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Klimaschutz Die Kohle bröckelt

Die Zahl der Kohlekraftwerke in Planung ist deutlich rückläufig. Allerdings reicht das nicht aus, um das Paris-Ziel einzuhalten. Es sind noch sehr viel größere Einschnitte nötig.

Das Bergwerk Ewald ist schon stillgelegt, das Steinkohlekraftwerk in Gelsenkirchen-Scholven läuft noch. Foto: imago/Jochen Tack

Der ambitionierte Klimavertrag von Paris ist noch gar nicht in Kraft getreten. Trotzdem zeigt er schon Wirkung. Die Zahl der Kohlekraftwerke, die weltweit geplant sind, ist deutlich zurückgegangen, seitdem sich 195 Staaten im vergangenen Dezember auf das globale Abkommen zur Senkung der Treibhausgase verständigt haben. Das belegt ein neuer Report von „Coalswarm“, eines weltweiten Netzwerks von Klimaaktivisten, das seit einigen Jahren akribisch die Entwicklung im Bereich der Kohlenutzung beobachtet.

Im „Global Coal Plant Tracker“ der Umweltexperten finden sich die Daten von 4700 Kohlekraftwerken weltweit, die seit 2010 geplant wurden, sowie die der aktuell in Betrieb befindlichen Anlagen. Laut der jetzt aktualisierten Bilanz, die der FR vorliegt, ist die Zahl dieser Anlagen im ersten Halbjahr 2016 deutlich geschrumpft.

Die in der Pipeline befindlichen Erzeugungskapazitäten sind danach zwischen Januar und Juli von 1090 auf 932 Gigawatt (GW) gesunken. Das Minus von 158 GW oder 14 Prozent entspricht laut Coalswarm in etwa den gesamten Kohlekraftwerks-Kapazitäten in der Europäischen Union, die sich auf 162 GW belaufen. Vor allem China (minus 114 GW) und Indien (minus 40 GW) tragen zu diesem Kurswechsel bei. Aber auch andere asiatische Länder wie Vietnam, Indonesien und die Philippinen haben ihre Kohle-Ausbaupläne gekürzt.

Kohleverbrauch sank 2015

Besonders China, Gastgeber des gerade beendeten G20-Gipfels, macht sich in jüngster Zeit für einen Umbau des Energiesystems stark. Dazu passt, dass das Land als erster Big Player beim CO2-Ausstoß seine Ratifizierungsurkunde für das Paris-Klimaabkommen bei den Vereinten Nationen eingereicht hat. Peking hatte zusammen mit Washington auf dem Treffen der Industrie- und Schwellenländer unter anderem auch konkrete Ziele zum Abbau staatlicher Subventionen für Kohle, Erdöl und Erdgas im Abschlussdokument verankern wollen.

Hier zog Indien allerdings nicht mit, es wehrte sich mit Erfolg dagegen. Im Abschlussdokument wurde dann zwar die Notwendigkeit des Subventionsabbaus erneut betont, ein konkreter Fahrplan dafür fehlt aber.

Der Verbrauch von Kohle – Klimakiller Nummer eins – war 2015 in zweiten Jahr weltweit zurückgegangen – Folge einer spürbar zurückgehenden Auslastung der vorhandenen Kraftwerke. Dies trug maßgeblich mit dazu bei, dass der globale CO2-Ausstoß seit 2013 nicht mehr gestiegen ist. Die Emissionen hätten sich vom Wirtschaftswachstum entkoppelt, sagte der Chef der Internationalen Energieagentur (IEA), Fatih Birol, im Frühjahr bei der Vorstellung der Zahlen für 2015. Er nannte dies eine „überraschende, aber willkommene Botschaft“.

Allerdings reicht der neue Trend nicht aus, um das Paris-Ziel einzuhalten. Danach soll die Erderwärmung im Korridor von plus 1,5 bis zwei Grad gestoppt werden. Gehen alle derzeit im Bau befindlichen und auch jetzt noch geplanten Kohlekraftwerke ans Netz, entstehen alleine dadurch mehr CO2-Emissionen, als „erlaubt“ sind, um das 1,5 Grad-Limit mit hoher Wahrscheinlichkeit noch einhalten zu können. China hat weltweit mit 895 Gigawatt noch immer die meisten Kohlemeiler im Betrieb, gefolgt von den USA mit 302 GW und Indien mit 206 GW Erzeugungsleistung.

Coalswarm-Direktor Ted Nace begrüßte den Schrumpfkurs bei den Kraftwerks-Plänen, warnte aber: „Es sind noch viel größere Einschnitte nötig, um die Welt vor den größten Klimagefahren zu schützen.“ Ein konsequenter Umbau der Energieerzeugung würde sich auch sehr positiv auf die Gesundheit der Menschen auswirken, sagte er. Laut einem neuen IEA-Report ist die Luftverschmutzung für rund 6,5 Millionen vorzeitige Todesfälle weltweit verantwortlich – mit Feinstaub und anderen Schadstoffen aus der Kohleverbrennung als wesentliche Faktoren.

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