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Klimaziele Der Kohle-Plan

Mit den Klimazielen für 2020 wird es nichts, wenn die Koalition nicht umsteuert. Der BUND zeigt, wie es gehen könnte. Die Analyse.

08.05.2018 10:07
Kohlekraft
Wie gelingt das Ende der Kohlekraft? Der Umweltverband BUND hat einen „Abschaltplan“ vorgelegt. Foto: rtr

Deutschland verfehlt sein Klimaziel für 2020. Die geforderten 40 Prozent CO2-Reduktion gegenüber 1990 werden weit unterschritten, nach jüngsten Prognosen sogar um bis zu zehn Prozentpunkte. Der Aufschrei, als die Verhandler das bei den Groko-Sondierungen im Januar einräumten, war heftig, aber kurz. Inzwischen scheint sich alle Welt damit abgefunden zu haben, dass der frühere Klimavorreiter Deutschland sich bei der CO2-Abrechnung in zwei Jahren nach Käften blamiert.

Alle Welt? Nein. Der Umweltverband BUND hat einen detaillierten „Abschaltplan“ für Kohlekraftwerke vorgelegt, mit dem die Bundesrepublik trotz eines beschleunigten Atomausstiegs das Klimaziel schaffen würde.

Seit fast zehn Jahren sinkt der Treibhausgas-Ausstoß hierzulande nicht mehr. Eigentlich hätten alle Sektoren in dieser Zeit ihren Beitrag zum CO2-Sparen leisten müssen, doch Fehlanzeige. Vor allem Verkehr und Landwirtschaft entzogen sich der Verpflichtung. Da in diesen Bereichen ein Umsteuern nur langfristig möglich ist, konzentriert sich der BUND in seinem Konzept auf den Stromsektor. Er fordert einen schnellen Kohleausstieg, mehr Zubau bei Windkraft und Solarenergie und flankierende Maßnahmen, um keine Blackouts zu riskieren.

Der BUND-Plan sieht vor, dass bis 2020 rund die Hälfte der derzeit noch am Netz befindlichen Kohlekraftwerke abgeschaltet werden. Von derzeit 42 000 Megawatt (MW) blieben noch 20 000 übrig. Konkret geht es dabei um das Aus von 35 Steinkohle- und 23 Braunkohle-Blöcken, von denen allerdings 13 bis 2020 ohnehin außer Betrieb gehen, da sie bereits zur Stilllegung angemeldet oder nur noch in der „Sicherheitsbereitschaft“ sind. Betroffen wären die älteren – das heißt, vor 1990 in Betrieb gegangenen – Anlagen, die besonders klimaschädlich sind. Die meisten von ihnen stehen in Nordrhein-Westfalen. Bis 2030 würde die Kohle nach dem Plan dann ganz auslaufen. Laut BUND würde damit umgesetzt, was Deutschland im Paris-Klimavertrag unterschrieben hat.

Knackpunkt ist natürlich die Versorgungssicherheit. Sie kann laut BUND trotz des ambitionierten Ausstiegskurses gesichert werden. Messlatte dabei ist eine Jahreshöchstlast im Stromnetz von knapp 82 000 MW, die im Winter erreicht wird. Voraussetzung ist aber, dass die derzeit hohen Stromexporte heruntergefahren werden und jährlich mindestens 6000 MW Windkraft an Land und bis zu 7000 MW Fotovoltaik hinzugebaut werden, was besonders bei letzterer deutlich über den aktuellen Zubauten liegt. Zudem setzt der Verband darauf, dass in kritischen Situationen - wenig Wind, keine Sonne - auch auf neu zu bildende Kraftwerksreserven zurückgegriffen werden kann.

Die Kritik aus den traditionellen Branchenverbänden für Energie und Braunkohle, BDEW und Debriv, am BUND-Konzept war hart. Und tatsächlich hat der Plan realpolitisch keine Chance. Die Gegner sind mächtig. So wird in der Kohlekommission, die die Bundesregierung einsetzen will, unter anderem die Gewerkschaft IG BCE vertreten sein, die den Kohleausstieg am liebsten bis 2050 hinauszögern würde. Und selbst in den später gescheiterten Jamaika-Verhandlungen hatten die Grünen nur 7000 MW Kohle-Abschaltung bis 2020 herausholen können - statt der vom BUND avisierten 22 000 MW. Trotzdem ist das Konzept verdienstvoll. Es zeigt, was nötig ist und machbar wäre.

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