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Netzausbau Für AKW kam das neues Netz schnell

Zum Gelingen der Energiewende fehlen in Deutschland 3800 Kilometer Hochspannungsleitungen. Es herrscht Panik und Umweltminister Altmaier will die Bürger finanziell beteiligen. Zum Vergleich: Nach dem Start der ersten AKW stellte der Netzausbau kein Problem dar.

Energieexperte der Grünen: Oliver Krischer. Foto: imago

Alles ist relativ. Seit die Bundesnetzagentur klagt, zum Gelingen von Atomausstieg und Energiewende fehlen in Deutschland 3800 Kilometer neuer Hochspannungsleitungen, herrscht Panik: Umweltminister Altmaier will die Bürger mit Renditen belohnen, wenn sie neue Trassen und steigende Strompreise tolerieren; Wirtschaftsminister Rösler bangt um Blackouts und bankrotte Firmen; Ex-Innenminister Thomas de Maizière wollte Einspruchsmöglichkeiten der Bürger einschränken, um den Netzausbau zu forcieren. Aber ist die Panik um Kosten und Klagen berechtigt? Das Bundestagsbüro von Oliver Krischer, Grünen-Energieexperte, machte sich die Mühe des historischen Vergleichs: Wie schnell, wollte er wissen, wuchs das Netz, als die meisten Atomkraftwerke anliefen?

1970 bis 1993: Netz wächst rasant

Nach dem Start des ersten kommerziellen Reaktors 1960 im bayerischen Gundremmingen wuchs der Kernkraftpark vor allem zwischen 1970 und 1988, als Neckarwestheim 2, Lingen und Isar 2 ans Netz gingen. Binnen 20?Jahren verzehnfachte sich der nukleare Bestand von unter 2000?Megawatt auf mehr als 20.000 Megawatt.

Die Grünen addierten nun die Statistiken der Vereinigung Deutscher Elektrizitätswerke aus jenen Jahren – mit erstaunlichem Ergebnis: Von 1970 bis 1993 wuchs das Stromnetz um stolze 34.000 Kilometer auf 84.000 Kilometer – ein Plus von zwei Dritteln. „In den 70er- und 80er-Jahren wurde das Netz massiv ausgebaut, ohne dass etwa die Kosten Gegenstand öffentlicher Diskussionen gewesen wären“, sagt Krischer. „Das wurde einfach gemacht“, getrieben vom Neubau an Kernkraftwerken. „Eine gigantische Subvention der Atomkraft. Heute dienen 3800?Kilometer Netzausbau als Argument, den Ausbau erneuerbarer Energie in Frage zu stellen.“

Auch die Umweltschützer von Naturschutzbund, Bund für Umwelt und Naturschutz sowie vom Naturschutzring fordern in einer Stellungnahme, den Netzausbau nüchterner zu betrachten. Weite Teile wären auch ohne Energiewende zur Optimierung und Renovierung des Netzes nötig gewesen. Auch darum, so Krischer, „weil die Energiekonzerne in den vergangenen 20 Jahren außerhalb Ostdeutschlands kaum in die Stromnetze investiert haben“.

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