Lade Inhalte...

Finanzinvestor Blackstone Meerwind ganz privat

Blackstone plant mit der Errichtung des Offshore-Parks "Meerwind" den ersten privaten Windpark in Deutschland und wird dafür rund 1,2 Milliarden Euro ausgeben. Für die Investoren verspricht das Unternehmen trotz der Risiken "angemessene Renditen".

06.08.2011 17:24
Offshore-Windpark nordwestlich von Borkum. Foto: dapd

Auf die alles entscheidende Frage antwortet Sean Klimczak ausweichend. Wie viel werden die Investoren an dem Windpark vor Helgoland verdienen? Der Blackstone-Manager verspricht eine „angemessene Rendite“. Details nennt er nicht.

Die Finanzierung jedenfalls steht. 1,2 Milliarden Euro werden unter der Regie von Blackstone investiert, um 23 Kilometer nördlich von Helgoland 80 Windkraftanlagen in der Nordsee zu errichten. Baubeginn soll im September 2012 sein. Der Offshore-Park „Meerwind“, den die Blackstone-Tochter WindMW betreiben wird, soll eine Leistung von 288 Megawatt bringen. Damit können bei idealen Wetterbedingungen theoretisch 400000 Haushalte mit Strom versorgt werden.

„Es ist eine gute Nachricht, dass ein weiteres Projekt unter Dach und Fach ist“, sagt Tilman Schwencke vom Vorstand des Verbandes Offshore-Forum Windenergie. Es handele sich um eine noch relativ junge Technologie, es stünden noch nicht allzu viele Windräder im Wasser, es gebe noch eine Reihe von Herausforderungen. „Deshalb ist es wichtig für die gesamte Branche, dass ein Finanzinvestor wie Blackstone beweist, dass solche Projekte zu stemmen sind“, sagt Schwencke.

Blackstone gehört zu einer Sorte von Unternehmen, die gelegentlich als Heuschrecken tituliert werden und die es auf hohe Gewinne für ihre Kunden abgesehen haben. Branchenkenner gehen davon aus, dass mit dem Windpark eine Rendite auf das eingesetzte Kapital von neun bis zehn Prozent zu erreichen ist. Blackstone hat bei Anlegern, viele dürften aus den USA kommen, 350 Millionen Euro für die Windmühlen vor Helgoland eingesammelt. 822 Millionen Euro werden an Krediten von Banken bereitgestellt. Mit dabei sind unter anderem die Commerzbank, aber auch die staatliche KfW-Bankengruppe, die Mittel aus einem Förderprogramm für Windenergie locker macht.

Blackstone rühmt sich, dass Meerwind der erste Windpark in Deutschland sei, der von privaten und nicht institutionellen Investoren finanziert wird. Das ist bemerkenswert, weil hierzulande eine Debatte tobt, ob die Rahmenbedingungen für Strom vom Meer stimmen. Große Energiekonzerne haben sich beklagt, dass nur Anlagen genehmigt werden, die viele Kilometer vor der Küste stehen – so weit entfernt, dass sie von Land aus nicht mehr zu sehen sind. Dies erhöht die Kosten, weil die Fundamente der Anlagen im tieferen Wasser gebaut werden. Dies muss seit geraumer Zeit immer wieder als Rechtfertigung dafür herhalten, dass Offshore-Projekte lange Zeit nicht voran kamen.

Deutsche Förderbedingungen attraktiv

Für Holger Krawinkel, Energieexperte des Bundesverbandes der Verbraucherzentralen, zeigt das Blackstone-Projekt, dass „die deutschen Förderbedingungen so schlecht nicht sein können“. Die Amerikaner hätten das Geld der Anleger auch in anderen Ländern investieren können. Zu den günstigen Bedingungen zählt, dass dem Betreiber einer Offshore-Anlage mindestens zwölf Jahre lang 15 Cent garantiert werden für jede Kilowattstunde, die ins Netz eingespeist wird. Das liegt deutlich über dem Börsenpreis für Strom und ist fast doppelt so viel wie für Windstrom, der an Land produziert wird.

Offshore bringt allerdings auch einiges an Fährnissen mit sich. „Das größte Risiko ist der Wind“, sagt Klimczak. Während des Baus der Anlagen sind eine steife Brise und Wellen die Feinde der Monteure und Ingenieure. Um die Stahltürme am Meeresboden zu veranken, braucht es Spezialschiffe. Können die wegen Sturm nicht rausfahren, sind schnell Mehrkosten in Millionenhöhe möglich. Ähnliches gilt für Wartungs- und Reparaturarbeiten.

Blackstone lässt sich davon aber nicht abschrecken, der Finanzinvestor plant einen weiteren Windpark für 1,3 Milliarden Euro westlich von Sylt. Das sind freilich nicht die einzigen Vorhaben dieser Art. Offshore-Projekte in Nord- und Ostsee kommen jetzt in nennenswerten Zahl in Gang. Viele Stadtwerke sind in diesem Geschäft aktiv. Auch die großen Konzerne wie RWE, Vattenfall oder EnBW machen nun mit. Es handelt es sich um Anlagen-Parks wie Meerwind mit 80 Turbinen à 3,6 Megawatt Leistung. Eine Kategorie höher rangieren Projekte wie Bard1, die 400 Megawatt bringt.

Wie viel insgesamt in den nächsten Jahren im Meer gebaut wird, ist eine der entscheidenden Fragen der deutschen Energiewende. „Genau darüber müssen wir intensiv diskutieren“, sagt Krawinkel. Es ist enorm teuer, den Strom über spezielle Kabel zum Festland zu transportieren. Die Bundesnetzagentur genehmigte kürzlich den Bau eines Sammelkabels mit einer Kapazität von 6000 Megawatt. Kosten: 5,4 Milliarden Euro. Bezahlen werden das letztlich die Stromkunden.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen