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Gasförderung Umstrittenes Fracking

In den USA hat Fracking einen Erdgas-Boom ausgelöst. Jetzt soll die umstrittene Methode zur Gasförderung auch in Deutschland eingeführt werden. In der Bevölkerung regt sich Protest und auch die Bundesministerien sind sich uneins.

Fracking hat in den USA einen Erdgas-Boom ausgelöst. Foto: Getty Images

Zwei Bundesbehörden beharken sich heftig wegen der Fracking-Technologie, mit der Energiekonzerne auch in Deutschland mehr Erdgas fördern wollen. Die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) attackierte jüngst das Umweltbundesamt (UBA), das die Fördertechnologie kritisch sieht. Nun wehrt sich das UBA in einem internen Papier. Es hält strikt an der Forderung fest, dass vor einem breiten Einsatz des Fracking die Risiken unter anderem für das Grundwasser genau untersucht werden müssen.

Beim Fracking pumpen die Förderfirmen mit Chemikalien angereichertes Wasser in tiefe Erdschichten, um dort gashaltige Gesteine, zum Beispiel Schiefer, aufzubrechen. Dieses Gas ist mit konventioneller Technologie nicht förderbar. In den USA hat der Fracking-Einsatz einen Erdgas-Boom ausgelöst und den Gaspreis verbilligt. In Deutschland könnte Fracking genutzt werden, um den wegen Erschöpfung der konventionellen Lager laufenden Rückgang der Gasförderung zu bremsen. Theoretisch reichen die Frackinggas-Vorkommen, um den aktuellen Erdgasverbrauch 13 Jahre lang zu decken. Gegen die Technologie gibt es breiten Protest in der Bevölkerung. Pläne von Unternehmen für Fracking-Bohrungen gibt es unter anderem in Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Nordhessen und in Baden-Württemberg.

„Subjektive Argumentation“

Das Bundesumweltministerium plädiert wie das ihm unterstehende Umweltamt dafür, das Fracking mit Vorsicht anzugehen; Ressortchef Peter Altmaier (CDU) warnte vor übereilter Einführung der Technologie. Das verärgerte offenbar das Wirtschaftsministerium. Es ließ von der BGR ein Gutachten anfertigen, um die UBA-Studie zu bewerten, die Basis für die Haltung des Ministeriums war. Sie beurteilt Fracking positiv und wirft den Umweltexperten unter anderem „nicht nachvollziehbare“ Begründungen und „subjektive Argumentation“ vor. BGR-Kernsatz: „Sofern die gesetzlichen Regelungen eingehalten und die erforderlichen technischen Maßnahmen getroffen werden, ist aus geowissenschaftlicher Sicht prinzipiell ein umweltverträglicher Einsatz der Fracking-Technologie möglich.“

Belastung des Grundwassers

Die Sache ist nicht nur politisch und ökonomisch brisant, das UBA fühlt sich von der BGR auch unsachlich attackiert. Sie wirft den Geologen vor, bei der Erstellung der Studie trotz „mehrfacher Nachfrage“ nicht kooperiert zu haben. Das UBA weist die Kritik in acht Punkten zurück. Vor allem die Frage, wie stark auf den Schutz salzhaltiger Tiefenwässer vor einer Belastung mit Chemikalien geachtet werden muss, entzweit die Forscher. Laut BGR ist das weniger relevant. Die UBA-Experten kontern: „Ihre Argumentation, Grundwasserveränderungen nicht als nachteilig zu anzusehen, wenn Grundwasser seine Trinkwasserqualität verliert, solange das Grundwasser nicht als Trinkwasser genutzt wird, ist … mit geltendem Wasserrecht nicht vereinbar.“

Die Grünen werfen Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) vor, die Fracking-Technologie gegen berechtigte Einwände durchdrücken zu wollen. Ihr energiepolitischer Sprecher Oliver Krischer, sagte der Berliner Zeitung: Rösler hat die BGR wie einen bissigen Hund von der Leine gelassen.“ Sein Ziel sei es, die Glaubwürdigkeit der Kritiker zu untergraben. Das Umweltamt habe einen Großteil der Kritik zu Recht zurückgewiesen. Dass der Behördenstreit überhaupt möglich ist, liege am Versagen von Schwarz-Gelb. Die Risiken des Fracking seien lange bekannt, doch die Koalition sei seit über zwei Jahren nicht in der Lage zu handeln. „Inzwischen hat dieser Streit offenbar auch die Fachbehörden erreicht, wo eigentlich die Sacharbeit verrichtet werden sollte“, sagte Krischer.

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