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Energiepolitik Indianerinnen im Bank-Tower

Eine Delegation berichtet Geldhäusern und Versicherern über die Folgen von Ölpipeline-Projekten. Die Aktivisten fordern ein Ende der Finanzierung.

Indianerinnen
Regenschirme sind okay. Tomahawks oder Speere sollten aber bitte draußen bleiben, so Bankmanager, bevor sie die Delegation der Indianerinnen empfangen wollten. Foto: Teena Pugliese

Michelle Cook gehört zum Stamm der Navajo. Gerade war sie, zusammen mit drei anderen Indianerinnen, unterwegs in Europa. Die Frauen besuchen Banken und Versicherungen, die Ölpipelineprojekte in den USA mitfinanzieren, um sie über deren Folgen zu informieren. 

Der Besuch bei der Großbank Credit Suisse in Zürich blieb ihr besonders in Erinnerung. „Die haben uns tatsächlich vorher mitgeteilt, wir sollen keine Waffen mitbringen“, erzählt die Menschenrechtsanwältin, die in Arizona lebt. Man habe nicht an Pistolen, sondern eher an Tomahawks oder Speere gedacht, hätten die Bankleute später erläutert. „Aber ziemlich schräg war es doch“, sagt Cook. Die Delegation aus den USA besteht aus hochgebildeten, intelligenten Frauen, darunter eine Ärztin, eine Politikwissenschaftlerin sowie eine Campaignerin und Buchautorin. 

Cook hat selbst in dem Protestcamp in der Nähe des Sioux-Reservats „Standing Rock“ gelebt, das im letzten Herbst weltweit Furore machte. Dabei ging es um die „Dakota Access Pipeline“, die die Erdöl-Fracking-Gebiete im US-Bundesstaat North Dakota mit Industrieanlagen in Illinois verbindet. Bis zu 15.000 Sioux, Indianer anderer Stämme und Umweltschützer nahmen an dem Camp teil, das bis zum Februar bestand. Die Trasse der inzwischen fertiggestellten Pipeline verläuft durch ein Gebiet, das den Sioux heilig ist und aus dem sie ihr Trinkwasser gewinnen. Der neue US-Präsident Donald Trump hatte als eine seiner ersten Amtshandlungen den Weiterbau der von Vorgänger Barack Obama auf Eis gelegten Pipeline angeordnet. 

Die Aktion gegen die Dakota Access Pipeline endete zwar in einer Niederlage. Die Protestierer gaben das Camp auf, um der Räumung zu entgehen; Dutzende Polizisten hatten sich mit Schlagstöcken, Helmen und dunklen Sonnenbrillen ringsum postiert, um Druck zu machen. Die Bilder der Proteste und der Polizeigewalt gingen weltweit durch die Medien. Die Pipelinegegner zogen damals ab – singend und betend. 

Neuer Schub im Kampf gegen Pipeline-Bau

Doch der Kampf gegen die Pipeline- und andere Erdölprojekte habe durch „Standing Rock“ eine ganz neue Dimension bekommen, sagt Cooks Mitstreiterin Jakie Fielder, eine Lakota-Indianerin, die in der Divestment-Bewegung aktiv ist, die Investoren zum Ausstieg aus Kohle-, Erdöl- und Erdgasaktien bewegen will. „Das hat der Sache erst richtig Schub gegeben“, sagt die junge Frau.

Neben der Dakota-Access-Trasse gibt es in den USA und Kanada weitere Pipelineprojekte, von denen ebenfalls indigene Völker betroffen sind, die bekannte „Keystone XL“ sowie „Trans-Mountain“ und „Line 3“. Und gegen diese hoffen die Gegner mit mehr Erfolg vorgehen zu können – unter anderem, indem sie bei den internationalen Banken und Versicherern, die direkt oder indirekt an der Finanzierung der Milliardenprojekte beteiligt sind, für mehr Bewusstsein der dramatischen Nebenwirkungen auf die Anwohner, Klima und Umwelt sorgen. Cook & Co. schafften es immerhin, von einer ganzen Reihe von Big Playern der Geldbranche in Norwegen, der Schweiz und Deutschland empfangen zu werden. Hierzulande besuchten sie die Deutsche Bank, die Bayern LB und die Allianz. 

Dass geschärftes Bewusstsein und öffentlicher Druck durchaus etwas bewegen können, zeigen Beispiele aus jüngster Zeit. So gab der Konzern Trans-Canada, der neben „Keystone XL“ auch das Pipelineprojekt „Energy East“ bauen wollte, letzteres auf – unter anderem wegen der starken Gegenwehr von Indigenen- und Umweltgruppen sowie bevorstehenden Prüfungen zu den Klimafolgen. 

Ein weiteres Signal: Die französische Großbank BNP Paribas, die ebenfalls an Dakota Access beteiligt war, gab bekannt, keine Fracking- und Ölsandfirmen mehr finanzieren zu wollen. Als Erfolg sehen die Pipelinegegner auch die Kehrtwende der Bayerischen Landesbank. Das Münchner Geldhaus zählt zu den 17 Banken, die die Dakota-Pipeline direkt finanziert haben; angeblich mit 120 Millionen Dollar. Die Konzernspitze teilte im Februar mit, sie werde aus dem Konsortium aussteigen und stehe „für eine zeitnah erwartete Anschlussfinanzierung nicht zur Verfügung“. 

Die Delegation der Indianerinnen hatte natürlich nicht erwartet, dass ihre Besuche in den Geldzentralen ähnlich spektakuläre Entscheidungen zur Folge haben würden. „Es ging darum, ins Gespräch zu kommen und klar zu machen, dass die Projekte dem Image der Banken schaden“, sagt Delegationsleiterin Osprey Orielle Lake, die Geschäftsführerin der Frauenaktivistengruppe „Women’s Earth and Climate Action Network“ ist. Man sei zumeist sehr freundlich aufgenommen worden, zum Teil dauerten die Gespräche mit den Nachhaltigkeitsmanagern der Banken mehrere Stunden. „Wir haben klar gemacht, dass wir weiter für die Rechte der Indigenen und den Schutz des Landes, des Wassers und des Klimas eintreten. Und dass wir zurückkommen werden, um den Austausch fortzusetzen“, berichtet Lake.

Die Banken halten sich bedeckt. Es seien vertrauliche Gespräche gewesen, in guter Atmosphäre, man habe Meinungen ausgetauscht, heißt es bei der Bayern LB. Der Beschluss zum Ausstieg aus Dakota Access stehe, sagte ein Sprecher der FR. Andere Ölinfrastrukturprojekte würden aber „natürlich weiterhin finanziert“ – wenn die Nachhaltigkeitskriterien der Bank erfüllt seien. 
Auch bei der Deutschen Bank, die ein am Bau der Dakota-Pipeline beteiligtes Unternehmen mit Krediten versorgt hat, ist von einem „interessanten, angenehmen Gespräch“ die Rede. Ob der Kurs des Geldhauses künftig weiter in Richtung fossiles Divestment geht, nachdem die Bank einen Ausstieg aus neuen Kohlebergwerksprojekten angekündigt hat – dazu hieß es, es gebe noch keine neue Positionierung. Allerdings sagte ein Banksprecher, der Schritt von BNP gegen Fracking-Projekte könne als „richtungsweisend“ angesehen werden. Bei der Deutschen Bank gebe es eine solche Entscheidung – noch – nicht.

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