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Klima-Abkommen Angela Merkel will Klimaschutz vorantreiben

Kanzlerin Merkel ist nach dem Ausstieg der USA aus dem Klima-Abkommen von Paris entschlossen, die Kräfte zu bündeln. Frankreichs Umweltminister Hulot erwartet sogar ein noch entschlosseneres Handeln der restlichen Welt.

02.06.2017 11:23
Angela Merkel
„Allen, denen die Zukunft unseres Planeten wichtig ist, sage ich: Lassen Sie uns gemeinsam den Weg weitergehen, damit wir erfolgreich sind für unsere Mutter Erde“, sagte Merkel. Foto: rtr

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) will den globalen Klimaschutz trotz des Ausstiegs der USA aus dem Abkommen von Paris entschieden vorantreiben. „Allen, denen die Zukunft unseres Planeten wichtig ist, sage ich: Lassen Sie uns gemeinsam den Weg weitergehen, damit wir erfolgreich sind für unsere Mutter Erde“, sagte Merkel am Freitag in Berlin. Das Pariser Abkommen werde gebraucht, um die Schöpfung zu bewahren. „Nichts kann und wird uns dabei aufhalten.“ Entschlossener denn je gelte es, Kräfte zu bündeln. Deutschland werde seine Verpflichtungen erfüllen. Wichtig seien dabei auch finanzielle Hilfen für die ärmsten und verwundbarsten Länder, sagte Merkel.

Weniger positiv haben sich Vertreter der russischen Regierung geäußert. Sie halten die Umsetzung des Weltklimaschutzvertrags ohne die USA für nicht realistisch. Ohne die Teilnahme der Vereinigten Staaten funktioniere das Abkommen nicht, zitierte die Nachrichtenagentur RIA Kreml-Berater Andrej Belusow am Freitag.

Russland hat den Vertrag von Paris zwar unterzeichnet, aber noch nicht ratifiziert. RIA hatte zuvor den stellvertretenden Ministerpräsidenten Arkadi Dworkowitsch mit den Worten zitiert, Russland werde seine Entscheidung, dem Abkommen beizutreten, nicht ändern.

Der Rückzug der USA aus dem Pariser Klimaabkommen könnte im schlimmsten Fall eine zusätzliche Erderwärmung um 0,3 Grad zum Ende des Jahrhunderts bedeuten. Das sagte Deon Terblanche, Direktor der Abteilung für Atmosphärenforschung bei der Weltwetterorganisation (WMO) am Freitag in Genf. Er betonte aber, dass solche Vorhersagen höchst schwierig seien. Man wisse ja gar nicht, ob die Emissionen der USA in die Höhe gehen oder weiter sinken. Die USA sind nach China weltweit der zweitgrößte CO2-Verursacher.

Die internationale Gemeinschaft will die Erderwärmung mit dem Klimaabkommen von Paris auf deutlich unter zwei Grad halten. „Es wird sehr schwer werden, mit oder ohne USA, dieses Ziel zu erreichen“, sagte der deutsche Wissenschaftler Johannes Cullmann, Leiter der WMO-Abteilung Klima und Wasser.
 

Hulot: US-Klima-Absage stärkt Entschlossenheit anderer

Frankreichs Umweltminister Nicolas Hulot erwartet nach der Abkehr der USA vom Pariser Klimaabkommen ein umso entschlosseneres Handeln der restlichen Welt. Auf die Frage, ob das Abkommen tot sei, sagte Hulot dem Sender BFMTV am Freitag: „Nein. Im Gegenteil, meiner Meinung nach werden Sie sehen, dass es das neu beleben wird.“ Es würden ganz neue Allianzen entstehen, sagte Hulot. „Das wird die Entschlossenheit des Rests der Welt nur stärken, einschließlich Akteuren in den Vereinigten Staaten.“

Der Umweltaktivist und Filmemacher Hulot war Mitte Mai von Präsident Emmanuel Macron zum Umweltminister ernannt worden. Als Sondergesandter von Macrons Amtsvorgänger François Hollande hatte er bei der Vorbereitung der Pariser Klimakonferenz mitgearbeitet, bei der 195 Länder das Abkommen vereinbart hatten.

Auch EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker betont beim EU-China Wirtschaftsgipfel am Freitagmorgen in Brüssel: „Es gibt keinen Rückwärtsgang bei der Energiewende. Es gibt keine Abkehr vom Pariser Abkommen.“

Kanzleramtsminister Peter Altmaier (CDU) sieht die historische Übereinkunft von Paris nicht in Gefahr. Er sei „überzeugt, dass der Weg weitergehen wird, dass dieses Abkommen überleben wird“, sagte Altmaier am Freitag im ARD-“Morgenmagazin“. Die globale Diskussion um Klimaschutz werde seiner Meinung nach sogar „großen Aufschwung“ erleben.

Am Ende werde man sich in den USA möglicherweise auch fragen, ob sie „vielleicht die eigene Volkswirtschaft nicht mehr geschädigt hat dadurch, dass man die Illusion erweckt hat, man könne diese Geschichte zurückdrehen und man könne den Klimawandel sozusagen vernachlässigen“, ergänzte Altmaier. Trump hatte am Donnerstag den Ausstieg seines Landes aus dem Pariser Klimaschutzabkommen verkündet. Regierungen weltweit äußerten sich enttäuscht.

Die britische Premierministerin Theresa May hat mit „Enttäuschung“ auf den geplanten Rückzug der Vereinigten Staaten aus dem Pariser Klimaabkommen reagiert. In einem Telefongespräch mit US-Präsident Donald Trump am Donnerstagabend habe die Chefin der Konservativen klargemacht, dass Großbritannien weiter zu den Vereinbarungen des Klimagipfels stehen werde, teilte die britische Regierung mit.

Der Chef der Labour-Party, Jeremy Corbyn, sagte derweil zu Trumps Entscheidung: „Aus dem Pariser Klimaabkommen auszusteigen, ist rücksichtslos und rückschrittlich.“ Die schottische Regierungschefin Nicola Sturgeon nannte Trumps Schritt „zutiefst bedauerlich“. Sie kritisierte, dass Premierministerin May sich nicht an der gemeinsamen Erklärung von Deutschland, Frankreich und Italien gegen eine Neuverhandlung der Klimaziele beteiligt habe.

Jakob von Weizsäcker: Trumps Klima-Entscheidung ist Chance

Der SPD-Europaabgeordnete Jakob von Weizsäcker sieht im Ausstieg der USA aus dem Pariser Klimaschutzabkommen eine Chance für ein Zusammenrücken der zerstrittenen Europäer und Chinesen. Zum EU-China-Gipfel am Freitag in Brüssel sagte er im SWR2-Tagesgespräch, gerade beim Klimaschutz gebe es Gemeinsamkeiten der EU mit China.

Die Erkenntnis, dass der Klimawandel wirklich eine Bedrohung darstelle, sei überall dort sehr weit verbreitet, „wo man auf die Wissenschaft hört und nicht auf Quacksalber“, sagte von Weizsäcker. „Da sind sich China und Europa ähnlich“. Auch bei der globalen Sicherheit stelle sich die Frage einer engeren Zusammenarbeit. Allerdings dürfe man nicht naiv an die Partnerschaft mit China herangehen. Die Differenzen über Handel und Wettbewerbsbedingungen ließen sich nicht über Nacht ausräumen. (dpa/afp/rtr)

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