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Thüga Noch ein Opfer der Energiewende

Die Energiewende rüttelt mangels Rahmengesetzgebung durch die Politik immer mehr am bestehenden System der Stromversorgung. Nun schlägt die kommunale Versorgerholding Thüga Alarm, weil die Kraft-Wärme-Koppelung droht, unrentabel zu werden.

Illuminiertes Kraftwerk der Mainova AG. Foto: dpa

Die Energiewende rüttelt mangels Rahmengesetzgebung durch die Politik immer mehr am bestehenden System der Stromversorgung. Nun schlägt die kommunale Versorgerholding Thüga auch bei Anlagen zur Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) Alarm. Binnen zwei bis fünf Jahren würden die im Thüga-Verbund bestehenden KWK-Anlagen mit einer Kapazität von insgesamt über drei Gigawatt in die roten Zahlen rutschen, warnte Thüga-Vorstand Matthias Cord bei der Bilanzvorlage des Dachs für 100 deutsche Stadtwerke und andere kommunale Versorger in München.

Weil an den Anlagen die Wärmeversorgung von Haushalten hängt, könne man sie nicht aus wirtschaftlichen Gründen abschalten, aber Pleiten drohen. „Das kann für einige Unternehmen existentiell sein“, bestätigte Cord.

Drei Jahre weiterwursteln

In dem bestehenden System des Energiemarkts könne man noch maximal zwei bis drei Jahre weiterwursteln, warnte auch Vorstandskollege Gerhard Holtmeier. Bestehende Anlagen zur Stromerzeugung werden wegen des Aufkommens erneuerbarer Energien immer unrentabler, weil sie zunehmend kürzer am Netz sind. Ganz auf sie verzichten kann man aber wegen den jährlich rund 1000 Stunden der sogenannten dunklen Flaute auch nicht. In diesen Zeiten fallen erneuerbare Energien aus, weil die Sonne nicht scheint oder der Wind nicht weht.

Die immer kürzeren Laufzeiten haben bereits den modernen und, verglichen mit der Kohle, auch relativ klimafreundlichen Gaskraftwerken hier zu Lande das Wasser abgegraben. Siemens baut gerade Tausende Stellen ab, weil in Deutschland niemand mehr solche Kraftwerke bestellt und statt dessen klimaschädliche Kohlekraftwerke am Netz gehalten werden.

So haben beispielsweise auch die Betreiber des europaweit modernsten und damit auch klimafreundlichsten Gaskraftwerks im bayerischen Irsching erst vor kurzem einen Antrag auf Stilllegung der Anlage gestellt, weil diese Verluste produziert. Sie ist einfach zu selten in Betrieb, weil die Energiepreise zu niedrig sind. Zu ihnen gehört auch der Frankfurter Versorger Mainova, einer der Hauptanteilseigner der Thüga. Nun wird es auch für KWK-Anlagen kritisch, die ebenfalls als umweltfreundlich gelten. Ohne sie seien auch die Klimaziele der Bundesregierung nicht erreichbar, betonen die Thüga-Manager.

In die falsche Richtung steuere die Energiepolitik zudem bei der Novelle zur Anreizregulierungsverordnung. Hinter diesem Wortungetüm verbergen sich Regeln zur Verzinsung von Investitionen der Versorgungsunternehmen. Das dazu auf dem Tisch liegende Eckpunktepapier des Bundeswirtschaftsministeriums lasse befürchten, dass diese Verzinsung kein akzeptables Niveau erreicht. Deshalb drohe das Investitionsniveau der Branche zu sinken.

Die Politik belaste die Energieversorger aufs Äußerste, betonte der neue Thüga-Chef Michael Riechel. Das gelte auch für die Stadtwerke der Thüga-Gruppe. Deshalb laufe Berlin Gefahr, sie als bisherige Aktivposten der Energiewende zu verlieren.

2014 haben sich die Münchner und ihre angeschlossenen Partner aber noch recht passabel geschlagen. Zwar sind die Umsätze der Gruppe wegen sinkender Großhandelspreise um knapp acht Prozent auf 21,6 Milliarden Euro gesunken. Aber der operative Gewinn ist gleichzeitig trotzdem um vier Prozent auf 351 Millionen Euro gestiegen. Für 2015 erwartet die Thüga wegen der milden Witterung ein leicht rückläufiges Ergebnis.

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