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„Schwarzes Gold“ Abschied von der Kohle

Mit dem Jahr 2018 endet der Abbau und damit eine Ära der deutschen Industriegeschichte.

29.12.2017 08:58
Essen
Die 1986 stillgelegte Zeche Zollverein in Essen zählt heute zum Unesco-Welterbe. Foto: rtr

Die Mythen und Klischees werden bedient. Das geht wahrscheinlich gar nicht anders, wenn Deutschland den Steinkohlebergbau beerdigt. Wir werden Chöre mit alten Männern sehen, die „Glück auf, der Steiger kommt“ singen. Wir werden Kumpel sehen, die von der Kameradschaft unter Tage und von der harten Arbeit erzählen. Wir werden vermutlich einen Bergmann mit schwarzverschmiertem Gesicht und Tränen in den Augen sehen, der den letzten Kohlebrocken einem Politiker überreicht, vielleicht Kanzlerin Angela Merkel oder NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (beide CDU).

Die offizielle und endgültige Abschlussfeier findet auf dem Gelände der Zeche Prosper-Haniel in Bottrop am 21. Dezember 2018 statt. Das ganze Jahr über wird der Abschied von der Kohle in Events zelebriert. Und wir werden Herbert Grönemeyers Song „Bochum“ ständig hören, die inoffizielle Ruhrgebietshymne: „Du hast’n Pulsschlag aus Stahl/man hört ihn laut in der Nacht/du bist einfach zu bescheiden/dein Grubengold/hat uns wieder hochgeholt …“

Kohle und Stahl von Rhein und Ruhr

Kohlebergbau im Ruhrgebiet – das ist so etwas wie die Genesis in der Geschichte der deutschen Industrie. Gut 200 Jahre lang wurde das „schwarze Gold“ in großem Stil abgebaut. Der Historiker Roland Günter schätzt, dass es insgesamt 3200 Zechen im Revier gab. Kohle und Stahl von Rhein und Ruhr, das waren beim ersten deutschen Wirtschaftswunder Ende des 19. Jahrhunderts und beim zweiten nach dem Zweiten Weltkrieg die wichtigsten Ingredienzien – nach der gängigen Geschichtsschreibung. Ende der 1950er Jahre schufteten fast 500.000 Bergleute hierzulande. Der Höhepunkt des Abbaus war indes das Jahr 1940, als fast 130 Millionen Tonnen gefördert wurden, um Hitlers Kriegsmaschinerie zu befeuern.

In diesem Jahr werden in den beiden noch aktiven Zechen – zu Prosper-Haniel kommt das Bergwerk Anthrazit Ibbenbüren – 3,6 Millionen Tonnen nach oben gebracht. Sie werden verbrannt, um vor allem Strom zu erzeugen. 200 Jahre lang hat sich der Steinkohlebergbau von Süden nach Norden durch das Ruhrgebiet gefressen. Dabei mussten die Stollen und Schächte immer tiefer gebohrt und gegraben werden. In Ibbenbüren schaben schwere Maschinen die Kohle in bis zu 1600 Metern unter der Erde ab.

Die Aufgabe der Bergleute besteht heute vor allem darin, die Maschinen zu steuern und zu reparieren. Es wird bei mehr als 30 Grad Hitze und extrem hoher Luftfeuchtigkeit gearbeitet, ständig wird Wasser versprüht, um den Kohlestaub zu binden. Der Beruf des Bergmanns hat immer noch etwas Heroisches. Ein Sprecher der Betreiberfirma RAG betont aber, dass heute die Zahl der Arbeitsunfälle extrem gering sei.

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