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Solarindustrie Die Sonne scheint ins Tal

In der deutschen Solarindustrie hört man zuletzt fast nur Katzenjammer. Noch steckt die Solarindustrie in der Krise - doch außerhalb Europas steht bereits ein Boom bevor. Auch Investor Warren Buffett hat das erkannt.

Lukrativ: Die SunPower-Zentrale in Kalifornien. Foto: REUTERS/KIMBERLY WHITE

In der deutschen Solarindustrie hört man zuletzt fast nur Katzenjammer. Noch steckt die Solarindustrie in der Krise - doch außerhalb Europas steht bereits ein Boom bevor. Auch Investor Warren Buffett hat das erkannt.

Wer in die deutsche Solarindustrie horcht, hörte zuletzt fast nur Katzenjammer. Bosch spielt weiter mit dem Gedanken, seine Solarsparte aufzugeben. Top-Manager wie Solarwatt-Chef Detlef Neuhaus erwarten, dass sich die Pleitewelle fortsetzt, die 2012 zahlreiche kleine und einige größere deutsche Solarunternehmen wie Q-Cells mit sich gerissen hat. Besserung ist hier nicht in Sicht: Auf dem deutschen Markt wird in diesem Jahr die Absenkung der Subventionen greifen. Neuinstallationen werden in der Folge schrumpfen. Die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) etwa rechnet damit, dass die neuen Anlagen nur noch eine Leistung von rund vier Gigawatt haben werden. Das wäre fast eine Halbierung im Vergleich zu 2012.

Blick man jedoch über die europäischen Grenzen hinaus, bietet sich ein anderes Bild. In zahlreichen Regionen der Erde geht die Sonne auf. China, das viele Jahre lang eine gewaltige Solarindustrie aufgebaut hat, aber kaum Anlagen förderte und installierte, wird 2013 vermutlich zum weltgrößten Markt und löst Deutschland ab. Bis 2015 sollen mindestens 21 Gigawatt solare Erzeugungskapazität installiert sein. Jüngst wurde gar eine Anhebung auf 40 Gigawatt ins Auge gefasst.

Auch in Japan hat ein Ansturm auf ein großzügiges Förderprogramm eingesetzt, und in den USA steht ebenfalls ein Boom bevor. Vor allem große Solarkraftwerke ziehen Investoren an. Warren Buffett gab am Donnerstag bekannt, rund 2,5 Milliarden Dollar in einen gewaltigen Solarpark zu investieren. Die Nachricht löste weltweit einen Kurssprung bei Solaraktien aus, die am Donnerstag teils zweistellig in die Höhe schossen.

Boom in den USA

Offenbar sind die Anleger immer stärker von einer Trendwende überzeugt, die sich schon seit einigen Monaten abzeichnet. Bereits im Oktober stellte der Analysedienst Wiki-Solar eine Liste an Großprojekten zusammen, die in den USA in Planung seien. Zusammen genommen können sie fast halb so viel Strom produzieren wie alle bereits in Deutschland installierten Anlagen. Ein gewaltiger Schub. Erkan Aycicek, Analyst der LBBW, rechnet damit, dass in den USA 2013 etwa sechs Gigawatt neue Kapazität hinzukommen – 50?Prozent mehr als 2012.

In den USA gibt es teils noch Förderprogramme, doch die Beihilfen sind nicht mehr besonders hoch. Viele Projekte in sonnenreichen Regionen mit relativ hohen Strompreisen rechnen sich inzwischen bereits selbst.

Nicht nur in den USA, sondern auf der ganzen Welt entstehen in sonnenreichen Regionen sogenannte natürliche Märkte. Dort lohnen sich Solaranlagen ganz ohne Subventionen. Die gesamte Stromerzeugung wird zwar kein Land auf Photovoltaik umstellen können, weil der Ertrag sich auf die Mittagsstunden konzentriert und große Speicher zu teuer sind. Doch bei inzwischen erreichbaren Produktionskosten von fünf bis sieben Cent pro Kilowattstunde ist Solar hochattraktiv – schließlich ist das günstiger als Strom aus Gas- oder gar Ölkraftwerken.

Für Lateinamerika und die Karibik sagen die Marktforscher von NPD Solarbuzz zum Beispiel ein gewaltiges Wachstum voraus: Bis 2017 sollen sich die Neuinstallationen jedes Jahr um 45 Prozent steigern. Anlagen mit sechs Gigawatt Leistung seien beantragt. Chile, Mexiko und Brasilien sollen die Hauptabsatzmärkte sein.

Bis zu 40 Gigawatt

Noch aber sind die Überkapazitäten in der globalen Solarindustrie nicht verschwunden. Mit der durch staatliche Subventionen angetriebenen Expansion der chinesischen Solarindustrie konnte die Nachfrage nicht mithalten. Doch der dadurch ausgelöste Preisverfall hat Solarstrom weltweit deutlich attraktiver gemacht. Weil gleichzeitig das Angebot durch Fabrikstilllegungen etwas schrumpft, erwarten die Analysten, dass sich die Preise nur noch leicht fallen. Der Absatz steigt laut LBBW von 28 auf 32 Gigawatt weltweit – „es könnte aber eher mehr werden“, so Aycicek von der LBBW. Einige Unternehmen erwarten sogar bis zu 40 Gigawatt.

Was bringt das der darbenden deutschen Photovoltaikbranche? International erfolgreiche deutsche Firmen werden davon profitieren, dass der Weltmarkt die Talsohle hinter sich lässt. Wacker Chemie aus dem bayerischen Burghausen beispielsweise baut im US-Staat Tennessee gerade ein Silizium-Werk, das 2015 zu sehr geringen Kosten die Produktion aufnehmen soll – möglicherweise genau zur rechten Zeit für den globalen Solarboom. Auch Spezialisten wie SMA, weltweit führender Hersteller von Wechselrichtern, die Solarstrom netztauglich machen, können wohl profitieren.

Anders sieht es für Unternehmen aus, die sich auf Europa oder gar nur Deutschland konzentriert haben. Dort bleibt der Markt rückläufig. In den neuen Märkten bringen aber weder der etablierte Firmenname noch das dichte europäische Vertriebsnetz etwas.

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