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Energiewende Ökostrom ist langfristig billiger

Einer schneller Ausbau der erneuerbaren Energien führt zu einer kräftigen Kostenersparnis. Das ist das Ergebnis einer Studie der Umweltorganisation Greenpeace. Bis 2050 summiere sich der Kostenvorteil auf 522 Milliarden Euro, wovon Windstrom den größten Anteil habe.

Windräder sorgen für günstigen Strom. Foto: imago

Eine Billion Euro – oder sogar noch mehr? Im Frühjahr schockte Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) die Bürger, indem er die Kosten des Ökostrom-Ausbaus bis 2040 auf diese Summe hochrechnete. Die Umweltorganisation Greenpeace macht nun eine Gegenrechnung auf. Sie argumentiert: „Ein schneller Ausbau der erneuerbaren Energien führt zu einer kräftigen Kostenersparnis.“

Ökostrom-Anlagen produzierten schon heute Strom zum Teil deutlich günstiger als der konventionelle Kraftwerkspark. 2030 werde die Kilowattstunde Strom aus neu gebauten Wind-, Wasser- und Solaranlagen im Schnitt 3,1 Cent weniger als Strom aus fossilen Quellen kosten.

Bis 2030 summiere sich der Kostenvorteil auf 54 Milliarden Euro, bis 2050 sogar auf 522 Milliarden. Windstrom habe dabei mit 405 Milliarden den größten Anteil am „Nettonutzen“, die Beiträge von Solar- und Biomasse-Energie seien deutlich geringer. Diese Zahlen finden sich in einer Studie, die das Forum ökologisch-soziale Marktwirtschaft (FÖS) im Auftrag des Ökostrom-Anbieters Greenpeace Energy erstellte. Das FÖS ist ein unabhängiger Think-Tank mit Sitz in Berlin. Die Autorinnen der FÖS-Untersuchung vergleichen in der Untersuchung die Kosten von konventioneller und regenerativer Stromerzeugung von heute bis 2050.

Lena Reuster und Swantje Küchler legen dabei aber nicht – so wie Altmaier und andere Kritiker des weiteren Ausbaus – die Summen zugrunde, die sich aus der von Verbrauchern zu zahlenden EEG-Umlage ergeben. Eine volkswirtschaftliche Bewertung müsse sich an den „Nettokosten“ des Ausbaus der erneuerbaren Energien orientieren – also der Differenz zwischen den tatsächlichen Kosten der Ökostrom-Erzeugung und den Stromgestehungskosten der konventionellen Kraftwerke.

Die EEG-Umlage taugt laut FÖS für diese Bewertung nicht, da sie unter anderem durch niedrige Großhandelspreise an der Leipziger Strombörse künstlich hoch getrieben wird.

Kosten für Ökostrom-Anlagen sinken

Außerdem berücksichtigt die FÖS-Studie auch die Umweltkosten, die bei fossilen und Atomkraftwerken sehr deutlich höher sind als bei Sonne-, Wind- und Wasserkraft-Anlagen. Diese Umweltkosten mit zu berücksichtigen sei zwingend. Denn es sei schließlich der „Kern der Energiewende“, diese externen Kosten künftig zu vermeiden oder minimieren.

Die FÖS-Autorinnen begründen die positive Bilanz der Öko-Energien zweifach: „Jede Kilowattstunde grüner Strom hilft, die Umweltschäden durch Kohle und Atom zu vermeiden.“ Zum anderen sänken Kosten für neue Ökostrom-Anlagen dank technischer Weiterentwicklung immer weiter.

Sie räumen aber ein, dass die Kosten bestehender Altanlagen „nicht unerheblich“ seien. Die hohen EEG-Einspeisevergütungen früherer Jahre sind Betreibern von Wind- oder Solaranlagen für 20 Jahre garantiert. Doch fielen diese Kosten unabhängig davon an, ob der Ausbau weiterhin energisch vorangetrieben oder eingefroren wird. „Für die politische Entscheidung über die weitere Ausgestaltung des Ausbaus erneuerbarer Energien sind ausschließlich die Kosten neuer Ökostrom-Anlagen relevant“, heißt es in der Untersuchung.

Netzausbau unberücksichtigt

Der Ökostromanbieter Greenpeace Energy zieht den Schluss: „Es ist nicht nur ökologisch richtig, den Ausbau weiterhin energisch voranzutreiben, sondern auch wirtschaftlich vernünftig“, so Marcel Keiffenheim, Leiter Energiepolitik der Genossenschaft, die in Hamburg ansässig ist. Den Politischen Bestrebungen, das Tempo der Energiewende zu drosseln, müsse deshalb eine entschiedene Abfuhr erteilt werden. Je langfristiger der Betrachtungszeitraum, desto stärker rentiere sich der rasche Ausbau von Wind, Wasser und Sonne.

Ein Manko hat die Studie allerdings. Die Kosten des für den Ökostrom notwendigen Ausbaus von Netz und Speichermöglichkeiten sind darin nicht berücksichtigt. Hierzu lägen „keine robusten, umfassenden und konkreten Schätzungen vor“, heißt es zur Begründung. Tatsächlich gibt es sehr unterschiedliche und auch bei den Kosten stark differierende Konzepte für den Netzausbau. Die FÖS-Expertinnen sind sich allerdings sicher, dass „auch vergleichsweise hohe Integrationskosten“ aus der positiven Nettobilanz der erneuerbaren Energien finanziert werden könnten.

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