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Öko-Energie Jobmaschine Energiewende

Durch den Ausbau der Öko-Energien ist die Zahl der Arbeitsplätze in der Energiebranche und anderen Sektoren der Wirtschaft stark gestiegen. Eine neue Studie zeigt, dass sich dieser Trend weiter fortsetzen könnte.

Macht nicht nur Wind, bringt auch Arbeitsplätze: der Ausbau der Erneuerbaren Energien. Foto: picture alliance / dpa

Die Energiewende ist eine Jobmaschine. Der Ausbau der Ökoenergien hat die Zahl der Arbeitsplätze in der Energiebranche und anderen Sektoren der Wirtschaft im vergangenen Jahrzehnt bereits deutlich ansteigen lassen und wird, wenn sie nicht abgewürgt wird, die Jobchancen auch in Zukunft deutlich erhöhen – trotz des Rückgangs der Beschäftigung in den Bereichen Atom- und Kohlestrom. Das zeigen die Ergebnisse einer neuen Studie, die für das Bundeswirtschaftsministerium erstellt wurde. Die Untersuchung ist bisher noch nicht veröffentlicht worden. Ihre Ergebnisse liegen der Frankfurter Rundschau und dem Fachmagazin „neue energie“ vor.

Wird die Energiewende weiter forciert, entstehen laut der Studie durch den Erneuerbaren-Sektor in der gesamten Volkswirtschaft bis zum Jahr 2030 rund 100.000 Arbeitsplätze mehr als ohne den Umstieg von den fossilen Energien zu Sonne, Wind und Biomasse. Bis 2040 liegt das Job-Plus sogar bei 190.000 und 2050 bei über 230.000 Stellen. Für den Fall, dass sich der Export der Öko-Energietechnik made in Germany besonders gut entwickelt, steigen die Zahlen sogar noch höher. Das Ausbau-Szenario folgt der „Leitstudie“ für den Ausbau der erneuerbaren Energien bis 2050, die das Bundesumweltministerium 2012 erstellt hat.

Stellenabbau bei traditionellen Energieversorgern

Dagegengestellt wird ein Szenario, bei dem der Ausbau von Sonne, Wind und Biogas nur sehr langsam voranschreitet und der Energiebedarf weiterhin überwiegend mit Kohle, Erdöl und Erdgas gedeckt würde. Die Studie gewinnt besondere Brisanz durch die aktuell heftige Debatte über die Kohlepolitik von Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD). Er will einen „nationalen Klimabeitrag“ einführen, um eine Stilllegung eines Teils der alten, besonders ineffizienten Kohlekraftwerke zu erreichen, die besonders viel CO2 ausstoßen.

Dagegen machen nicht nur die Gewerkschaften IGBCE und Verdi mobil, sondern auch die SPD-geführten Landesregierungen der Braunkohle-Länder NRW und Brandenburg sowie der Wirtschaftsflügel der Union. Bis zu 100.000 Jobs seien durch Gabriels Pläne gefährdet, heißt es bei den Kohlefreunden, was viele Energieexperten allerdings für weit überzogen halten. Die neue Studie geht von einem Abbau bei den traditionellen Energieversorgern um 16.000 Stellen bis 2020 aus.

Die 200 Seiten starke neue Studie belegt nun, dass die Energiewende in der Branche insgesamt bereits zu einem starken Jobzuwachs geführt hat. Zwischen 2004 und 2013 stieg die Zahl der Arbeitsplätze im Bereich Erneuerbare von 106.500 auf 371.400. Es habe sich „im Laufe der Jahre eine innovative und international erfolgreiche Industrie herausgebildet“, urteilen die Institute in der vorläufigen Endfassung der Studie. Die Jobzahl hatte 2012 sogar noch höher gelegen, nämlich bei 399 000. Der Rückgang von 2012 auf 2013 war vor allem vom Einbruch bei Produktion, Verkauf und Installation von Solarstrom-Anlagen verursacht – eine Folge der drastischen Förderkürzungen im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG), die von der schwarz-gelben Koalition eingeleitet wurden.

Studie wird noch zurückgehalten

Die Experten stellen klar, dass die Erneuerbaren-Jobmaschine nur dann rund weiterläuft, wenn der dezentrale Ausbau der Ökostrom-Erzeugung unter starker Beteiligung von Firmen kleiner und mittlerer Größe beschleunigt weitergeht – eine indirekte Spitze gegen die schwarz-rote Politik, durch die zum Beispiel der Solar-Zubau weiter eingebrochen ist. Zudem kritisieren sie, dass der Markt der Öko-Wärme (Solarheizungen, solare Warmwasserbereitung, Pelletheizungen) und die Energieeffizienz als zweite Säule der Energiewende zu wenig gefördert würden. Bessere Politik brauche es auch im Bereich Bio-Treibstoffe. Hier fehle es an den „notwendigen Strategien für nachhaltige Biomassenutzung“.

Diese Kritik dürfte im Gabriel-Ministerium nicht unbedingt positiv angekommen sein. Das könnte Grund dafür sein, dass die vor vier Monaten fertiggestellte Studie noch nicht veröffentlicht wurde, obwohl das für Herbst 2014 angekündigt war. Das Ministerium teilte auf Anfrage mit, es habe „einige Rückfragen“ an die Institute zum Endbericht gegeben, was zu einer „Überarbeitung“ geführt habe.

Wann die Studie nun präsentiert wird, steht noch nicht fest. „Die Arbeiten zur finalen Abnahme werden in Kürze abgeschlossen“, hieß es. An dem Forschungsprojekt waren das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), Prognos, das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), das Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg (ZSW) und die Gesellschaft für wirtschaftliche Strukturforschung (GWS) beteiligt. Mitarbeit: Jörg-Rainer Zimmermann

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