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Grüne Energie Der entlarvte Mythos

Wirtschaft und Umwelt müssen keine Gegensätze sein: Das UN-Umweltprogramm Unep zeigt Chancen des ökologischen Umbaus auf und zeichnet ein optimistisches Bild für die Zukunft.

17.11.2011 17:58
Vergangenheit und Zukunft? Foto: dpa

Wirtschaft und Umwelt müssen keine Gegensätze sein: Das UN-Umweltprogramm Unep zeigt Chancen des ökologischen Umbaus auf und zeichnet ein optimistisches Bild für die Zukunft.

Ein ökologischer Umbau der Weltwirtschaft ist kein Killer für Wachstum und Wohlstand. „Green Economy“, das grüne Wirtschaften, kann das globale Bruttosozialprodukt sogar erhöhen und unter dem Strich viele Millionen zusätzlicher Jobs schaffen. Das ist das Ergebnis einer Studie, die das UN-Umweltprogramm Unep am Mittwoch in Peking vorgestellt hat. Mehrere hundert Experten haben drei Jahre lang an dem Report gearbeitet.

Der Ort der Unep-Präsentation war wohl kaum zufällig gewählt. China ist zwar inzwischen zum Ober-Einheizer des Planeten avanciert, verantwortlich für mehr als 20 Prozent des CO2- Ausstoßes. Gleichzeitig unternimmt das Land aber große Anstrengungen, auf eine ressourcensparendere Wirtschaft mit einem steigenden Anteil erneuerbarer Energien umzustellen. Peking ist laut Unep inzwischen zum weltweit führenden Öko-Investor avanciert, der in den nächsten fünf Jahren umgerechnet 350 Milliarden Euro für erneuerbare Energien, saubere Technologien und Abfall-Management ausgeben will.

Unep zeichnet optimistisches Bild

Die von dem Deutschen Achim Steiner geleitete Organisation Unep mit Sitz in Nairobi zeichnet trotz der aktuellen Schlagzeilen über den auf Rekordniveau gestiegenen globalen Treibhausgas-Ausstoß ein optimistisches Bild. Sie verweist darauf, dass bereits eine ganze Reihe Staaten zumindest teilweise auf grüne Strategien setzt – „von China bis Barbados, von Brasilien bis Südafrika“.

Ein Beispiel aus Brasilien: Dort wurden in einem Programm 500.000 Häuser mit solaren Heizsystemen ausgerüstet, was 30.000 Jobs entstehen ließ. Beispiel Südafrika: Hier fanden 25.000 Menschen Arbeit in einem Großprojekt zur Sanierung von Trinkwasser-Quellen. Auch Deutschland punktet in dem Unep-Report, weil es bis 2020 den im Vergleich sehr hohen Anteil von 35 Prozent Ökostrom erreichen will. Unep empfiehlt gezielte Öko-Investitionen in zehn Kernbereichen der Wirtschaft, darunter Energie, Hausbau, Verkehr, Landwirtschaft, Abfall und Tourismus. Zwei Prozent des globalen Sozialprodukts würden danach ausreichen, „um die globale Ökonomie auf einen nachhaltigeren Pfad zu bringen“.

Allerdings räumt Unep ein, dass es bei diesem Kurswechsel auch Verlierer gibt. So wird geschätzt, dass in China bei einer forcierten Umstellung auf Ökostrom rund 800.000 Arbeitsplätze in Kohlekraftwerken verloren gehen würden. Allerdings entstünden dann bis 2020 alleine in der Windkraft-Industrie rund 2,5 Millionen neue Jobs. Die Netto-Bilanz sei eindeutig positiv, heißt es bei Unep.

Unep fordert neuen Wohlstandsindikator

UN-Generalsekretär Ban Ki-Moon kommentierte: „Der Report entlarvt den Mythos, dass Wirtschaft und Umwelt Gegensätze sind.“ Mit kluger Politik könnten die Regierungen die Weltwirtschaft so wachsen lassen, „dass der ökologische Fußabdruck der Menschheit die Tragekapazität des Planeten nicht überschreitet“.

Ein Selbstläufer wird der Öko-Umbau der Ökonomie freilich nicht. Unep-Chef Steiner forderte einen „neuen Wohlstandsindikator“, der über das Bruttosozialprodukt hinausgeht und den Wert der Natur-Ressourcen in die Kalkulation einbringt. Erst kürzlich hatte der oberste UN-Umweltexperte bei einem Auftritt in Berlin gefordert, die Regierungen müssten die Subventionen streichen, die in Gewinnung und Nutzung der fossilen Energien fließen - „eine Absurdität unseres Wirtschaftssystems“. Weltweit seien das mehr als 500 Milliarden US-Dollar jährlich. Die vor allem in Entwicklungsländern gewährten Subventionen für Erdölprodukte förderten Umweltzerstörung und verzögerten Investitionen in klimaschonenden Technologien.

Steiner sagte denn auch: „Wir haben Unmengen Möglichkeiten – wenn es gelingt, die Entscheidungsträger in Wirtschaft und Politik zu mobilisieren.“

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