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Mobilität Der Radweg der Zukunft

In Zusammenarbeit mit chinesischen Studenten hat BMW ein neues Verkehrssystem für die Metropole Shanghai erdacht - extra für E-Bikes. Das Projekt zeigt auch hierzulande Wege zu einer Mobilitätsrevolution.

21.11.2017 16:48
E3-Way
So könnte er aussehen: der E3-Way in Schanghai. Foto: BMW

Es ist eine Mobilitätsrevolution im Stillen. Elektrofahrräder setzen sich immer stärker durch. Sie können einen Großteil des Autoverkehrs ersetzen. Ausgerechnet der Autobauer BMW hat zusammen mit renommierten Wissenschaftlern für die chinesische Metropole Schanghai durchdekliniert, wie ein effizientes und sicheres E-Velo-System aussehen könnte – inklusive einer eigenen Fahrbahn auf Stelzen. 

Die Zahlen des Zweirad-Industrie-Verbandes (ZIV) sprechen eine eindeutige Sprache. Im ersten Halbjahr wurden 540 000 Fahrräder mit E-Hilfsmotor hierzulande abgesetzt. Der ZIV rechnet damit, dass 680 000 Exemplare im gesamten Jahr verkauft werden, was einem Plus von zwölf Prozent entsprechen würde. Wobei mehr als 90 Prozent sogenannte Pedelecs sind, deren Tretunterstützung bis 25 Stundenkilometer geht. 

Ein Boom, der seit Jahren anhält, verstärkt sich. Nicht nur hierzulande. In China feiert gerade das Zweirad ein Comeback, sowohl das mit schierer Muskelkraft als auch das mit elektrischer Energie angetriebene. Der Hauptgrund: In extrem schnell wachsenden Megastädten kollabiert der Autoverkehr mindestens zweimal täglich: morgens und am frühen Abend. Viele Mitarbeiter des BMW-Technologie-Büros in Schanghai sind selbst davon betroffen – 90 Minuten Fahrtzeit für zwölf Kilometer, damit muss ein Pendler in der Stadt mit 25 Millionen Einwohnern kalkulieren. 

Komplett neues Verkehrssystem

Was tun? Im Tech-Office wurde gemeinsam mit Forschern und Studenten der örtlichen Tongji-Universität der „BMW Vision E3 Way“ ersonnen. Es ist ein neues komplettes Verkehrssystem. Drei E stehen für electric, efficient und elevated (erhöht). Das Konzept ist maßgeschneidert für Schanghai. „Doch wir halten es auch für übertragbar auf andere Städte“, sagt Rainer Daude, der bei BMW für Sonderprojekte und Mobilitätskonzepte zuständig ist.

Kernstück ist eine um die fünf Meter hohe Trasse auf Stelzen, die direkte Verbindungen zwischen wichtigen Verkehrsknotenpunkten schaffen soll. Es gibt keine Ampeln, die Ein- und Ausfahrten sind wie bei Autobahnen konstruiert. So kann sich der Radler ein- und ausfädeln in den fließenden Verkehr, der auf 25 Stundenkilometer beschränkt ist.

Die Tongji-Wissenschaftler haben zwei Stelzenstrecken (8,9 und 11,4 Kilometer lang) exemplarisch geplant, die mitten durch das Zentrum von Schanghai führen und unter anderem an Einkaufszentren angebunden sind. 

Trasse soll nicht nur trocken, sondern auch wohltemperiert sein

Auf den E3-Way sollen ausschließlich elektrisch angetriebene Zweiräder dürfen, „um Kollisionen sowohl mit Autos als auch mit nichtmotorisierten Verkehrsteilnehmern“ auszuschließen. Um Sicherheit und Komfort noch zu steigern, soll die Trasse auf Stelzen überdacht werden: Skizzen zeigen runde Glasdächer. Ein Kühlsystem mit gereinigtem Regenwasser könnte für angenehme Temperaturen sorgen – in der Stadt wird es im Sommer bis zu 45 Grad heiß. Das Regenwasser könne zudem nachts zum Reinigen der Fahrbahn verwendet werden. 

Und was macht der Schanghaier, der kein E-Zweirad besitzt? Der kann sich eins leihen. Mehrere Stationen fürs Bikesharing sind an den Strecken vorgesehen, dort befinden sich auch Ladestationen. Es dürfte kein Zufall sein, dass BMW Anfang nächsten Jahres den X2-City auf den Markt bringt – einen Tretroller mit E-Motor. Der könnte künftig an Leihstationen stehen. „Es geht darum, dem emissionsfreien Verkehr auf zwei Rädern neuen Raum zu geben“, sagt Markus Seidel, Leiter des BMW-Tech-Office in Schanghai.

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