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Energiewende Stromexport trotz Atomausstieg

Eine gute Nachricht: Der teilweise Atomausstieg 2011 hat entgegen der Behauptung vieler Skeptiker nicht dazu geführt, dass Deutschland dauerhaft abhängig ist von Stromlieferungen aus dem Ausland. Im Gegenteil: Deutschland exportierte soviel Strom wie seit Jahren nicht mehr.

02.04.2013 12:31
Trotz Atomausstiegs hat Deutschland Strom im Überfluss. Foto: dpa

Wie das Statistische Bundesamt am Dienstag bekanntgab, wurden im Jahr 2012 per Saldo so viel Strom exportiert wie zuletzt 2008. 22,8 Milliarden Kilowattstunden beträgt der Überschuss – und der Hauptabnehmer sind die Niederlande. 1,4 Milliarden Euro betrug der Überschuss durch die Verkäufe.

Die beschleunigte Energiewende hat also nicht dazu geführt, dass Deutschland permanent große Strommengen importieren muss. Im Gegenteil: Der Ausbau der erneuerbaren Energien ging in den vergangenen Jahren schnell vonstatten, ihr Anteil an der Erzeugung beträgt inzwischen rund ein Drittel. Gleichzeitig sind noch einmal zahlreiche Gas- und Kohlekraftwerke fertig geworden, die vor der Wirtschaftskrise, als die Strompreise hoch waren, in Auftrag gegeben wurden. Dieses Jahr kommen noch einmal mehrere Großanlagen hinzu. Schon jetzt deuten die Zahlen aus dem ersten Quartal an, dass 2013 sogar ein Rekordjahr beim Stromexport werden könnte. Selbst im März, in dem nicht besonders viel grüner Strom erzeugt wurde, wurde nur einmal kurzzeitig Strom exportiert, den Rest der Zeit war der Saldo positiv.

Kohlekraftwerke zu unflexibel

Der hohe Exportüberschuss könnte allerdings leicht dazu verführen, zahlreiche Probleme, die sich in unserem Stromsystem anbahnen, nicht zu beachten. Das wäre aber ein Fehler. Durch die Stromexportstatistik wird nicht abgebildet, wie stark die Schwankungen sind. Meist ist es so, dass Deutschland immer dann Strom über die Grenzen in die Nachbarländer schiebt, wenn die Grünstromproduktion sehr hoch ist. Vor allem die Mittagsspitze der Photovoltaikanlagen findet sich häufig fast eins zu eins in den Exportzahlen wieder – auch deshalb, weil die Kohlekraftwerke zu unflexibel sind, um ihre Leistung entsprechend herunterzufahren.

Dieser Effekt wird mit dem weiteren Ausbau der erneuerbaren Energien noch zunehmen. Im Augenblick profitieren noch beide Seiten davon: Deutschland hat eine Stromsenke und erlöst wenigstens noch ein wenig Geld mit dem Export. Und unsere Nachbarn bekommen günstiger Strom – allerdings leiden auch dort die konventionellen Kraftwerke unter den niedrigen Preisen, was wie in Deutschland zum Problem für die Versorgungssicherheit wird.

Abladeplatz für Ökostrom

Vor allem in den Niederlanden stehen die Gaskraftwerke viel häufiger still als geplant – und rentieren sich kaum noch. Werden sie abgeschaltet, ist die Versorgungssicherheit im Winter gefährdet. Es ist fraglich, ob sich der Kurs durchhalten lässt, das Ausland systematisch als Abladeplatz für Ökostrom zu nutzen. Das geht zum Beispiel dann nicht mehr, wenn dort ebenfalls hohe grüne Strommengen erzeugt werden – was sich Verfechter der Energiewende ja wünschen sollten.

Die Exportstatistik zeigt also: Die Erzeugung großer Mengen Grünstrom ist nicht unser Problem. Trotz der Abschaltung der acht älteren Atommeiler werden übers Jahr gesehen hohe Strommengen erzeugt. Doch damit die Aufnahmefähigkeit unserer Nachbarn nicht überstrapaziert ist, muss in Deutschland jetzt die Flexibilität erhöht werden: Die alten Kraftwerke müssen sich besser den Schwankungen der erneuerbaren Energien anpassen, das Stromnetz innerhalb Deutschlands ausgebaut werden und die Flexibilität zunehmen. Früher oder später werden auch zusätzliche Speicher nötig sein, um die Schwankungen zumindest abzufedern.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Atomausstieg

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