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Solarbranche Rettung für die Solarindustrie

Reihenweise gehen Firmen aus der Solarbranche pleite. Die mühsam geförderte und entwickelte Hochtechnologie wird an ausländische Investoren verkauft. Nur ein Notprogramm kann den Ausverkauf noch verhindern.

06.08.2012 16:27
Ohne Hilfe droht der solare Untergang. Foto: AP

Die deutsche Solarförderung ist gescheitert. Über ein Dutzend größerer Firmen ist pleite, die mühsam entwickelte Hochtechnologie wird ins Ausland verscherbelt. Speziell chinesische Firmen kaufen derzeit billig Technologien und Patente auf.

Ein Rettungsprogramm, das die teuer geförderte Technik im Land hält, ist dringend nötig. Denn deutsche Firmen treten nicht als Käufer der Technologien auf. Sie können es sich nicht leisten. Bosch hat sich mit zu teuren Übernahmen schon die Finger verbrannt. Siemens hat mit Solartechnik mehrere hundert Millionen Euro versenkt.

Der Rest der deutschen Solarbranche hangelt sich von Quartal zu Quartal und kämpft ums Überleben. Angesichts riesiger weltweiter Überkapazitäten werden die schwachen Hersteller aus dem Markt gedrängt – das sind vor allem die deutschen. Sie haben nicht die Finanzkraft, um bei der Konsolidierung mitzumischen.

Was ist schiefgelaufen? Die hohen Vergütungen in Deutschland für Strom aus Solaranlagen haben dazu geführt, dass der Solarmarkt hierzulande nach 2007 explodierte, zeitweise wurde jedes zweite Solarmodul der Weltproduktion auf deutschem Boden installiert. Von dieser Förderung profitierten auch die chinesischen Lieferanten. Die Unternehmen dort haben gute Arbeit geleistet und bieten hohe Qualität. Aber sie haben auch im großen Stil Staatsunterstützung erhalten, die sie nun auch in der Krise der Solarindustrie über Wasser hält. China fördert mittels billiger Kredite und anderer Zuschüsse die Produktion, Deutschland die Installation. Die chinesischen Hersteller profitieren also doppelt.

Beim Autoverband undenkbar

Die Solarlobby, besonders der Bundesverband Solarwirtschaft (BSW), reagiert darauf bislang kaum. Wenige wissen, dass der BSW laut Satzung nicht das Ziel hat, deutsche Wirtschaftsinteressen zu befördern, sondern nur der Solarenergie allgemein zum Durchbruch verhelfen will. Im BSW sind inzwischen zahlreiche chinesische Firmen Mitglied, darunter auch die größten wie Yingli, Suntech und Trina. Das wäre zum Beispiel beim Autoverband VDA undenkbar.

Was könnte die deutsche Politik, die zu lange auf die falschen Berater gehört hat, nun tun, um den Verlust der deutschen Solarindustrie aufzuhalten? Per Notprogramm müssten zunächst die wichtigsten Technologie-Strukturen geschützt werden. Dabei könnte zum Beispiel ein Auffangfonds der Regierung helfen, der von wichtigen Technologiekonzernen wie Bosch und Siemens unterstützt wird und Patente und Spitzentechnik kauft. Schön ist das nicht, aber im Augenblick bleibt kaum etwas anderes übrig. Der Solarfonds wird zum Beispiel vom Industrie-Experten der Uni Halle, Ulrich Blum, gefordert.

Hilfe muss nicht teuer werden

Zweitens müsste die Solarförderung in Deutschland reformiert werden. Der jetzige Plan der Regierung, bis etwa 2014 weiter hohe Subventionen für den Strom aus neuen Anlagen für zwei Jahrzehnte zu garantieren, um dann die Förderung komplett zu stoppen, kommt hauptsächlich den Chinesen zugute. Bricht der teure, für die hiesige Industrie inzwischen weitgehend nutzlose Solarboom zusammen, werden sie vermutlich als Ausgleich ihren Heimatmarkt hochfahren.

Die Förderung in Deutschland könnte angesichts des hohen ausländischen Marktanteils sogar stark gekürzt und gedeckelt werden, müsste aber stärker hiesigen Unternehmen zugutekommen. Möglich ist eine sogenannte Local-Content-Quote, die festlegt, dass ein bestimmter Anteil der Wertschöpfung einer Anlage in der EU erbracht werden muss. In Kanada und Italien gibt es eine solche Quote längst. Thüringens Wirtschaftsminister Matthias Machnig (SPD) setzt sich beispielsweise dafür ein. Als weitere Maßnahme könnte die EEG-Förderung für Spezialanwendungen erhöht werden, zum Beispiel gebäudeintegrierte Solaranlagen. Da hat es die asiatische Massenware schwerer und die vielen marktnahen Spezialbetriebe in Deutschland haben es leichter.

Und schließlich könnte mit dem bei der Solar-Förderung gesparten Summe die Forschungsförderung in Deutschland erhöht werden, um wichtige Technologie-Netzwerke trotz des Firmensterbens zu stabilisieren.

Ein paar Jahre fast ohne Solarindustrie

In Summe wäre ein solches oder ein ähnliches Programm nicht nur billiger als die bisherige Förderung, sondern würde der deutschen Solarindustrie noch einmal eine echte Chance geben. Fraglich ist allerdings, ob es politisch umsetzbar wäre. FDP und der Wirtschaftsflügel der Union plädieren für den Rückzug aus der Öko-Strom-Förderung statt für eine Neuausrichtung. Die Grünen und Teile der SPD tun sich schwer damit, zu verstehen, dass die von ihnen installierte Gießkannenförderung ins Desaster geführt hat. Auch von der Solarlobby ist angesichts des massiven Einflusses ausländischer Firmen nicht viel zu erwarten.

Die wahrscheinlichste Entwicklung ist also, dass nicht viel passiert – und Deutschland trotz teurer Anschubförderung in ein paar Jahren fast ohne Solarindustrie dasteht.

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