Lade Inhalte...

Klimaschutz Die Bahn „vergrünt“ sich

Ab 2018 soll der gesamte Fernverkehr mit Ökostrom betrieben werden. Die Mehrkosten will die Bahn nicht auf die Kunden umlegen, sondern selbst übernehmen.

24.10.2017 07:30
PK Deutsche Bahn zu neuen Klimaschutzzielen
„Bahnfahren ist Klimaschutz": Bahnchef Richard Lutz will die Bahn grüner machen. Foto: dpa

Elektromobilität ist für die Bahn ein alter Hut: Schon 1879 stellte Werner von Siemens die erste elektrische Lokomotive vor, ab der Jahrhundertwende wurde das deutsche Eisenbahnnetz schrittweise elektrifiziert. Ökologisch war das bisher aber nur begrenzt, schließlich stammte der Strom überwiegend aus Kohle- oder Atomkraftwerken.

Die Deutsche Bahn AG will das nun ändern: Mit Blick auf die UN-Klimakonferenz Anfang November in Bonn kündigte der Staatskonzern am Montag in Berlin an, dass ab Januar 2018 der gesamte Fernverkehr mit Ökostrom betrieben wird. Die Tickets sollen dadurch nicht teurer werden.

Bislang hat die Bahn nur den Inhabern der Bahncard und anderer Streckenkarten zugesichert, dass sie mit Ökostrom fahren. Möglich war für Bahnkunden auch, für Strom aus erneuerbaren Energien pro Strecke freiwillig einen Euro mehr zu zahlen. Künftig sollen alle 140 Millionen Passagiere im Fernverkehr klimaneutral, also ohne CO2-Ausstoß, unterwegs sein.

Die Bahn hat dafür den Begriff „Vollvergrünung“ erfunden. Zugleich will sich die Bahn auch in der Außendarstellung stärker als klimafreundliches Unternehmen präsentieren. „Bahnfahren ist Klimaschutz“, so Bahnchef Richard Lutz, der neuerdings auch von der „grünen Schiene“ spricht.

Nach Angaben des Unternehmens werden derzeit im Fernverkehr noch 13 Gramm CO2 je Person und Kilometer ausgestoßen. Zum Vergleich: Beim Bus sind es 32 Gramm, beim privaten PKW etwa 142 und beim Flugzeug 211 Gramm.

Bahnchef Lutz: Ticketpreise sollen nicht steigen

Die Ticketpreise sollen im Zuge der Umstellung auf den teureren Ökostrom nicht steigen, versprach Lutz. „Das übernehmen wir“, sagte er auf die Frage, wer den Preis dafür zahlen wird. Nach seinen Angaben hat die Bahn seit der Einführung der grünen Bahncard im April 2013 für Ökostrom rund 100 Millionen Euro mehr ausgegeben. „Jetzt legen wir noch mal eine Schippe drauf“, so der Bahnchef. Konkrete Summen nannte er allerdings auch auf Nachfrage nicht.

Die komplette Umstellung beim Fernverkehr ist Teil einer neuen Klimastrategie des Staatskonzerns. Danach soll der Ausstoß von Kohlendioxid über alle Verkehrsmittel des Bahnkonzerns bis 2030 gegenüber 2006 halbiert werden. Der Anteil von Ökostrom am Bahnstrom-Mix soll von jetzt 42 auf dann 70 Prozent steigen. Von 2050 an will die Bahn komplett klimaneutral arbeiten.

Mit Blick auf die laufenden Sondierungsverhandlungen zwischen Union, FDP und Grünen zur Bildung einer Jamaika-Koalition forderte Lutz allerdings auch stärkere Unterstützung der Politik für die Bahn, um mehr Verkehr von der Straße auf die Schiene zu verlagern. „Lippenbekenntnisse reichen nicht“, betonte der Vorstandschef. „Die Energiewende geht nur mit einer Verkehrswende.“

Nur eine starke Schiene führe zu einem Verkehrssektor mit deutlich weniger Treibhausgasen, so Lutz. In Rede steht beispielsweise, künftig auch die Fernbusse mit der LKW-Maut zu belasten, um hier Wettbewerbsgleichheit zu schaffen. Auf der Schiene sind sogenannte Trassenpreise fällig, wodurch derzeit der Fernbus begünstigt wird.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
  • Nutzungsbasierte Onlinewerbung
  • Mediadaten
  • Wir über uns
  • Impressum