22. Februar 201712°C Frankfurt a. M.
Lade Inhalte...

Steigende Strompreise Die Strompreis-Welle rollt

Das gab es noch nie: Die Energieversorger erhöhen die Preise um mehr als zehn Prozent. Schuld daran ist die Bundesregierung, die große Unternehmen entlastet und die kleinen Verbraucher die Energiewende zahlen lässt.

Der Zähler dreht sich, die Preiswelle rollt. Nur die Energiepolitik bleibt ungerecht. Foto: dpa

Was absehbar war, wird Tatsache: Eine gewaltige Welle an Strompreiserhöhungen zum Jahreswechsel kommt auf die deutschen Haushalte zu. Vattenfall erhöht in Hamburg und Berlin um rund 13 Prozent, Eon in Thüringen ebenfalls um 13 Prozent. EnBW um knapp elf Prozent. Hunderte andere Anbieter verlangen bereits mehr Geld oder werden in den kommenden Wochen und Monaten zulangen.

Der Anbieterwechsel bietet durchaus Möglichkeiten, den Anstieg zu begrenzen. Schließlich wird es auch einige Gesellschaften geben, die mit vergleichsweise niedrigen Preisen auf Kundenfang gehen. Andersherum ist absehbar, dass einige etablierte Anbieter besonders stark zulangen, um ihren Gewinn zu steigern. Insgesamt werden die Deutschen jedoch kommendes Jahr die drastischen Preiserhöhungen bezahlen müssen.

Denn die Gründe für die Erhöhung ihrer Kosten, die sie an die Kunden weiterreichen, haben die Stromvertriebsunternehmen gar nicht in der Hand.

Hauptfaktor Öko-Umlage

Die staatlichen Abgaben steigen auf den gesamten Strompreis gerechnet um etwa 13 Prozent, ziemlich genau die geplanten Erhöhungen also. Hauptfaktor ist die Umlage für Ökostrom, die aufgrund einer verfehlten Förderpolitik und gewaltigen Ausnahmen für die Industrie immer schneller steigt. Die schwarz-gelbe Regierung hat der Industrie sogar noch weitere Ausnahmen zugeschanzt, die nun von den Kleinverbrauchern bezahlt werden müssen.

Zweistellige, flächendeckende Strompreissteigerungen: Das hat es noch nie in Deutschland noch nie gegeben. Dass sie absehbar waren, ändert nichts daran, dass die Politik jetzt endlich reagieren muss. Drei Wege muss die Regierung schnellstens einschlagen.

Erstens kann es nicht so weitergehen, dass die Mammutaufgabe Energiewende alleine von den kleinen Stromverbrauchern bezahlt wird. Das ist unsozial, weil arme Haushalte überproportional viel dafür im Vergleich zu ihrem Einkommen für Strom ausgeben. Es führt jetzt kein Weg daran vorbei, mehr Geld aus dem Haushalt des Staates dafür zu verwenden. Sei es, indem auf Stromsteuern verzichtet wird, sei es, dass direkt Teile der Energiewende finanziert werden.

Zweitens muss die Energiewende kostengünstiger werden. Ein großer Teil des Geldes – vor allem für die Solarförderung – ist bereits ausgegeben, die gebauten Anlagen werden jetzt abbezahlt. Doch es drohen weitere Fehler, zum Beispiel der verfrühte und damit ebenfalls überteuerte Ausbau der Windenergie auf hoher See.

Großindustrie zu Unrecht befreit

Drittens muss über die Verteilung der Belastung zwischen energieintensiven Großindustrie auf der einen Seite, die sogar von billigeren Preisen profitiert, und kleinerer Gewerbe und der Haushalte gesprochen werden. Es kann nicht sein, dass zum Beispiel auch Unternehmen in den Genuss von Vergünstigungen kommen, die gar keine ausländischen Konkurrenten haben. Wie absurd das derzeitige System ist, zeigt, dass auch Golfplätze und der Deutsche Wetterdienst solche Vergünstigungen beantragen.

Der jetzigen Bundesregierung werden keine Reformen mehr gelingen, dazu ist sie zu zerstritten und unentschlossen. Aber im Herbst 2013 muss schnell eine umfassende Überarbeitung des Energiemarkts her. Grün, aber gerecht: Das wird eine enorm schwierige Aufgabe, die dennoch nach der Eurokrise höchste Priorität genießen muss. Derart massive Preissteigerungen wie derzeit sind sozial nicht noch einmal zu verkraften.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
  • Nutzungsbasierte Onlinewerbung
  • Mediadaten
  • Kontakt
  • Wir über uns
  • Impressum