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Marodes Atommülllager Milliardengrab Asse

3,7 Milliarden Euro könnte es kosten, die radioaktiven Abfälle aus dem maroden Atomlager Asse zu bergen. Umweltminister Röttgen bricht dennoch eine Lanze für die Rückholung der 126.000 Fässer mit Nuklearmüll. Von Joachim Wille

28.01.2010 15:01
Die Heilige Barbara, Schutzpatronin der Bergleute, im Atomlager Asse. Foto: ddp

Die Sanierung des maroden Atomlagers Asse könnte deutlich teurer werden als bisher erwartet. Die geplante Rückholung der radioaktiven Abfälle werde voraussichtlich 3,7 Milliarden Euro kosten, sagte Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) jetzt im Umweltausschuss des Bundestages. Bisher waren die Kosten für diese Sanierungsvariante auf 2,5 Milliarden geschätzt worden - so stand es in einem Gutachten, dass das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) in Auftrag gegeben hatte.

Röttgen brach eine Lanze für die Rückholung der 126.000 Fässer mit Nuklearmüll, die zwischen 1967 und 1978 in dem ehemaligen Salz- und Kali-Bergwerk bei Wolfenbüttel abgekippt worden waren. Aufgrund der Bewertung der Langzeitsicherheit werde sie momentan als "beste Lösung" eingestuft. Eine endgültige Entscheidung gebe es aber noch nicht.

Fässer sind wohl verrostet

Das BfS hatte drei Möglichkeiten der Asse-Schließung untersucht - neben der Rückholung auch eine Umlagerung der Fässer innerhalb des Salzstocks und eine Verfüllung der Hohlräume mit Beton und gesättigter Salzlauge. Auch bei der Rückholung gibt es Röttgen zufolge aber noch "offene Problempunkte". So sollen zunächst der Zustand der vermutlich verbeulten und durchgerosteten Fässer und ihr genauer Inhalt untersucht werden, indem drei der Atommüll-Kammern geöffnet werden. Experten schließen nicht aus, dass eine Bergung der Fässer sich als zu zeitaufwendig und gefährlich entpuppen könnte.

Auf Nachfrage der Grünen sagte Röttgen, die Stromkonzerne sollten möglichst an den explodierenden Kosten der Asse-Sanierung beteiligt werden - nach dem "Verursacherprinzip". Tatsächlich stammt der größte Teil des Asse-Mülls ursprünglich aus Atomreaktoren. Eine Rechtsgrundlage dafür gebe es nicht, aber eine "politische Dimension" dieser Frage. Schwarz-Gelb will das Thema bei den anstehenden Gesprächen mit den Konzernen über die Laufzeitverlängerungen der AKW aufs Tapet bringen. Ein Teil der dabei entstehenden Zusatzgewinne soll in erneuerbare Energien und in die Asse-Sanierung fließen. CDU-Vertreter im Ausschuss betonten, es müsse über die Asse-Sanierung hinaus einen nationalen Konsens für die Atom-Endlagerung geben.

Wie weit entfernt dieser ist, machte am Donnerstag die Deutsche Umwelthilfe (DUH) klar, die auf die ungelöste Entsorgungsfrage hinwies. Die Organisation argumentierte, die von der schwarz-gelben Koalition geplanten längere AKW-Laufzeiten seien deswegen verfassungswidrig. Es dürfe "nicht mehr Atommüll erzeugt werden, als im Rahmen des Atomausstiegs festgelegt wurde", sagte DUH-Geschäftsführer Rainer Baake in Berlin. Längere Reaktor-Laufzeiten verletzten die Schutzpflichten des Staates. Eine rechtliche Chance dafür gebe es allenfalls, wenn es "überragende gemeinnützige Gründe" gebe, etwa die Energieversorgung nicht mehr sichergestellt sei. Das werde zwar gelegentlich behauptet, "aber das halte ich für abwegig."

"Eindimensionale Debatte"

Baake sagte: "Wir erleben in diesen Wochen eine merkwürdig eindimensionale Debatte über die angebliche Notwendigkeit längerer Reaktorlaufzeiten, während gleichzeitig das grandiose Scheitern des Versuchs, schwach- und mittelaktive Atomabfälle im Salzbergwerk Asse II dauerhaft zu entsorgen, eingestanden werden muss." Für die Entsorgung des weit brisanteren hochradioaktiven Abfalls gebe es über 30 Jahre nach dem Start der Erkundung des Salzstocks Gorleben keine belastbare Perspektive. Er erinnerte daran, dass im Bundestag ein parlamentarischer Untersuchungsausschuss dazu eingesetzt wird. Er soll die Frage klären, ob in den 1970er Jahren nicht sachfremde Erwägungen für die Gorleben-Auswahl entscheidend waren.

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