetzen“

Um das EU-Ziel noch zu schaffen, sollte laut dem Verband vor allem in zwei Bereichen umgesteuert werden. Beim Ökostrom müsse der Zuwachs wieder auf das Niveau angehoben werden, das in den Jahren 2010 bis 2015 erreicht wurde, und im Verkehrssektor deutlich mehr Biosprit eingesetzt werden. Letzteres ist unter Experten und bei Umweltschützern allerdings umstritten. Im Wärmesektor und bei der Energieeinsparung gibt es laut BEE zwar auch große Potenziale, die aber bis 2020 nur zum Teil gehoben werden könnten.

BEE-Geschäftsführer Harald Uphoff sieht die Politik in der Pflicht, von der Energiewende-Bremse zu gehen: „Während 23 EU-Mitgliedsstaaten ihre Ziele erreichen oder sogar übertreffen, gehört Deutschland zu den wenigen Staaten, die sie verfehlen, wenn die Politik nicht rasch reagiert.“ Wenn Deutschland wieder Vorreiter beim Klimaschutz sein möchte, müsse die aktuelle und die künftige Bundesregierung ihre Energiepolitik dringend an die EU-Ziele zu den Erneuerbaren anpassen – „damit sich Deutschland auf der internationalen Bühne nicht vollständig blamiert“.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Energie

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