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RWE Aus Kraftwerken werden Windräder

Greenpeace Energy will die Kohlesparte des Energieriesen RWE übernehmen.

29.11.2018 10:03
Greenpeace-Protest
Greenpeace-Protest gegen Braunkohle-Abbau. Foto: imago

Der Ökostromer Greenpeace Energy will die Braunkohlesparte von RWE mitübernehmen, bis 2025 stilllegen und auf den Flächen große Wind- und Solarparks errichten lassen. Unterstützung kommt ausgerechnet aus dem Bundeswirtschaftsministerium: Allein auf Bergbauflächen können laut einer Studie bundesweit 17 000 Megawatt Solar- und Windkraft entstehen.

Vor drei Jahren beteiligte sich Greenpeace Energy am damaligen Angebot von Greenpeace, dem schwedischen Konzern Vattenfall die Lausitzer Braunkohle abzukaufen. 2017 kreierte das Ökostromunternehmen dann einen Tarif Solarstrom Plus, mit dem die Kunden direkt den Bau von Solaranlagen in Braunkohlerevieren fördern können.

Jetzt hat Greenpeace Energy für den Kohleausstieg den ganz großen Deal angeboten: eine Mitübernahme von Braunkohletagebauen und -kraftwerken von RWE ab 2020. Schritt für Schritt sollen die Anlagen dann außer Betrieb gehen.

Keine Subventionen nötig

Schon 2020 könnten laut der Idee der Tagebau Hambach und die sechs ältesten Kraftwerksblöcke stillgelegt werden, 2022 folgten der Tagebau Inden sowie sechs weitere Blöcke, 2025 der Tagebau Garzweiler und die letzten drei Blöcke. Schon 2020 würden die CO2-Emissionen so um jährlich rund 13 Millionen Tonnen sinken, rechnete der Ökostromer in Berlin vor. 

Auf den ehemaligen Tagebauflächen sollen dann 3800 Megawatt Windkraft und 4400 Megawatt Photovoltaik installiert werden. Damit lasse sich ein Viertel des wegfallenden Braunkohlestroms ersetzen, so das Konzept. Kostenpunkt dafür: sieben Milliarden Euro. Weil die Baukosten pro Anlage bei so einer Großinvestition in den Keller gingen, könnte man auf die EEG-Vergütung verzichten und dennoch Renditen zwischen fünf und sieben Prozent erzielen, glaubt Greenpeace-Energy-Vorstand Sönke Tangermann.

Bürger sollen mitmachen

Was die Machbarkeit angeht, kommt Unterstützung ausgerechnet aus dem Bundeswirtschaftsministerium. Für einen Bericht mit dem Titel „Erneuerbare-Energien-Vorhaben in den Tagebauregionen“ ermittelten mehrere Institute allein für die bergbaulichen Flächen im Lausitzer Revier ein Zubaupotenzial von knapp 2000 Megawatt Windkraft und sogar 9000 Megawatt Photovoltaik. Auch das Kohlerevier bei Leipzig und das Rheinische Revier haben demnach Ökopotenzial. In den engeren Tagebauregionen könnten wohl mehr als 17 000 Megawatt Solar- und Windkraft neu installiert werden. 2020 werden schätzungsweise in den Revieren noch 18 000 Megawatt Braunkohlekapazität laufen.

Wind und Sonne allein kommen damit bei der installierten Kapazität in die Nähe der Braunkohle, können allerdings wegen der geringeren Verfügbarkeit nicht so viel Strom wie der fossile Energieträger liefern. 

Sein Konzept will Greenpeace Energy nicht alleine umsetzen, sondern über Genossenschaften, an denen sich Bürger, kommunale Körperschaften und Private beteiligen können. Das Potenzial lasse sich nur „gemeinsam mit den Akteuren vor Ort“ erschließen, so die Argumentation. Für die RWE-Belegschaften sollen betriebsbedingte Kündigungen vermieden werden, Bergleute könnten die Bergbauflächen sanieren oder für Erneuerbare umgeschult werden. 

Einen Haken hat das Ganze allerdings: Bisher hat RWE nicht erkennen lassen, dass das Unternehmen seine Kohlesparte verkaufen könnte.

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