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Energiepflanzen Mais, Mais und noch mal Mais

Der Anbau von Mais und Raps in Deutschland nimmt bedrohliche Züge an. Dünger und Pestizide belasten zunehmend Böden. Das Bundesamt für Naturschutz warnt nun vor ungezügeltem Hunger nach Energiepflanzen. Von Stephan Börnecke

06.02.2010 00:02
In den USA wird aus Mais Ethanol gewonnen, hierzulande wandert er oft in Biogasfermenter. Foto: rtr

In der Konkurrenz zwischen dem Anbau von Pflanzen für die Nahrung und für die Energienutzung hat die Präsidentin des Bundesamtes für Naturschutz (BfN), Beate Jessel, vor einer ungehemmten Ausweitung von Maismonokulturen gewarnt.

Jessel sagte zur Frankfurter Rundschau, der Biomasse-Anbau habe inzwischen eine Rekorddimension erreicht, die zu einer fortschreitenden Intensivierung der Landwirtschaft führe. Dies habe deutliche negative Folgen für den Naturhaushalt. Um auch künftig auf eine Akzeptanz in der Bevölkerung für diese Form der Energieerzeugung zählen zu können, sei eine Umorientierung hin zu einem naturverträglichen Anbau von Energiepflanzen unumgänglich.

Zwar halte sie eine pauschale Kritik an der Biomassenutzung für ungerechtfertigt: "Wir brauchen ein gewisses Maß an Biomassenutzung, anders erreichen wir unsere Klimaziele nicht." Doch die Saat von Raps und der Anbau von Mais ohne Abwechselung mit anderen Fruchtarten habe inzwischen ein Maß erreicht, das großen Schaden in der Natur anrichte. Dazu zählten der Verlust der biologischen Vielfalt in der Agrarlandschaft genauso wie die Belastung von Böden und Wasser durch große Mengen an Dünger sowie Pestiziden.

Aus Wiesen werden Maisäcker

Der Anbau von Pflanzen zur Gewinnung von Biogas und Pflanzensprit sowie zu einem kleinen Teil auch als Fasern in der Industrie hat mit mehr als zwei Millionen Hektar einen Anteil von 17 Prozent an der Ackerfläche erreicht. Das Problem, gerade aus Gründen des Klimaschutzes, wird dadurch verschärft, dass viele Energie-Landwirte dazu übergehen, Wiesen und Weiden in Maisäcker umzupflügen. Zwischen 2003 und 2008 wurden bundesweit 3,6 Prozent des Grünlands deshalb umbrochen. In einzelnen Ländern wie Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen und Schleswig-Holstein liegt diese Rate sogar bei bis zu 6,5 Prozent.

In einem Positionspapier des BfN, das Jessel am Dienstag bei einer Fachtagung in Berlin vorstellen will, wird vor dieser anhaltenden Entwicklung gewarnt. Die in Folge des Umpflügens freigesetzten Treibhausgase "können durch den Anbau von nachwachsenden Rohstoffen zur Energieerzeugung - wenn überhaupt - erst nach langen Zeiträumen wieder kompensiert werden." Im Klartext: Durch den Anbau von Energiepflanzen geraten mehr Treibhausgase in die Luft als durch die Bioenergienutzung eingespart werden.

Inzwischen verlangen Umweltschützer wie der Nabu in Niedersachsen bereits einen Baustopp für Biogasanlagen. Jessel hingegen setzt auf eine Veränderung der Förderrichtlinien: "Ein Kernpunkt ist für mich der finanzielle Anreiz." So müssten Vorgaben für die Investitionsförderung und die Einspeisevergütung ins Stromnetz geändert werden.

Geld solle es nur geben, wenn die Verwendung von Mais limitiert und stattdessen mehr Abfälle aus der Landschaftspflege benutzt werden. "Mais, Mais und noch mal Mais, das darf nicht sein", sagte Jessel. Schädlinge wie Maiszünsler und Maiswurzelbohrer sowie der Griff zum gegen die Insekten resistenten Gen-Mais "sind eine direkte Folge dieser Entwicklung". Mais müsse mit Getreide oder anderen Kulturen im Wechsel angebaut werden. "Die Landwirte dürfen nicht die Maximierung der Energieerträge im Auge haben, sondern müssen auch die Natur berücksichtigen."

Die BfN-Präsidentin plädierte dafür, den im Erneuerbare-Energien-Gesetz seit 2009 installierten Landschaftspflegebonus für die Verwendung von Grünabfällen in der Biogasanlage von derzeit zwei Cent deutlich anzuheben. Zwar wollte sich Jessel nicht auf eine Zahl festlegen, nannte jedoch die Höhe des Bonus für die Verwendung von nachwachsenden Rohstoffen von derzeit sieben Cent "eine wunderbare Option".

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