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Internationaler Vergleich Deutschland verliert Spitzenplatz bei Erneuerbaren

Unternehmen investieren laut einer Studie nun lieber in Frankreich. Großen Handlungsbedarf gibt es auch bei den Vorreitern.

Windräder in Niedersachsen
Windräder in Niedersachsen. Foto: dpa

Deutschland ist bei Erneuerbaren Energien im internationalen Vergleich auf dem absteigenden Ast. Das ist das Ergebnis einer Klima- und Energiestudie, die Versicherungsriese Allianz, die Berliner Ideenschmiede New Climate Institute und die Umweltorganisation Germanwatch nun zum dritten Mal vorgelegt haben. „Frankreich hat Deutschland als weltweit attraktivsten Markt für Investitionen in Erneuerbare überholt“, sagte Allianz-Klimaexperte Thomas Liesch zu einem der Hauptergebnisse der Studie. Sie fußt auf den politischen und regulatorischen Rahmenbedingungen für solche Investitionen im Jahr 2017. Dieses Jahr drohe zudem ein weiterer Abstieg Deutschlands, was vor allem auf die hierzulande im Kampf gegen den Klimawandel praktizierte Stop-and-go-Politik der Bundesregierung zurückgehe.

Das verschrecke Investoren, betonen die Studienmacher. Frankreich marschiere dagegen voran. Auch Großbritannien sei ein Vorbild, weil es als einzige der in der Studie untersuchten und weltweit bedeutendsten G20-Nationen eine langfristige und ehrgeizige Strategie zum Ausstieg aus fossilen Brennstoffen verfüge. Deutschland diskutiert in diesem Punkt noch.

Selbst bei den aufstrebenden Klimaschützern unter den Nationen dieser Erde gebe es aber noch großen Handlungsbedarf, betont Germanwatch-Klimaexperte Jan Burck. Als Maßstab wählt er diejenigen Investitionen in den Stromsektor, die bis 2050 jährlich rechnerisch nötig wären, um die Ziele des Pariser Klimaabkommens mit einer Beschränkung der globalen Erwärmung auf 1,5 bis 2,0 Grad Celsius noch zu erreichen.

Derzeit beträgt das über alle Länder aufaddierte Finanzvolumen dafür rund 300 Milliarden Dollar. Nötig wären 886 Milliarden Dollar jährlich. Die größten absoluten Lücken bestünden in China, den USA und Indien, allerdings mit unterschiedlichen Entwicklungsrichtungen. Während China massiv in erneuerbare Energien investiert und auch Indien erwacht ist, geht es in den USA unter Präsident Donald Trump in die andere Richtung. Statt nötiger 150 Milliarden Dollar investierten die USA zuletzt 56 Milliarden Dollar in die Klimarettung. Für Deutschland haben die Studienmacher für 2017 rund 17 Milliarden Dollar an Klimainvestitionen errechnet gegenüber nötigen 22 Milliarden Dollar jährlich.

Relativ gesehen stehe Europa mit Frankreich, Deutschland, Großbritannien und Italien am besten unter den klimaverantwortlichen Regionen da, betont Liesch. Die USA sind unter Trump von Rang sieben auf Rang neun abgerutscht. In Deutschland sorge vor allem der gedrosselte Ausbau der Windenergie für miese Stimmung unter Investoren, sagen die Studienmacher. Weltweite Spitze ist Deutschland nur noch mit seinem 34-prozentigen Anteil erneuerbarer Energien am nationalen Strommix. Neue Kapazitäten an Wind- und Sonnenstrom kommen aber nur noch gedrosselt dazu. Speziell bei Windenergie drohe 2018 eine Halbierung der Investitionen, warnte Burck. In den Folgejahren sehe es noch schlimmer aus.

Die Studienmacher verstehen ihre Erhebung als Warnung an die Adresse der Politik. „Die Risiken des Klimawandels können nur gemeinsam von engagierten Regierungen, Unternehmen und der Zivilgesellschaft abgefedert werden“, betont Allianz-Klimaexpertin Katharina Latif. 

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