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Energiewende „Das Trauma von Fukushima überwinden“

Klimaexperte Peter Hennicke über die Frage, wie Deutschland und Japan der Energiewende neuen Schub geben können.

09.12.2017 12:46
Satsumasendai
Viereinhalb Jahre nach der Atomkatastrophe von Fukushima ging im Sommer 2013 der Kernreaktor in Satsumasendai wieder ans Netz. Foto: rtr

Professor Hennicke, Deutschlands bekanntester Klimaforscher, Hans-Joachim Schellnhuber, hat zum Thema Energiewende gesagt:„Deutschland und Japan müssen bei diesem Wettrennen gegen eine globale Katastrophe die Führung übernehmen“. Sie sind Japan-Kenner. Wie gut sind die Chancen dafür?
Deutschland und Japan sind beide exponierte Export- und Hochtechnologieländer. Sie haben klar das Potenzial dazu – eine gemeinsame Führungsrolle würde die globale Energie-und Ressourcenwende beschleunigen. Wenn beide Länder von ihren Stärken lernen, kann zum Beispiel Deutschland im Verkehrssektor und Japan im Stromsektor die Dekarbonisierung schneller vorantreiben. Die guten bilateralen Beziehungen sollten durch kontinuierlichen Wissensaustausch über technologische und soziale Innovationen für die Energiewende intensiviert werden. Mit dem im vorigen Jahr gegründeten „Deutsch-Japanischen Energiewende-Rat GJETC wollen wir dazu beitragen.

Klimaexperten setzen sonst eher auf China, das Deutschland als Erfinder der Energiewende inzwischen abgehängt hat und Weltmarktführer bei Solar- und Windstrom ist…
Peking pusht Öko-Energien und Energieeffizienz ja nicht nur aus Gründen des Klimaschutzes, sondern insbesondere, weil es die katastrophale Luft- und Umweltverschmutzung im Land reduzieren muss. Insofern ist China allein schon wegen der Größe ein Treiber der globalen Kostenreduktion bei Solar- und Windstrom sowie ein wichtiges Vorbild für andere Schwellen- und Entwicklungsländer. Im Vergleich hierzu ist die Energiewende in Deutschland und Japan ein Lackmustest, ob und wie schnell „Hightech-Demokratien“ tatsächlich durch Innovationen zur nachhaltigen Entwicklung fähig sind.
 
Aber Japans Regierung will – trotz des Super-GAUs in Fukushima, der gigantische Kosten verursacht – eine Renaissance der Atomkraft. Wie passt das zur Energiewende?
Das Trauma von Fukushima und die Insellage, die das Problem der Versorgungssicherheit bedingt, sind die Hauptfaktoren der japanischen Energiepolitik. Wenn gemeinsam mit deutschen Experten demonstriert werden kann, dass Japan – durch Kombination von mehr Effizienz und Erneuerbaren – gar kein „energiearmes“, sondern tatsächlich ein „energiereiches Land“ ist, kann dort ähnlich wie in Deutschland schrittweise auf Atomenergie verzichtet werden. Eine Renaissance, also ein Neubau von AKW, wird es in Japan allerdings schon aus Kostengründen nicht mehr geben.
 
Aber Kohlekraftwerke stehen in Japan hoch im Kurs, neue Anlagen werden gebaut, während viele andere Industrieländer aussteigen...
Die Doktrin der derzeitigen offiziellen Energiepolitik ist eben, dass Japan ein „energiearmes“ Land sei und besonders stark und auf Dauer von Energieimporten sowie von nuklearen oder fossilen Grundlastkraftwerken abhängt.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Japan

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