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Energiewende Solarboom in China

Die Investitionen in Erneuerbare Energien schießen weltweit in die Höhe - nur Europa schwächelt.

06.04.2018 11:17
Huainan
Sogar auf dem Wasser fangen Chinesen die Sonne ein. Foto: rtr

Vor zehn, fünfzehn Jahren galten die erneuerbaren Energien rund um den Globus noch als Nischenmarkt. Wer sich für mehr Windräder oder Solar-Anlagen stark machte, stand schnell im Ruf, ein realitätsfremder Träumer zu sein. Atom, Kohle, Gas: Das waren die Stoffe, für die sich die Strombranche interessierte und mit denen sich viel Geld verdienen ließ.

Die Zeiten haben sich grundlegend geändert. Längst fließt viel mehr Geld in den Ausbau der erneuerbaren Energien als in konventionelle Kraftwerkskapazitäten. Das unterstreicht auch eine neue Untersuchung, die das Umweltprogramm der Vereinten Nationen, die Frankfurt School of Finance & Management sowie der Fachdienst Bloomberg New Energy Finance am Donnerstag veröffentlichten.

Besonders dynamisch war demnach im vergangenen Jahr die Solarbranche. Die Investitionen in neue Anlagen schossen weltweit um fast ein Fünftel in die Höhe. Dies zeige, „wie viel erreicht werden kann, wenn wir ein Wirtschaftswachstum anstreben, das die Umwelt nicht schädigt“, sagte der Chef des UN-Umweltprogramms, Erik Solheim.

Mehr als die Hälfte der Solarinvestitionen entfällt auf China

Den Erhebungen zufolge summierten sich die Investitionen in neue Solaranlagen auf rund 161 Milliarden Dollar. Mehr als die Hälfte davon entfiel auf China. Das Land ist längst der wichtigste Markt für erneuerbare Energien und auch als Technologie-Anbieter führend. Im Segment der Windkraft gingen die Investitionen rund um den Globus im Vergleich zum Vorjahr um zwölf Prozent zurück. Sie summierten sich auf aber immer noch auf 107 Milliarden Dollar. Zum Vergleich: In neue Kapazitäten zur Stromerzeugung aus Gas und Kohle flossen lediglich 103 Milliarden Euro – also jeweils deutlich weniger als in die Solar- und Windkraft.

Noch freilich dominieren die fossilen Energieträger die Stromproduktion weltweit. Die Erneuerbaren holen aber auf. Sie kamen im vergangenen Jahr auf einen Anteil von zwölf Prozent an der Erzeugung, ein Plus von einem Prozentpunkt. Dieser Zuwachs entspreche ungefähr 1,8 Gigatonnen Kohlendioxid, die eingespart wurden und auf diese Weise nicht das Klima schädigen, schreiben die Autoren der Studie. Betrachtet man nicht die tatsächliche Stromproduktion, sondern die installierte Erzeugungskapazität, so kommen die Erneuerbaren inzwischen auf einen Anteil von einem Fünftel.

Insgesamt wuchsen die Investitionen in erneuerbare Energie im vergangenen Jahr um zwei Prozent auf rund 280 Milliarden Dollar. Der Solar-Boom machte dabei die Rückgänge bei der Windkraft, bei Biomasse, Wasserkraft und anderen Technologien mehr als wett. Der bisherige Rekord an Ökostrom-Investitionen stammt aus dem Jahr 2015. Damals summierten sich die Ausgaben auf 323 Milliarden Dollar.

Produktion von Ökostrom wird billiger

Dabei muss allerdings beachtet werden, dass die Produktion von Ökostrom in der jüngsten Vergangenheit deutlich billiger geworden ist. Für die gleiche Investition lässt sich heute viel mehr Erzeugungskapazität installieren als noch vor einigen Jahren. Das gilt insbesondere für die Solarkraft. Aufgrund riesiger Produktions-Überkapazitäten in China sind die Preise für Solarpaneele massiv gesunken.

Der Preisrutsch trug dazu bei, dass 2017 weltweit Kapazitäten zur Ökostrom-Erzeugung im Umfang von 157 Gigawatt neu installiert werden konnten – ein Rekordwert. Im Vorjahr hatte der Zuwachs bei 143 Gigawatt gelegen. Allein durch neue Solaranlagen kamen 2017 fast 100 Gigawatt Erzeugungskapazität hinzu. Zum Vergleich: Der Zuwachs bei Gas, Kohle und Atom zusammen betrug lediglich 84 Gigawatt.

Für Europa verzeichnet die Studie rückläufige Investitionen in erneuerbare Energien. Da gilt auch für Deutschland, wo seit 2017 neue Regeln für die Ökostrom-Förderung gelten. Das führte dazu, dass etliche Projekte vorgezogen wurden. Obwohl die Investitionen im vergangenen Jahr zurückgingen, nahm die installierte Leistung zu – auch dies ist dem Umstand geschuldet, dass die Erzeugung von Ökostrom deutlich billiger geworden ist.

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