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Stade Abriss von Stade dauert länger

Im alten niedersächsischen Atomkraftwerk Stade sind einige Flächen stärker verseucht als bisher angenommen. Deshalb wird der Abriss, der Anfang 2015 beendet sein sollte, drei bis vier Jahre länger dauern als geplant.

13.09.2014 10:20
Der Abriss des Atomkraftwerks Stade wird sich verzögern. Foto: imago

Das niedersächsische Atomkraftwerk Stade ist seit 2003 stillgelegt. Sein Abriss sollte eigentlich Anfang 2015 beendet sein. Doch nun sind Probleme aufgetaucht, die die Arbeiten deutlich verlängern – nämlich „um drei oder vier Jahre“, wie das Umweltministerium in Hannover mitteilte. Der Grund: Im Sockelbereich des Reaktorgebäudes wurde „radioaktiv kontaminierte Kondensnässe“ nachgewiesen. Das mache eine Neuorganisation der Abrissarbeiten erforderlich.

Nach Angaben des Ministeriums war bereits im vergangenen Februar an dem mächtigen Betonsockel eine „nicht erwartete Kontamination“ festgestellt worden. Mehrere Messungen danach erbrachten unterschiedliche Ergebnisse, die zum Teil unter, zum Teil aber auch über dem zulässigen Grenzwert lagen.

Der Maximalwert im Beton wird auf 174 Becquerel pro Gramm beziffert. Daraufhin forderte das Ministerium den Stade-Betreiber, den Stromkonzern Eon, auf, das Konzept für den Rückbau zu überprüfen. In der vorigen Woche kam dann das neue Konzept, laut dem das Unternehmen mit dem Abschluss des Rückbaus nun erst für Ende 2017 rechnet.

Die radioaktive Belastung ist offenbar nicht sehr hoch. Ministeriumssprecher Rudi Zimmek, sagte, die Werte hätten für die Arbeiter und die Umwelt zum Zeitpunkt der Feststellung „keine Gefährdung“ dargestellt. Eon-Sprecherin Petra Uhlmann zufolge liegen sie „nahe der Freigabegrenze“. Trotzdem kann der Betonsockel nicht wie bei einem normalen Abriss ohne Check auf Radioaktivität zerschnitten und abgebaut werden, sondern das muss unter „Kontrollbereichsbedingungen“ geschehen.

Die jeweils rund 20 Tonnen Betonblöcke sollen per Kran nach einer „Grobdekontamination“ aus dem Sicherheitsbehälter des Reaktors „ausgeschleust“ werden. Laut Uhlmann werden sie außerhalb des Sicherheitsbereichs auf Radioaktivität getestet. Das gebe Aufschluss darüber, ob der Bauschutt als belasteter Abfall entsorgt werden muss oder nicht.

Unklar ist, wie und wann sich die radioaktive Flüssigkeit auf dem Betonsockel gebildet hat. Zumindest gibt es zwei Versionen. Eon teilte mit, dies sei während des „Leistungsbetriebs“ des Reaktors geschehen, also bei laufendem Reaktor.

Immer wieder Störfälle

Der Referatsleiter der Atomaufsicht im Umweltministerium, Werner Fieber, hingegen gab an, ein Austritt „bei Druckprüfungen während der Revision“ sei wahrscheinlicher, also bei abgeschalteter Anlage. Die Kreisgruppe des Umweltverbandes BUND verwies darauf, dass es in dem AKW immer wieder Störfälle gegeben habe, „bei denen auch radioaktiver Dampf entwichen sein soll“.

Das AKW Stade, ein seit 1972 betriebener Druckwasser-Reaktor, wurde 2003 stillgelegt. Die Kosten des Abrisses hatte Eon bisher auf rund 500 Millionen Euro geschätzt. Angaben dazu, wie stark sich die Summe durch die Verlängerung des Rückbaus erhöht, seien bisher nicht möglich, sagte Sprecherin Uhlmann.

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