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Energie Der Klimaschutz trotzt dem Wachstum

Gute Nachrichten für den Klimaschutz: Erstmals geht der CO2-Ausstoß in einem Boomjahr zurück. Gleichzeitig sind die Verschmutzungszertifikate billig wie nie - wie geht das zusammen?

Trotz Braunkohle-Kraftwerken wie hier in Brandenburg: Der Kohlendioxidausstoß ist zuletzt zurückgegangen. Foto: dpa

Solche Zahlen hat es noch nicht gegeben in Deutschland: Sieben Atomkraftwerke wurden 2011 dauerhaft vom Netz genommen, während die Wirtschaft um drei Prozent zulegte, zugleich haben heimische Industrie und Energiewirtschaft rund 4,5 Millionen Tonnen weniger Kohlendioxid (CO2) freigesetzt als noch 2010. Boom minus Kernkraft gleich Klimaschutz – das ist neu.

Jedenfalls stützen die neuen Daten des Umweltbundesamtes (UBA) die nicht mehr ganz so neue These, dass ökonomischer Erfolg und effektiver Umweltschutz miteinander vereinbar sind. Widerlegt wurden dagegen die großen Energieversorger Eon, RWE, EnBW und Vattenfall: Sie hatten Düsteres prophezeit, wenn ihre Meiler durch Kraftwerke mit hohem CO2-Ausstoß ersetzt würden. Zwar wurden fossile Kraftwerke tatsächlich häufiger eingesetzt, durch den Ausbau erneuerbarer Energien und Einsparungen der Unternehmen sank der Ausstoß des klimaschädlichen CO2 dennoch um ein Prozent auf knapp 450,3 Millionen Tonnen.

Damit blieben die insgesamt 1640 Betriebe und Anlagen, die in Deutschland dem europäischen CO2-Emissionshandel unterliegen, unterhalb der Obergrenze von 452,8 Millionen Tonnen, die der EU-Klima- und Energiepakt jährlich erlaubt. Die Verpflichtung aus dem Kyoto-Protokoll, den Treibhausgas-Ausstoß gegenüber 1990 bis Ende 2012 um 21 Prozent zu senken, wird sogar übertroffen: Schon 2011 betrug die Reduktion 25 Prozent.

Also alles gut? Umwelt intakt, Klima geschont, Wirtschaft wächst weiter? Mitnichten.

Kohle-durch Gaskraftwerke ersetzt

Zum einen spornen vorzeitig erreichte Klimaschutzziele nicht zu neuen Taten an, zumal die Luftverschmutzungskosten sinken. An den Börsen wurden Anfang der Woche Emissionszertifikate, die zum Ausstoß von einer Tonne CO2 berechtigen, für nur noch gut sechs Euro gehandelt. Das ist so wenig wie nie seit dem Start des Handels 2005. Infolgedessen klafft im Klimafonds, der die Energiewende fördern soll, ein Milliardenloch. Man hatte für 2012 mit Einnahmen von 17 Euro pro Tonne CO2 kalkuliert.

Zum zweiten sank der CO2- Ausstoß 2011 zwar auch in der EU insgesamt, sogar um 2,4 Prozent. Allerdings war dies weniger Ergebnis konsequenter Klimaschutzpolitik als vielmehr der Rezession in Südeuropa.

Damit ist aber auch klar, dass die jüngsten Erfolge nicht ohne Weiteres wiederholbar sind. Wenn in Spanien und Italien die Konjunktur anspringt, steigt auch der CO2-Ausstoß wieder. Das ist hierzulande zwar nicht zu befürchten. Allerdings verringerten die deutschen Stromerzeuger ihren CO2-Ausstoß gegenüber 2010 nicht allein durch den Ausbau erneuerbarer Energien, sondern auch durch den Einsatz CO2-ärmerer fossiler Energieträger: Kohle- wurden durch Gaskraftwerke ersetzt, anstelle besonders klimaschädlicher Braunkohle- trat die Steinkohleverbrennung. Das kann noch verbessert werden. Der Spielraum dafür ist vorhanden, wenn auch nicht unbegrenzt.

Gleiches gilt fürs Energiesparen: Je effizienter die Anlagen bereits sind, desto schwieriger (und teurer) werden weiter sinkende Verbrauchszahlen. Trotzdem ist ein strengeres Reduktionsziel für den Ausstoß von Kohlendioxid bis 2020 erreichbar, minus 30 statt 20 Prozent sind möglich. Die EU muss nur wollen.

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