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Greenpeace-Studie Die Mär von der günstigen Braunkohle

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace legt eine Studie zur Braunkohle vor. Demnach sind die Kosten für den Brennstoff längst nicht so gering, wie die Braunkohlewirtschaft seit vielen Jahren behauptet.

Braunkohle lässt sich relativ preiswert abbauen. Foto: dpa

Die deutsche Braunkohlewirtschaft führt in der öffentlichen Debatte seit vielen Jahren das Argument an, dass ihr Energieträger der einzige sei, der ohne Subventionen auskomme. Tatsächlich lässt sich der Brennstoff relativ preiswert aus der Erde holen und in nahegelegenen Kraftwerken verfeuern – was in den Revieren im Rheinland oder der Lausitz auch im großen Stil geschieht. Trotzdem verursacht die Branche hohe Kosten für die Allgemeinheit. Eine am Mittwoch veröffentlichte Studie im Auftrag der Umweltorganisation Greenpeace beziffert sie allein für dieses Jahr auf 15 Milliarden Euro.

In die Kalkulation flossen unter anderem Kosten für die Sanierung ehemaliger Tagebaue sowie die Gesundheitsschäden ein, die die Braunkohleverstromung verursacht. Zudem wurden Vergünstigungen und Ausnahmeregelungen für die Branche betrachtet. Fazit der Umweltschützer: „Die Mär von der günstigen Braunkohle ist nicht haltbar.“ Würden alle Kosten auf den Preis einer Kilowattstunde Braunkohlestrom aufgeschlagen, erhöhte sich dieser um fast zehn Cent. Bislang kostet die Kilowattstunde etwa fünf Cent oder sogar weniger. Damit wäre Braunkohle-Strom teurer als Strom aus modernen Solaranlagen. Erstellt hat die Studie das Forum ökologisch-soziale Marktwirtschaft.

Eine weniger wichtige Rolle

In Zukunft soll die Braunkohle im Energie-Mix eine weniger wichtige Rolle spielen. Dazu hat die Bundesregierung eine Vereinbarung mit den Energiekonzernen geschlossen. Spätestens ab 2017 werden die Kraftwerksbetreiber umfangreiche Subventionen erhalten. Und zwar aufgrund der neuen Braunkohle-Reserve, die die Kohlelobby Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) abgerungen hat. Das Konzept dazu verabschiedete die Regierung in der vergangenen Woche. Demnach werden die Konzerne RWE, Vattenfall und Mibrag schrittweise klimaschädliche Braunkohlemeiler mit einer Gesamtleistung von 2,7 Gigawatt vom Netz nehmen. Die Kraftwerke werden abgeschaltet, aber grundsätzlich betriebsbereit gehalten. Kommt es zu Engpässen im Netz, können sie wieder hochgefahren werden. Die Betreiber erhalten für die Bereitstellung dieser Reserve über die Dauer von sieben Jahren insgesamt 1,6 Milliarden Euro. Zahlen wird die nicht der Staat, sondern der Kunde über seine Stromrechnung.

Ganz aus dem deutschen Braunkohlegeschäft verabschieden wird sich der schwedische Energiekonzern Vattenfall, der sich in Staatsbesitz befindet. Die Regierung in Stockholm fühlt sich dem Klimaschutz verpflichtet. Vattenfall stellt deshalb seine Kraftwerke und Braunkohlegruben in Ostdeutschland zum Verkauf. Im Bieterverfahren darum läuft sich nun offenbar ein weiterer Interessent warm. Nach einem Bericht der „Westdeutschen Allgemeinen Zeitung“ erwägt auch der Essener Kraftwerksbetreiber Steag ein Angebot. „Das schaut sich Steag an“, zitiert die Zeitung einen namentlich nicht genannten Insider. Steag-Chef Joachim Rumstadt spricht offiziell von „Spekulationen“.

Die Steag befindet sich komplett im Besitz diverser Stadtwerke aus dem Ruhrgebiet. Die dortigen Kommunen sind finanzschwach und hoch verschuldet. Das Interesse des Stadtwerke-Konzerns soll auf Initiativen der Politik und der mächtigen Energiegewerkschaft IG BCE zurückgehen, für die Vattenfall-Braunkohle eine „deutsche Lösung“ zu finden. Das Geld könnte von einem Finanzinvestor kommen, die Betriebsführung der Tagebaue und Kraftwerke aber bei der Steag liegen, hieß es. Die Umweltschutzorganisation Greenpeace, die ebenfalls mitbieten und die Kohle dann unter der Erde lassen wollte, ist vom Verfahren ausgeschlossen worden. Kommentar

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