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Energie Strompreise steigen um 13 Prozent

Die Energiewende und Entlastungen für die Industrie treiben die Stromtarife schneller in die Höhe als je zuvor. „Das ist verheerend“, warnt der Sozialverband VdK.

Der Stromzähler läuft und der Preis steigt – unaufhörlich. Foto: Imago

Die Strompreise steigen im kommenden Jahr für Privathaushalte drastisch an und werden zum sozialen Sprengstoff. Der Berliner Zeitung liegt eine Berechnung des Vergleichsportals Verivox vor, nach der Elektrizität 2013 um 13 Prozent teurer wird. Eine derartige Steigerung gab es noch nie.

Ein vierköpfiger Musterhaushalt mit 4000 Kilowattstunden Verbrauch zahlt im kommenden Jahr im Schnitt statt derzeit 997 Euro 1126 Euro. Gründe dafür sind zahlreiche neu erhobene oder ansteigende Abgaben, für die die Bundesregierung verantwortlich ist. Nicht absehbar ist, ob jeder Stromvertrieb die Kosten sofort an die Kunden weitergibt. Preiserhöhungen müssen erst sechs Wochen im Voraus bekanntgegeben werden. Da die Kosten bei allen Stromverkäufern anfallen, ist aber damit zu rechnen, dass sie überall in die Strompreise einfließen, wie Verivox bestätigte.

Am vergangenen Montag war bekanntgegeben worden, dass sich die Abgabe für die Befreiung von Teilen der Industrie von den Stromnetzkosten 2013 mehr als verdoppelt. Allein dies verursacht einen Anstieg der Stromrechnung um zehn Euro. Wichtigster Kostentreiber ist allerdings die Umlage für den Ausbau der erneuerbaren Energien. Damit werden Ökostromkraftwerke subventioniert.

Die Umlage steigt für den Musterhaushalt um knapp 80 Euro einschließlich fälliger Mehrwertsteuer. Ausgelöst wird der Anstieg auch durch von Schwarz-Gelb erweiterte Ausnahmeregeln für die Industrie. Hinzu kommen noch deutlich höhere Netzkosten. Und zuletzt zahlen die Kleinverbraucher ab 2013 über den Strompreis eine Abgabe, mit der die Betreiber von Windparks auf hoher See entschädigt werden, wenn der Netzanschluss nicht rechtzeitig fertig ist.

„Preiserhöhung ist sozial verheerend“

Der Sozialverband VdK ist alarmiert. Ulrike Mascher, die VdK-Präsidentin, sagte der Berliner Zeitung: „Eine derart drastische Preiserhöhung ist sozial verheerend. Für einkommensschwache Haushalte gibt es überhaupt keine Möglichkeit, diese Belastung aufzufangen.“ Sie forderte: „Grundsicherung und Hartz-IV-Regelsatz müssen schleunigst den gestiegenen Strompreisen angeglichen werden.“ Das reiche aber nicht. Die Energiewende müsse viel stärker aus Steuermitteln finanziert werden statt über Abgaben. Zudem gehörten die Ausnahmen für die Industrie auf den Prüfstand.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) übte ebenfalls Kritik. DGB-Vorstand Dietmar Hexel sagte, der Strompreis müsse stabilisiert werden. Dafür könne die Mehrwertsteuer auf die EEG-Umlage reduziert oder gestrichen werden – allerdings nur, wenn die Versorger garantierten, dass die Entlastung bei den Kunden ankomme.

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