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Ökostrom-Umlage Arme zahlen die Energiewende

Die Kosten für die Energiewende tragen vor allem Geringverdiener. Auch Singles und Alleinerziehende werden stärker belastet als Paare mit Kindern, wie eine Studie zeigt.

17.12.2012 14:38
Der Umstieg auf erneuerbare Energien kostet Geld, das vor allem die Ärmsten bezahlen müssen. Foto: dapd

Die Kosten für die Energiewende tragen vor allem Geringverdiener. Auch Singles und Alleinerziehende werden stärker belastet als Paare mit Kindern, wie eine Studie zeigt.

Für die Energiewende müssen vor allem ärmere Haushalte tief in die Tasche greifen: Die einkommensschwächsten zehn Prozent der Bevölkerung müssten 2013 rund 1,3 Prozent ihres Einkommens für den Ausbau der Öko-Energie zahlen, die einkommenstärksten dagegen lediglich 0,2 Prozent, hieß es am Montag in einer Berechnung des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln. Immer mehr Unternehmen wollen mittlerweile ihren Strom selbst produzieren.

Für die ärmeren Haushalte steigt die sogenannte Ökostrom-Umlage der IW-Studie zufolge von rund sechs Euro im Jahr 2011 auf knapp neun Euro pro Kopf im nächsten Jahr. Die oberste Einkommensschicht muss demnach im nächsten Jahr mit monatlich rund elf Euro pro Kopf für die Förderung von regenerativer Energie einkalkulieren. Ein Grund für den eher geringen Unterschied sei, dass sich der Stromverbrauch mit steigendem Einkommen kaum verändere, erklärte das IW.

Die Energiewende belastet Singles und Alleinerziehende der Untersuchung zufolge stärker als Paare ohne oder mit Kindern. Alleinstehende müssen demnach im nächsten Jahr pro Monat 0,72 Prozent ihres Einkommens für die Ökostrom-Umlage zahlen. Bei Alleinerziehenden macht die Umlage 0,85 Prozent des Einkommens aus - bei Paaren mit Kindern oder ohne aber weniger als 0,5 Prozent.

Unternehmen versorgen sich selbst

Die EEG-Umlage schlägt nach etwa 3,6 Cent in diesem Jahr ab Januar mit knapp 5,3 Cent pro Kilowattstunde auf der Stromrechnung zu Buche. Sie wird von allen Privathaushalten und im Prinzip auch von der Wirtschaft bezahlt. Viele stromintensive Unternehmen lassen sich auf Grundlage einer Ausnahmeregelung jedoch von der Zahlung befreien - zu Lasten der anderen Stromkunden, auf die die Kosten umgelegt werden.

Angesichts der steigenden Energiekosten geht bei vielen Betrieben der Trend hin zur Selbstversorgung mit Strom. „Jedes dritte Unternehmen beschäftigt sich konkret damit, erneuerbare oder konventionelle Energie selbst zu erzeugen“, sagte der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK), Hans Heinrich Driftmann, der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ vom Montag. Dies nehme „nicht zuletzt vor dem Hintergrund wachsender Zweifel an der Versorgungssicherheit“ zu.

Laut Driftmann verfolgt vor allem der Mittelstand die Energiepolitik der Regierung kritisch - auch wenn dies nicht eine grundlegende Ablehnung der erneuerbaren Energien bedeute. „Chancen wie die Erschließung neuer Absatzmärkte wiegen Sorgen um Preisanstieg und Versorgungssicherheit nicht auf“, sagte der DIHK-Präsident. Gerade Industrie und Handel sähen sich durch hohe Strompreise immer stärker belastet.

Oettinger: Netzausbau abstimmen

EU-Energiekommissar Günther Oettinger forderte Deutschland auf, das Tempo der Energiewende zu drosseln und sich beim Netzausbau mit den europäischen Nachbarn abzustimmen. „Vielleicht braucht Deutschland eine Geschwindigkeitsbegrenzung“, sagte Oettinger am Montag im ARD-„Morgenmagazin“. Oettinger sprach sich für eine Generalüberholung des Erneuerbaren-Energien-Gesetzes (EEG) aus.

Derzeit werde die Stromproduktion nicht mit den Übertragungsnetzen und Speichermöglichkeiten abgestimmt. Strommengen seien nur dann sinnvoll, „wenn man sie speichern oder transportieren kann“, sagte Oettinger. Deshalb müsse der weitere Aufbau von Sonnen- und Windstrom abgestimmt werden. Mit den europäischen Nachbarn müsse der Ausbau der Netze koordiniert werden. Am Mittwoch wollen Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) und Umweltminister Peter Altmaier (CDU) mit dem sogenannten Monitoringbericht eine Zwischenbilanz der Energiewende ziehen.

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