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Klimabericht 2100 droht der Klimakollaps

Der Bericht des IPCC fordert ein radikales Umsteuern auf emissionsfreie Energieträger. "Die Politik muss entscheiden".

Windräder vor den Kühltürmen des Kohlekraftwerks im brandenburgischen Jänschwalde. Foto: dpa

Der indische Ökonom Rajendra Pachauri wählte ein eindringliches Bild: „Der Hochgeschwindigkeitszug zur Minderung der Treibhausgase muss jetzt schnell losfahren“, forderte der Vorsitzende des Weltklimarats (IPCC) am Sonntag: „Und die gesamte Weltgemeinschaft muss darauf aufspringen.“ Doch im vergangenen Jahrzehnt ist rund um den Globus der Ausstoß der Klimakiller weiter angestiegen. Und in Deutschland, dem Geburtsland der Energiewende, rollen Opposition und Regierung eher wie zwei Züge aufeinander zu.

Während SPD-Umweltministerin Barbara Hendricks Deutschland am Wochenende als Vorreiter in Sachen Klimaschutz darstellte, warf Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter der großen Koalition vor, gerade dieser Vorbild-Rolle nicht gerecht zu werden. Er sagte der Frankfurter Rundschau mit Blick auf die Debatten um das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG): „Damit werden die Erfolge diskreditiert und der Klimaschutz weltweit deutlich erschwert.“ Das Handeln der Bundesregierung habe mit der Darstellung der Umweltministerin nichts zu tun, kritisierte Hofreiter: „Ihre leeren Ankündigungen bringen nichts, wenn Frau Hendricks sich nicht einmal im eigenen Kabinett durchsetzen kann.“

Nach tagelangen Beratungen hatte der Weltklimarat am Sonntag seinen neuen Bericht vorgelegt. An dem 2000-Seiten-Wälzer haben 235 Autoren aus 58 Ländern mitgearbeitet. Seine wichtigste Botschaft: Das Ziel, die Erderwärmung bis zum Ende des Jahrhunderts gegenüber der vorindustriellen Zeit auf zwei Grad zu begrenzen, ist theoretisch zwar noch zu erreichen.

Dafür bedarf es jedoch deutlich stärkerer Anstrengungen zum Klimaschutz als bisher. So müssten die weltweiten Treibhausgas-Emissionen bis zur Mitte des Jahrhunderts um 40 bis 70 Prozent gedrosselt und bis zum Jahr 2100 auf nahezu Null gesenkt werden. Der Preis wäre nach den Berechnungen wahrscheinlich ein um 0,06 Prozentpunkte pro Jahr verringertes Wirtschaftswachstum. Läuft hingegen alles weiter wie bisher, erwarten die Experten eine Erwärmung um voraussichtlich 3,7 bis 4,8 Grad mit unabsehbaren Folgen für Mensch und Natur.

Der 1988 von den Vereinten Nationen gegründete Weltklimarat forscht nicht selber, und er gibt keine festen politischen Handlungsanweisungen. Hingegen werden wissenschaftliche Daten umfassend ausgewertet und unterschiedlichste Optionen aufgezeigt. „Wir schreiben keine Politik vor, sondern wir erstellen Landkarten“, sagte Pachauri. Die „Politik muss dann entscheiden“, welchen Weg sie auswählt.

Emissionen steigen immer schneller

Die Richtung indes scheint klar: Trotz der Finanzkrise und trotz aller Anstrengungen zum Klimaschutz steigen derzeit die schädlichen Emissionen weiter und immer schneller, berichtete der deutsche Klima-Experte Ottmar Edenhofer. Dafür seien vor allem die Wirtschaft und das Bevölkerungswachstum verantwortlich.

Um das Zwei-Grad-Ziel zu erreichen, müsse der weltweite Anteil emissionsfreier oder emissionsarmer Energieträger von derzeit etwa 30 Prozent bis 2050 auf mehr als 80 Prozent erhöht werden. Allerdings rechnen die Experten hierzu nicht nur Wasser, Wind, Sonne und Biomasse. Auch die emissionsfreien Atomkraftwerke könnten einen Beitrag leisten, sagte Edenhofer.

Das umstrittene Schiefergas könne als Brückentechnologie genutzt werden. Zur Abscheidung und Speicherung des entstehenden Kohlendioxids bei fossilen Kraftwerken werde die CCS-Technik eine wachsende Rolle spielen, bei der der Kohlenstoff unter die Erde verpresst wird.

Zudem fordert der Weltklimarat eine Begrenzung der Verkehrsabgase. Möglich wären Elektroantriebe oder Treibstoffe auf Methan-Basis. Auch zur Energieeinsparung bei Gebäuden seien größere Anstrengungen erforderlich. Schließlich müsse die Abholzung von Wäldern zumindest verlangsamt und die Aufforstung vorangetrieben werden, argumentieren die Experten.

Grünen-Fraktionschef Hofreiter zeigte sich angesichts der relativ deutlichen Aussagen, die der IPCC trotz der Rücksichten, die er als multinationale Organisation zu nehmen hat, überrascht, wie klar der Bericht den Ausstieg aus fossilen Energieträgern benenne. Offenbar nehme die Bundesregierung aber die Empfehlungen der Experten nicht ernst: „Sie setzt weiter auf die Braunkohleverstromung und missbraucht den Emissionshandel und das Erneuerbare-Energien-Gesetz, die eigentlich dem Klimaschutz dienen sollten, zur Subventionierung der Industrie. Das ist unverantwortlich“, sagte Hofreiter der Frankfurter Rundschau.

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