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Energiebranche Steigende Strompreise drohen

Kommunale Unternehmen sind besorgt über die Pläne der großen Stromnetzbetreiber. Sie werfen ihnen vor, ein neues Oligopol in der deutschen Energieversorgung anzustreben.

12.03.2017 14:46
Stromnetz
Noch nicht für die Zukunft aufgestellt: Bis das deutsche Stromnetz umgebaut ist, sollen Zusatzkraftwerke aushelfen. Foto: rtr

Dicke Luft in der Energiebranche: Die kommunalen Unternehmen attackieren die vier großen Netzbetreiber. Sie werfen ihnen vor, ein neues Oligopol in der deutschen Energieversorgung anzustreben, wie Branchenvertreter der FR sagten. Für Verbraucher würde das zu steigenden Strompreisen führen.

In dem Streit geht es letztlich um eine Neuausrichtung der Energiewende. Anlass ist ein Antrag, der kürzlich bei der Bundesnetzagentur einging. Die vier Betreiber der großen deutschen Stromtrassen (TransnetBW, Amprion, Tennet, 50Hertz) wollen demnach sogenannte „Netzstabilitätsanlagen“ errichten, und zwar in Süddeutschland mit einer Leistung von maximal zwei Gigawatt – das entspricht etwa anderthalb Atomkraftwerken. Insider halten es für wahrscheinlich, dass die Netzagentur dem Antrag zustimmt.

Im neuen Energiewirtschaftsgesetz wird der Bau solcher Anlagen vorgeschrieben, wenn der Bedarf nachgewiesen wird. Aus dem Antrag geht hervor, dass dies aus Sicht des Betreiber-Quartetts außer Frage steht. Es soll sich um Anlagen handeln, die bei Engpässen in der Stromversorgung zum Einsatz kommen sollen. Und diese Notsituationen könnten südlich der Mainlinie verstärkt eintreten, wenn Ende 2022 das letzte Atomkraftwerk abgeschaltet ist – bis dahin gehen im Süden der Republik vier Meiler vom Netz. Deren Leistung von um die sieben Gigawatt soll durch neue Stromautobahnen der Netzbetreiber kompensiert werden, die elektrische Energie aus Windkraft von Nord nach Süd transportieren, aber frühestens 2025 fertiggestellt sein werden. Für mindestens drei Jahre braucht es laut den Übertragungsnetzbetreibern (ÜNB) eine Übergangslösung.

Das Novum bei den Netzstabilitätsanlagen: Die Vier wollen die Kraftwerke nicht nur selbst errichten, sondern auch betreiben. Und das bringt die kommunalen Unternehmen auf die Palme. In der Strombranche gilt generell das Prinzip des Unbundlings, der Trennung von Netzbetrieb und Stromerzeugung, um Machtkonzentration zu verhindern. „Nun aber scheinen die vier Übertragungsnetzbetreiber selbst auf eine beherrschende Stellung im System der deutschen Energieversorgung hinzuarbeiten“, sagt Constantin Alsheimer, Chef des Frankfurter Versorgers Mainova. Es drohe die Wiederkehr eines Oligopols. Die Kosten dafür würden letztlich die Kunden zahlen; über die Netzentgelte, die einen immer größeren Anteil an der Stromrechnung ausmachen. Auch Josef Hasler, Chef des Nürnberger Versorgers N-Ergie, sieht in den Plänen „eine Abkehr vom Prinzip des Wettbewerbs“. Die beiden Manager haben Katherina Reiche, Hauptgeschäftsführerin des Verbandes Kommunaler Unternehmen, (VKU) auf ihrer Seite: Regelungen zum Unbundling würden aufgeweicht. „Das Ergebnis werden weniger Markt, weniger Wettbewerb und höhere Energiepreise für die Verbraucher sein“, sagte Reiche der FR. Dies widerspreche den Zielen der Energiewende.

Die Netzbetreiber weisen die Vorwürfe zurück. Es werde nur ausgeführt, was das Gesetz vorschreibe, so eine Tennet-Sprecherin. Die zusätzlichen Anlagen würden nicht am regulären Strommarkt teilnehmen, sondern nur in Ausnahmefällen für kurze Zeit zugeschaltet. Eine Sprecherin von TransnetBW betont, dass es sich um einen auf wenige Jahre befristeten Einsatz von mehreren kleineren Gaskraftwerken handele. Sie sollen im Zuge eines sogenannten Redispatchs schnell hochgefahren werden können, um Schwankungen im Stromnetz auszugleichen. Diesen Strom müssen die Netzbetreiber bisher in der Regel teuer einkaufen.

Das macht deutlich, dass es bei dem Streit auch um die Verteilung von Geld geht. Kommunale Firmen wollen am Redispatch mitverdienen. Die ÜNB wollen nach Einschätzung von Branchenkennern mit den eigenen Anlagen von Stromlieferanten unabhängiger werden: Es gibt Beispiele aus den USA, wo regional starke Stromproduzenten Leistung ihrer Anlagen bewusst drosselten, um dann teuren Redispatch-Strom losschlagen zu können.

Reiche indes will neue Wege gehen. Anstelle zentraler Lösungen brauche es „intelligente Verteilnetzcluster“. Sie meint damit, auf lokaler Ebene Angebot und Nachfrage neu zu organisieren. Auch Alsheimer und Hasler fordern alternative Konzepte – den Einsatz von Speichern, flexibler Verbrauch der Großunternehmen und mehr Erneuerbare in Süddeutschland.

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