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Ökostrom Umweltpreis für Stromrebellin

Die hartnäckige Ökostrom-Pionierin Ursula Sladek erhält von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt den höchstdotierten Umweltpreis in Europa.

Sie bringt die Stromproduktion in Bürgerhand: Ursula Sladek. Foto: dpa/Patrick Seeger

Die hartnäckige Ökostrom-Pionierin Ursula Sladek erhält von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt den höchstdotierten Umweltpreis in Europa.

Auf dem Bild sitzen vier Männer mit Weingläsern vor einem Bücherregal, in ihrer Mitte eine grauhaarige Dame, vor ihnen ein mit Papieren bedeckter Wohnzimmertisch. Es ist die perfekte Bürgerinitiative. Am linken Rand, neben dem obligatorischen Vollbartträger, beugt sich eine junge Frau in die Runde: Ursula Sladek, der von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt der höchstdotierte Umweltpreis in Europa zuerkannt wurde.

Sladek wurde nicht nur für ihr bürgerschaftliches Engagement ausgezeichnet, sondern auch für die Gründung eines Wirtschaftsunternehmens. Denn im Unterschied zu vielen anderen Anti-Atom-Initiativen genügte es Sladek und den anderen „Eltern für eine atomfreie Zukunft“ nicht, Flugblätter zu verteilen.

Steine in den Weg gelegt

Sie veranstalteten Stromsparwettbewerbe, gründeten Anfang der 90er Jahre ein Unternehmen und begannen Öko-Strom herzustellen – als Vorreiter mit Kraft-Wärme-Kopplung. Den Strom wollten sie ins Netz ihrer Heimatgemeinde Schönau im südlichen Schwarzwald mit ihren rund 2600 Einwohnern einspeisen.

Dessen Eigentümer, die Kraftübertragungswerke Rheinfelden (KWR), legte Sladek aber jeden erdenklichen Stein in den Weg. „Sie verlangten etwa, dass wir am Blockheizkraftwerk einen teuren Sicherheitsschalter montieren, damit ihre Arbeiter das Kraftwerk vom Netz trennen können, wenn sie daran arbeiten. Das diene der Sicherheit, hieß es, dabei schalten sich Blockheizkraftwerke automatisch ab, wenn das Netz abgeschaltet wird“, so Sladek.

Auch der Preis, den KWR für den eingespeisten Strom zu zahlen bereit war, war zu niedrig. „Als wir um alte Stromzähler für unsere Stromsparwettbewerbe fragten, drohten sie uns mit einer Klage, weil wir uns geschäftsschädigend verhalten würden“, sagt Sladek.

Schließlich boten die KWR der Gemeinde 100.000 D-Mark, falls diese die Netz-Konzession vorzeitig und für zwei Jahrzehnte verlängern würde. Viel Geld für das kleine Schönau. Also gründete die Initiative eine Netzkaufgesellschaft, die der Stadt anbot, ebensoviel zu zahlen, wenn sie auf eine vorzeitige Vertragsverlängerung verzichte.

Selbst als KWR ihr Angebot verdoppelte, hielten die Bürger mit – und verloren dennoch die Abstimmung im Gemeinderat. „Der Bürgermeister und viele Bürger fürchteten, dass wir den Netzbetrieb technisch nicht stemmen könnten und außerdem der Strom teurer werden würde“, erzählt Sladek.

Es brauchte letztlich zwei Bürgerentscheide – einen strengte die Initiative an, den zweiten KWR – und eine bundesweite Medienkampagne der „Stromrebellen“ sowie langwierige Gerichtsverfahren, aber am Ende siegten die früheren „Eltern für eine atomfreie Zukunft“. Mit ihrem Unternehmen Elektrizitätswerke Schönau (EWS) kauften sie KWR das Netz ab.

Und selbst dabei trickste der alteingesessene Versorger noch, indem er etwa die Leitungslänge um 50 Prozent zu hoch angab und einen um fast 100 Prozent zu hohen Kaufpreis verlangte. Selbst den brachte die engagierte Bürgerinitiative, die zum genossenschaftlich organisierten Unternehmen geworden war, aber auf. 2005 erhielt EWS dann einen großen Teil des gezahlten Preises nach einer Gerichtsentscheidung zurück.

Selbst Obama musste zuhören

Mittlerweile ist EWS zu einem der großen „echten“ Ökostromanbieter mit rund 140 000 Kunden geworden. Aber noch immer ist die Genossenschaft mehr als ein normales Unternehmen, verlangt etwa ihren Kunden einen „Sonnencent“ zusätzlich ab, mit dem neue Projekte finanziert werden. Bei trotzdem wettbewerbsfähigen Preisen. Oder sie unterstützt andere Netzkaufinitiativen so wie aktuell die in Berlin.

Das Engagement von Ursula und Michael Sladek – dem Vollbartträger auf dem 80er-Jahre-Bild – ist vielfach ausgezeichnet. Etwa mit dem Verdienstorden des Landes Baden-Württemberg oder dem Goldman Environmental Prize. Anlässlich dessen Verleihung wurde Sladek von US-Präsident Barack Obama im Oval Office empfangen. „Mich konnte er wenig fragen“, so Sladek lachend, „er musste ja zuhören, als ich ihm unsere 100 Guten Gründe gegen Atomkraft überreichte.“

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