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Nachhaltig wirtschaften Stimmung könnte kippen

Die Fortentwicklung der Energiewende hängt von der Teilhabe der Bürger ab. Was kann getan werden, um die Akzeptanz in der Bevölkerung zu steigern?

14.03.2017 15:37
Solarzellen
Solarzellen auf dem Dach: Viele Haushalte werden zu Selbstversorgern. Foto: rtr

Eine Energiewende – nur ein Hirngespinst? Die Stromkonzerne wiegten sich lange in Sicherheit. Motto: Uns kann keiner. Anno 1993 verkündeten sie den Bundesbürgern in Zeitungsanzeigen: „Regenerative Energien wie Sonne, Wasser oder Wind können auch langfristig nicht mehr als vier Prozent unseres Strombedarfs decken.“ Auch in den Jahren nach 2000, ein Atomausstiegsgesetz und das erste EEG später, glaubten sie noch daran, die Wende durch Druck auf die Politik verhindern zu können. Heute allerdings stammt fast jede dritte Kilowattstunde aus Wind, Wasser, Sonne und Co. Und der grüne Strom ist zu über 40 Prozent „Bürger-Energie“ – immerhin mehr als 900 000 Privatleute haben sich eine Fotovoltaik-Anlagen aufs Dach schrauben lassen, und knapp 900 Energiegenossenschaften betreiben Windparks, Solar-Kraftwerke oder Nahwärmenetze. Eine noch vor kurzem ungeahnte Demokratisierung der Energieerzeugung.

Nicht nur die Stromkonzerne, auch die Politiker wurden vom Erfolg der Energiewende und der starken Beteiligung der Bürger daran überrascht. Der Ökostrom-Anteil wuchs schneller als selbst von Optimisten erwartet. Doch das fast zufällig entstandene Erfolgsmodell kommt an seine Grenzen. Zwar liegen die Zustimmungsraten zur Fortführung der Energiewende bei Umfragen weiterhin bei über 80 Prozent, wenn allgemein nach Ökostrom und Klimaschutz gefragt wird. Tiefergehende Erhebungen fördern jedoch ein anders Bild zutage.

Laut einer repräsentativen Umfrage, die im Rahmen eines Großprojekts des Bundesforschungsministeriums (BMBF) zur „Energiewende 2.0“ gemacht wurde, sind nur 29 Prozent der Bevölkerung dezidierte Unterstützer der Energiewende. Weitere 29 Prozent stehen dem Umbau und den dafür nötigen Technologien – Windparks, Solaranlagen, Stromtrassen, Speicher – ambivalent gegenüber. Und mit 27 Prozent sieht eine starke Minderheit die Energiewende kritisch. Der Widerstand ist besonders groß gegen siedlungsnahe Windparks an Land und neue Hochspannungsleitungen. Die von Experten der Universitäten Stuttgart und Münster ausgewertete Umfrage zeigt: Die Stimmung könnte kippen, wenn viele der Unentschiedenen ins Lager der Gegner der Energiewende wechselt.

„Es ist völlig klar: Die Konzeption, die Umsetzung und vor allem die Akzeptanz der Energiewende müssen deutlich verbessert werden“, sagt Matthias Bergmann vom Institut für sozial-ökologische Forschung (ISOE) in Frankfurt. Er ist Co-Koordinator von insgesamt 33 Forschungsprojekten des BMBF, in denen es um die Fortentwicklung der Energiewende geht.

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