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Energiewende Kein Selbstläufer

Erneuerbare Energien boomen - und trotzdem ist der Abschied von der Kohle noch nicht gelungen. Da hilft nur ein vernünftiger CO2-Preis.

13.02.2018 15:34

Die globale Energiewende läuft. Im vorigen Jahr nahm die Kapazität von Photovoltaik-Kraftwerken weltweit um mehr als 100 Gigawatt (GW) und die von Windkraft-Anlagen um 50 GW zu, so die ersten Abschätzungen von Branchenverbänden und Marktforschungsinstituten. Damit setzte sich der Boom der Öko-Energien fort, der derzeit vor allem von der rasanten Verbilligung der Solarenergie befeuert wird. Gleichzeitig wuchs die Atomkraft weltweit nur noch um 0,3 Gigawatt, stagnierte also praktisch. Auch in den beiden wichtigsten Kohleländern wie China und Indien überholten der Zubau der Ökoenergien den der Kohlekraftwerke, und in China legte die installierte Solarstrom-Leistung 2017 stärker zu, als das Land insgesamt an AKW-Kapazität besitzt.

Trotzdem ist der Umbau des Energiesystems kein Selbstläufer. Entsprechende Hoffnungen wurden dadurch genährt, dass der weltweite Verbrauch des Top-Klimakillers Kohle in den letzten Jahren rückläufig gewesen war. Laut einer neuen Untersuchung gibt es keine Grund für Euphorie. Der Rückgang beim Kohlekraftwerks-Neubau in China und Indien wird danach nämlich durch den steigenden Zubau in schnell wachsenden Schwellenländern wie die Türkei, Indonesien und Vietnam zum Teil zunichte gemacht. Die Welt ist daher immer noch weit von dem Kohleausstiegs-Pfad entfernt, der zur Einhaltung des Zwei-Grad-Erwärmungslimits führt, das 2015 im Paris-Klimavertrag fixiert wurde. Vorgelegt wurde die Studie vom Potsdam Institut für Klimafolgenforschung (PIK) und dem Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change (MCC) in Berlin.

Tatsächlich steigt die Zahl der Kohlekraftwerke weltweit weiter an, obwohl China und Indien 2016 in einem spektakulären Schritt jeweils die Hälfte ihrer damals noch geplanten Anlagen strichen. So wollen alleine die drei Länder Türkei, Indonesien und Vietnam ihre Kohlestrom-Kapazitäten zusammengenommen um 160 GW erhöhen, was laut den Experten der Leistung aller in der EU betriebenen Kohlekraftwerken entspricht. Auch andere Staaten haben ihre Zubaupläne erhöht, Ägypten sogar um volle 800 Prozent. Die Folgen für die Treibhausgas-Budgets der Länder wären dramatisch. So würde die sich der CO2-Ausstoß aus Kohlekraftwerken in Vietnam bis 2030 fast verzehnfachen und in der Türkei vervierfachen.

Der Chef-Ökonom des PIK, Professor Ottmar Edenhofer, warnt, das Kohleproblem werde sich trotz aller Fortschritte bei den erneuerbaren Energien nicht von selbst erledigen. Notwendig sei ein weltweiter Kohleausstieg, das Mittel der Wahl dazu eine „substanzielle Bepreisung von CO2“. Diese könne von Land zu Land unterschiedlich aussehen, doch es sei notwendig, dass eine Koalition von Pionieren den Anfang macht – „noch in diesem Jahrzehnt“.

Einen Kohleausstieg haben inzwischen über 25 Länder angekündigt, darunter neben Industriestaaten wie Großbritannien, Frankreich, Italien und Kanada auch Entwicklungsländer wie Mexiko und Chile. Dass ein substanzieller CO2-Preis wirkt, kann man übrigens im Mutterland der Industrialisierung, Großbritannien, sehen, wo 2013 ein Mindestpreis von rund 20 Euro pro Tonne CO2 eingeführt wurde. Hier sank der Kohlestromanteil, der früher bei 40 Prozent lag, auf nur noch zwei Prozent.

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