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Klimawandel EU will 2050 klimaneutral sein

Der Brüsseler Kommissar Cañete legt ein Konzept vor, mit dem die EU bis 2050 „klimaneutral“ werden soll. Im Dezember findet im polnischen Katowice der UN-Klimagipfel statt.

29.11.2018 10:05
Haus
Thermografische Bilder zeigen, wo Gebäude besonders viel Heizwärme verlieren. Die EU-Kommission setzt auf bessere Wärmedämmung. Foto: imago

Kurz vor dem UN-Klimagipfel im polnischen Katowice geht die EU in die Offensive. Der Brüsseler Klimakommissar Miguel Arias Cañete stellte am Mittwoch ein Konzept vor, mit dem die Union bis 2050 „klimaneutral“ werden soll. Das bedeutete, dass Industrie und Gewerbe, Verkehr, Haushalte und Landwirtschaft netto dann keine Treibhausgasemissionen mehr ausstoßen sollen. Es ist das erste Mal, dass ein großer Wirtschaftsblock ein solch ambitioniertes, wenn auch nicht verbindliches Ziel aufstellt.

Europa müsse darauf reagieren, dass die globale Erwärmung sehr schnell voranschreite, sagte Cañete zur Begründung. „Wir müssen die langfristigen Temperaturziele des Klimaabkommens von Paris verwirklichen.“ In dem Vertrag ist festgelegt, dass die globale Erwärmung bei maximal zwei Grad, möglichst aber schon bei 1,5 Grad gestoppt werden soll. Die bisherigen Langfristziele der EU liegen über diesem Emissionspfad. Gegenüber der vorindustriellen Zeit hat sich die Erde bereits um gut ein Grad erwärmt.

Die EU-Kommission schlägt Maßnahmen für alle wichtigen Sektoren vor. Neben technischen Innovationen, Umstellung auf Ökoenergien und mehr Energieeffizienz geht es auch um Verhaltensänderungen der Verbraucher – zum Beispiel ein Umstieg vom Auto auf Busse und Bahnen oder das Fahrrad. Ein Schwerpunkt soll die Energieeinsparung bei Gebäuden sein, auf die alleine rund 40 Prozent des gesamten Energieverbrauchs entfällt, Haupthebel: Wärmedämmung.

Die zusätzlichen Investitionen für die Klimaneutralität, die vom Staat, von Unternehmen und Bürgern aufgebracht werden müssen, schätzt Brüssel auf bis zu 290 Milliarden Euro pro Jahr. Freilich sinken im Gegenzug die Kosten für Energieimporte, die derzeit 266 Milliarden jährlich ausmachen. Davon könnten laut Kommission rund 70 Prozent eingespart werden. Zudem sinken die durch Klima- und Gesundheitsschäden entstehenden Kosten, Letztere betragen Brüssel zufolge über 200 Milliarden im Jahr. Unter dem Strich also eine positive Bilanz.

Cañete betonte, der Übergang zu einer CO2-freien Wirtschaft müsse „sozial gerecht“ gestaltet werden. Kein Bürger und keine Region dürften auf der Strecke bleiben. Mitarbeiter etwa aus der Kohle- und Erdölbranche sollten umgeschult werden. „Die EU wird diejenigen, die von diesem Übergang härter getroffen werden, unterstützen, damit jeder in der Lage ist, sich an die Anforderungen einer klimaneutralen Wirtschaft anzupassen“, versprach der Kommissar.

Europa soll Vorreiter sein und profitieren

In den Zukunftsbranchen der erneuerbaren Energien und der Energieeffizienz entstünden viele neue Jobs, und Europa werde profitieren, wenn es hier Vorreiter sei. Unter dem Strich rechnet Brüssel damit, dass ein klimaneutraler Umbau der Wirtschaft die Wirtschaftsleistung leicht positiv beeinflusst – sie könne dadurch 2050 rund zwei Prozent höher liegen.

Der Industrieverband BDI äußerte sich positiv zu Cañetes Konzept. Es sei ein „notwendiges Signal“ für den Katowice-Gipfel. Die Staatengemeinschaft müsse endlich globale Regeln für die Paris-Umsetzung aufstellen. Allerdings seien „international gleiche Wettbewerbsbedingungen für die Industrie entscheidend“.

Umweltverbände und Politiker von Grünen und Linken lobten Cañetes Plan ebenfalls. Sie monierten aber, dass es bisher keine ausreichend ambitionierten Zielmarken für 2030 und 2040 gebe, um die EU in die richtige Spur bringen. „Wir kommen nicht umher, schon für 2030 die Pläne entsprechend anzupassen und schon früh deutlich mehr Klimaschutz zu betreiben“, forderte die Umweltstiftung WWF. Der Klima-Kommissar hatte im Sommer versucht, das EU-Ziel für 2030 von minus 40 Prozent CO2 auf minus 45 Prozent anzuheben, war damit allerdings unter anderem am Widerstand von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) gescheitert. Zwischen 1990 und 2017 hat die EU 22 Prozent Treibhausgasemissionen eingespart.

Laut einer aktuellen EU-Umfrage sind 93 Prozent der Europäer überzeugt, dass der Klimawandel „menschengemacht“ ist. Rund 85 Prozent vertreten die Ansicht, dass durch Klimaschutz und mehr Energieeffizienz Arbeitsplätze geschaffen werden können.

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