Lade Inhalte...

Klimaabkommen Dann eben ohne Trump

2. UpdateEuropäer und Chinesen wollen den Klimaschutz notfalls auch ohne die USA vorantreiben.

01.06.2017 20:01
Kraftwerk am Kapitol
Schwieriger Partner: Die Kuppel des Kapitols in Washington ist hinter den Schornsteinen eines Kohlekraftwerks zu sehen. Foto: dpa

Die Europäische Union und China sind entschlossen, gemeinsam die Führungsrolle in den weltweiten Bemühungen zum Klimaschutz zu übernehmen – notfalls auch ohne die USA. „China steht zu seiner Verantwortung“, sagte Ministerpräsident Li Keqiang am Donnerstag nach einem Besuch bei Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in Berlin.

Der Premier reiste anschließend weiter nach Brüssel, wo sich die EU und China bei einem zweitägigen Gipfeltreffen feierlich zum Pariser Klima-Abkommen bekennen wollen. Der Schritt der beiden Wirtschaftsmächte kommt zu einer Zeit, in der die USA als Partner im Klimaschutz auszufallen drohen: Präsident Donald Trump erklärte am Donnerstagabend in Washington, dass die Vereinigten Staaten aus dem Klimavertrag aussteigen werden.

Ziel des von fast 200 Staaten getragenen Klima-Abkommens ist es, den Treibhausgas-Ausstoß massiv zu senken und die durchschnittliche Erderwärmung bis zum Ende des Jahrhunderts auf weniger als zwei Grad zu begrenzen. Die Vereinigten Staaten sind nach China der größte Treibhausgas-Emittent des Planeten.

Trump hatte den Klimawandel im Wahlkampf als „Schwindel“ bezeichnet, der allein dazu diene, der chinesischen Wirtschaft Wettbewerbsvorteile zu verschaffen. Der Präsident steht bei den Bewohnern der darniederliegenden Kohlereviere im Wort, dem Brennstoff zu einer Renaissance zu verhelfen.

In den USA ist die Kohleverfeuerung allerdings nicht wegen strenger Klimaschutz-Vorgaben unattraktiv geworden, sondern wegen des Siegeszugs des billigen Fracking-Gases und der erneuerbaren Energien. Unter Trumps Vorgänger Barack Obama waren die Vereinigten Staaten eine der treibenden Kräfte in der internationalen Klimadiplomatie. Sie trugen Ende 2015 maßgeblich zum Erfolg der Pariser Welt-Klimakonferenz bei.

In einem Dokument, das die EU und China bei ihrem Gipfel in Brüssel billigen wollen, wird der Klimavertrag als „historische Vereinbarung“ gewürdigt. Die Abkehr von fossilen Brennstoffen wie Kohle, Öl und Gas nennen beide Seiten „unumkehrbar“. Die Europäer wollen die Einführung eines Emissionshandelssystems im bevölkerungsreichsten Land der Erde mit zehn Millionen Euro unterstützen. Dadurch soll auch in China der Klimakiller Kohlendioxid einen Preis bekommen – was Anreize für Energiesparen und Investitionen in klimafreundliche Technologien setzt.

In der Europäischen Union existiert ein derartiges Systems im Grundsatz bereits. Weil jedoch zu viele Zertifikate im Markt sind, entfaltet es kaum noch eine Lenkungswirkung. Die Europäische Union hatte sich im Rahmen der Pariser Klimakonferenz dazu verpflichtet, bis 2030 ihre Treibhausgas-Emissionen um mindestens 40 Prozent unter das Niveau von 1990 zu drücken. Erneuerbare Energien sollen bis dahin 27 Prozent des gesamten Energieverbrauchs decken, die Effizienz soll um mindestens 27 Prozent steigen.

Allerdings tun sich auch die Europäer in der Praxis beim Klimaschutz schwer. Deutschland etwa gelingt es trotz des Ökostrom-Booms nicht, seinen Kohlendioxid-Ausstoß substanziell zu senken. Gründe dafür sind das Festhalten an der klimaschädlichen Kohleverstromung und der hohe CO2-Ausstoß des Verkehrssektors.

Der Versuch der schwarz-roten Bundesregierung, Elektroautos mit einer Kaufprämie zum Durchbruch zu verhelfen, gilt als gescheitert. China hat ein unmittelbares Interesse an mehr Klima- und Umweltschutz, weil die Städte des Landes in schmutziger Luft ersticken. Bisher ist die Kohle der Brennstoff des chinesischen Wirtschaftswunders.

Hinzu kommt, dass sich immer mehr Bewohner des Landes ein eigenes Auto leisten können. Das Land investiert seit einigen Jahren massiv in den Ausbau der erneuerbaren Energien. Es sieht in der Umwelttechnik auch einen riesigen Wachstumsmarkt der Zukunft.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Artikels war der Beitrag der Europäer zur Einführung eines Emmissionshandelssystems mit zehn Milliarden Euro beziffert. Tatsächlich sind es zehn Millionen Euro. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen