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Interview „Mitmachen muss geübt werden“

Umweltingenieur Matthias Bergmann findet: Die Energiewende muss von den Bürgern getragen werden. Er fordert lokale oder regionale Real-Labore.

14.03.2017 15:44
Matthias Bergmann
Matthias Bergmann Foto: privat

Herr Professor Bergmann, Sie sagen: Die Energiewende muss von den Bürgern getragen werden, sonst scheitert sie. Warum?
Bei der Mobilität wird am drastischsten deutlich, weshalb es anders nicht geht: Ein technisches Angebot wie das Elektroauto wird nicht akzeptiert – selbst dann nicht, wenn es staatlich subventioniert wird. Der Grund: Die Pläne wurden von Wirtschaft und Politik ohne Verständnis für die potenziellen Nutzer gemacht. Ähnliches gilt im Stromsektor. Der relativ schnell gewachsene Anteil an Öko-Strom darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Energieeffizienz-Bemühungen weit hinterherhinken. Die unmittelbare Information über den aktuellen Verbrauch und über Sparpotenziale im einzelnen Haushalt fehlt.

Wie ginge es besser?
Man sollte sich am Verhalten der Bürger orientieren und hier neue Angebote machen. Im Fall des Verkehrs: Die Bürger treiben die Multimodalität voran, also das Wechseln zwischen Zufußgehen, Fahrradfahren, Nutzen von Bus und Bahn sowie Autofahren, wobei Car Sharing gerade in den Städten stark wächst. Inflexible Mono-Technik wird nicht genutzt, weil flexible Mobilitätsdienstleistungen gefragt sind. An dieser Flexibilität müssen neue, sparsame Angebote und Informationen ansetzen. Hier hat möglicherweise auch die Elektromobilität ihren Platz, zum Beispiel mit E-Bikes.

Was lässt sich daraus für die Energiewende 2.0 lernen?
Egal, um welchen Sektor der Energiewende es geht, das Motto muss heißen: Erst erproben, dann umsetzen. Hierfür brauchen wir lokale oder regionale „Real-Labore“. Denn Mitmachen kann nicht verordnet werden, sondern muss sinnvoll vorbereitet und geübt werden. Vorhaben und damit verbundene Gesetze sollten zunächst in einem kleinen Maßstab getestet werden, um gemeinsam mit den Bürgern Erfahrungen zu sammeln. Erst dann sollten Vorhaben im großen Maßstab eingeführt werden. Man muss die herkömmliche Gesetzespolitik auf eine solidere Basis stellen, um die Akzeptanz der Bürger nicht zu verlieren.

Interview: Joachim Wille

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