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Erneuerbare Energie Indien legt den Schalter um

Kohle-Bergwerke werden stillgelegt, denn Solarstrom ist inzwischen billiger. Es zeichnet sich ab, dass Indien der weltweit größte Markt für Fotovoltaik-Anlagen wird.

22.08.2017 15:34

Noch vor zehn Jahren war Deutschland Solar-Weltmeister, inzwischen hat längst China diese Position beim Ausbau der Öko-Energien übernommen. Doch nun zeichnet sich ab, dass in den kommenden Jahren Indien der weltweit größte Markt für Fotovoltaik-Anlagen werden wird. Denn der Umbau des indischen Stromsektors nimmt kräftig Fahrt auf. Die jüngste Meldung dazu: Der größte Kohleproduzent des Landes, Coal India, wird rund 100 seiner knapp 400 Kohleminen schließen, unter anderem, weil Solarstrom inzwischen günstiger produziert werden kann als fossile Elektrizität.

Noch ist Indien ein Kohleland. Die rund 600 Kraftwerke, die den fossilen Rohstoffe verbrennen, liefern über 60 Prozent des in dem Staat mit seinen 1,3 Milliarden Bewohnen verbrauchten Stroms. Der Coal-India-Konzern produziert rund 80 Prozent davon. Bereits im vergangenen Jahr hat er 15 Bergwerke geschlossen, in diesem Jahr soll laut indischem Wirtschaftsblatt „The Economic Times“ 37 weitere Produktionsstätten folgen und noch einmal rund 60 in den nächsten zwei bis drei Jahren. Grund ist die mangelnde Rentabilität der Minen, die vielfach auch minderwertige Kohlequalität liefern. Eine Untersuchung zeigte 2015, dass nur 15 der 400 Coal-India-Minen sehr effizient arbeiten und vom Rest rund 90 so umstrukturiert werden können, dass sie wirtschaftlich sind.

Indien hat wie das weltweite Kohleland Nummer eins, China, seine Pläne für den Neubau fossiler Kraftwerke seit Anfang 2016 zusammengestrichen. Das war auch eine Folge des im Dezember 2015 geschlossen Paris-Klimavertrags, der weltweit einen Stopp der Nutzung von Kohle, Erdöl und Erdgas nach 2050 fordert. Neu-Delhi hat sich verpflichtet, den Anteil der Erneuerbaren am Energieverbrauch bis 2030 auf 40 Prozent zu steigern.

Eine große Rolle für die schlechteren Aussichten im Kohlesektor spielt, dass die Regierung die Solarstrom-Erzeugung massiv pusht. Bereits bis 2020 sollen die installierten Fotovoltaik-Kapazitäten nach ihren Plänen von derzeit 14.000 auf 100.000 Megawatt (MW) ansteigen. Zum Vergleich: Die Leistung der Kohlekraftwerke beträgt derzeit rund 194.000 MW.

Wie billig der Solarstrom in dem sonnenreichen Land inzwischen ist, zeigen die Ergebnisse der im ersten Halbjahr 2016 vom Staat durchgeführten Ausschreibungen für Photovoltaik-Kraftwerke. Hier bekamen Unternehmen den Zuschlag, die die Kilowattstunde für nur 2,44 Rupien (umgerechnet 3,1 Cent) angeboten hatten. Der größte Stromkonzerns Indiens, National Thermal Power, verkauft Kohlestrom laut dem deutschen Ökoenergie-Branchendienst IWR für 3,2 Rupien pro Kilowattstunde.

Energieexperten rechnen angesichts dieser Entwicklungen damit, dass Indien in den nächsten Jahren zum wichtigsten Markt für Fotovoltaik-Anlagen wird. Aktuell dominiert noch China, das 2016 mit über 34.000 MW alleine knapp die Hälfte des weltweiten Zubaus auf sich vereinigte. Zum Vergleich: Deutschland kam auf 1500 MW. Für Indien erwartet das Marktforschungsunternehmen Lux Research aus Boston, dass bis 2021 jährlich im Schnitt rund 18.000 MW hinzukommen, während China wegen sinkender Vergütungssätze und Netzanschluss-Problemen zurückfällt.

Aufsehen erregte die indische Regierung mit dem Plan, ab 2030 nur noch Elektrofahrzeuge neu zuzulassen. Damit sollen die gewaltigen Smogprobleme in den indischen Metropolen eingedämmt werden.

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