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Energiewende Ein letzter Rekord für die Windkraft

In diesem Jahr werden voraussichtlich so viele Windräder in Betrieb gehen wie nie zuvor. Doch der Boom dürfte bald zu Ende gehen. Für Mittelständler wird die Finanzierung schwieriger.

29.07.2014 17:09
Der Windrad-Boom dürfte bald zu Ende gehen. Foto: dpa

Die Windmüller feiern einen Rekord: Im ersten Halbjahr wurden in Deutschland an Land so viele Anlagen wie noch nie neu aufgestellt. Sie bringen zusammen 1723 Megawatt, das ist deutlich mehr als die Leistung eines Atomkraftwerks. Auch für das Gesamtjahr rechnet die Branche mit einem neuen Höchstwert. Einiges spricht aber dafür, dass der Rekord sobald nicht mehr übertroffen wird.

Das Plus in den Monaten von Anfang Januar bis Ende Juni ist atemberaubend. Die Leistung ist um zwei Drittel höher als in der Vorjahreszeit. Das kommt nicht von ungefähr. Der „Fukushima-Effekt“ zeige Wirkung, sagte Hermann Albers, Präsident des Bundesverbands Windenergie (BWE), dieser Zeitung. Nach der Reaktorkatastrophe in Japan im März 2011 wiesen mehrere Bundesländer zusätzliche Flächen für Windräder aus. Besonders eifrig war Schleswig-Holstein. Jedes vierte der neu aufgestellten Windräder steht in dem kleinen Bundesland im Norden.

Ein zweiter Faktor: Die vergangenen Monate waren von der Diskussion über die künftige Förderung der Erneuerbaren geprägt. Das hat viele Investoren handeln lassen. Denn mit der Fertigstellung der Anlagen und dem Anschluss ans Netz sicherten sie sich für 20 Jahre noch relativ günstige Einspeisevergütungen. Mit der Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes, die am 1. August in Kraft tritt, sinken die gesetzlich garantierten Zahlungen je nach Standort um 15 bis 25 Prozent.

Gleichwohl, der BWE und die Anlagenbauer-Lobby VDMA Power Systems gehen davon aus, dass in der zweiten Jahreshälfte in jedem Fall noch einmal so viele neue Anlagen wie im ersten Semester hinzukommen. Damit würde der alte Rekord des Jahres 2002 von rund 3300 Megawatt überboten. Die Windkraft an Land würde dann Ende 2014 etwa ein Zehntel des gesamten hiesigen Strombedarfs abdecken.

Doch es ist keineswegs klar, dass der Boom ungebremst weitergeht. Große Sorgen bereitet den Windmüllern, dass die Bundesregierung 2016 einen Systemwechsel einleiten will. Ein Teil der neuen Rotoren soll dann über Ausschreibungen gebaut werden: Potenzielle Investoren bewerben sich für neue Windkraftkapazität. Wer den niedrigsten Preis pro eingespeister Kilowattstunde bietet, kommt zum Zug. Das macht die Sache vor allem für Mittelständler und für Projekte mit Bürgerbeteiligung komplizierter. Die Finanzierung wird schwieriger. Schon allein die Beteiligung an der Ausschreibung kostet Geld; das ist futsch, wenn andere zum Zuge kommen.

Experten vermuten, dass finanziell schwächere Akteure verdrängt werden könnten und vor allem große Energiekonzerne künftig in der Windkraft das Sagen haben. Viele Mittelständler jedenfalls wollen ihre Projekte nun zügig durchziehen, um sich die fixen, wenn auch reduzierten Einspeisevergütungen zu sichern. Zumindest 2015 dürfte also noch einmal eine große Zahl neuer Windräder aufgestellt werden.

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